Offenbacher Prinzenpaar

Jetzt regiert der erste Spanier

Offenbach - Die Amtsübergaben jagten einander. Der Schirmherr der lederanischen Fastnacht begrüßte einen neuen Landesverweser. Der berief einen neuen Hofmarschall. Und der stellte das Offenbacher Prinzenpaar für die Kampagne 2014/15 vor: José I. und Anna-Maria I. Von Markus Terharn 

Gekrönt werden die Tollitäten zwar erst am 17. Januar 2015 in der Stadthalle. Aber den ersten halb öffentlichen Auftritt haben José María Hernández Martínez und Ihre Lieblichkeit Christina Anna-Maria Hagedorn bereits mit Bravour hinter sich gebracht: In Anwesenheit zahlreicher närrischer Würdenträger wurden sie gestern Mittag im Rudolf-Koch-Saal des Hotels Sheraton präsentiert. „Ich war doch ein wenig nervös“, gestand die Prinzessin. Dabei ist es für sie gar keine Premiere: Schon 2006 schwang die heute 37-Jährige das Narrenzepter, damals an der Seite ihres Vaters Harald Hagedorn. Da sie nicht die erste Offenbacher Fastnachtsfürstin namens Christina gewesen wäre, entschied sie sich, als Anna-Maria zu firmieren. Dabei bleibt’s.

Der 41-jährige Regent, der auch privat an ihrer Seite steht, wurde in Bad Soden geboren, hat indes spanische Wurzeln und bezeichnet Frankfurts Stadtteil Höchst als seine Heimat. Sein Weg in die Fastnacht ist durch den Beruf vorgezeichnet: Hernández arbeitet in der Mühlheimer Transporter-System-Firma von Bernd Meuer, seines Zeichens Mundschenk und stellvertretender Vorsitzender im Offenbacher Karneval-Verein (OKV). Außer für seine Herzensdame und für die Narretei schlägt Josés Herz für die filigranen Fußballer von Real Madrid und für ein schweres Motorrad der Marke Harley Davidson. Am liebsten sitzt er zusammen mit der Freundin im Sattel. Falls seine Christina, gelernte Versicherungskauffrau, nicht gerade mit den Hunden Rocky und Nero im Feld unterwegs ist oder sich einen ruhigen Abend mit Stricken oder Seidenmalerei macht.

„Singen werde ich aber nicht“

Anna-Maria I. hat im Damenkomitee des OKV Erfahrungen in Sachen Frohsinnsvorbereitung gesammelt und will als neues Mitglied im Vergnügungsausschuss die Spaßarbeit kräftig unterstützen. „Singen werde ich aber nicht“, streicht sie einen Unterschied zu Vorgängerin Manuela I. (Pies) heraus, reimen will sie nur gelegentlich. „Am besten ist es, man lässt mich einfach babbeln, wie mir der Schnabel gewachsen ist!“ Für seine Abdankung sah sich der scheidende Prinz Robert I. (Pies) mit der Würde eines Hofmarschalls entschädigt. Dass dies nicht das Ende der Fastnachts-Fahnenstange sein muss, kann er von Manfred Roth lernen. Der „Mister OKV“ der vergangenen Epoche begann 1980 als Prinz, war Marschall der Jahre 1981 bis 1985, wurde in der Kampagne 1994/95 stellvertretender Vereinsvorsitzender, ehe er im Jahr 2001 dessen Führung unternahm, die er jüngst an Klaus Kohlweyer abgegeben hat. Jetzt darf er sich Landesverweser nennen – und tritt so in die großen Fußstapfen Alfred Seegers.

Alle offiziellen Termine finden sich unter: www.okv-web.de

Damit ist Roth nicht nur oberster Karnevalist im Staate Lederanien, wozu ihm der Schirmherr der lokalen Narretei, Horst Schneider, von Herzen gratulierte. In seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister überreichte er Roth außerdem die höchste Ehrung, welche die Lederstadt zu vergeben hat, die Bürgermedaille in Silber. „Das hat die städtische Ehrungskommission auf meine Anregung beschlossen“, berichtete der Rathauschef. Er betonte, dass Roth die Auszeichnung „mit Fug und Recht“ erhalte, und nannte ihn „das vorzeigbare Aushängeschild der Offenbacher Fastnacht“. Das von OB Schneider launig „Offebacher Schlippche“ lässt sich jederzeit am Revers tragen; anders als die Amtskette des Landesverwesers. Die wurde Roth von Mundschenk Meuer auf einem roten Kissen angedient und wiegt so einiges. „Alfred Seeger war eine deutlich gewichtigere Persönlichkeit, als ich es bin, er hat sie tragen können“, scherzte der Geehrte.

Rathaussturm 2014 in Offenbach

Rathaussturm in Offenbach

OKV-Chef Kohlweyer sieht in der Mannschaft eine gute Mischung aus „alter Weisheit mit viel Erfahrung und jungen Wilden“. Er freut sich auf eine tolle Kampagne mit dem Prinzenpaar. Auf das „Feuerwerk der guten Laune“ mit dessen Inthronisation in der Stadthalle (das Programm wird demnächst bekanntgegeben) folgen unter anderem der Rathaussturm am 7. Februar, eine Autogrammstunde in der Galeria Kaufhof am 14. Februar, die Teilnahme am Frankfurter Fastnachtszug am 15. Februar, der Seniorenvormittag am 16. Februar in der Stadthalle mit Treffen ehemaliger Prinzenpaare sowie die Beteiligung an der traditionellen Bürgeler Kappenfahrt am 17. Februar. Und das ist nur ein Auszug aus den offiziellen Verpflichtungen der lederanischen Repräsentanten. Denn José I. und Anna-Maria I. besuchen während der Session insgesamt mehr als 120 Termine. Darunter sind nicht nur Sitzungen, sondern auch Feiern in Kindergärten, Altenheimen und sozialen Einrichtungen und bei Sponsoren. Aber am Aschermittwoch ist schon wieder alles vorbei...

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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