Karnevalisten gut in Schuss

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Je leerer die Stadtkasse wird, desto größere Kaliber fahren die Offenbacher Karnevalisten auf, um sie zu erobern. Vorne: das Prinzenpaar Sabine I. und Herbert II. Hinten, hoffnungslos: OB Horst Schneider, Bürgermeisterin Birgit Simon und Stadtrat Klaus-Josef Werné.

Offenbach ‐ Prinz Karneval hat in diesem Jahr Glück: Schönstes kaltes Kaiserwetter begleitet den Rathaussturm. Hunderte Narren haben sich auf dem Stadthof formiert, die Stimmung ist ausgelassen, die „Icebreakers“ der Stadtgarde blasen und pauken zum Angriff. Von David Heisig

An vorderster Front: das Prinzenpaar, Sabine I. und Herbert II. mit Hofstaat und den Oberen des Offenbacher Karnevalsvereins (OKV). Im Foyer des Rathauses dagegen herrscht noch gespannte Stille, man rüstet sich mental für die Belagerung. Immerhin gilt es, den Schlüssel zur Stadt und vor allem den Stadtsäckel zu verteidigen. Da ist das richtige Gerät lebenswichtig. Bürgermeisterin Birgit Simon, Oberbürgermeister Horst Schneider und Stadtrat Klaus-Josef Werné ziehen auf dem „Offenbacher Beamtenschiff“ in die Schlacht.

Der Rathaussturm in Bildern:

Narren stürmen das Rathaus

Gekämpft wird mit rein karnevalistischen Methoden. So liefern sich Karl-Heinz Eitel als Till Eulenspiegel und Horst Schneider als er selbst ein Wortduell. Ziel des OB: jegliche närrische Begehrlichkeit abwehren. Sein Kompromissvorschlag, die Narren mit Knollen zu besänftigen: unbrauchbar. Als Quittung prallen „Uiuiuiui“-Rufe von den Stadthof-Fassaden ab. Gegenschlag, auf der rhetorischen Ideallinie: „Die Euros raus, e bissche hopp, sonst gibt´s was auf Dein Eierkopp´!“

Der OB will nicht. Man könne das Geld ja mit der Post schicken…? Keine gute Idee. „Du roter Binsel hast´n Knall, mer bleibe hier auf jeden Fall. Rück jetzt die Kohle raus, sonst schießen mer Dir die Fenster aus.“ Knolle, Bier, Luftschlangen zur Zier - auf Seiten des OKV lässt man sich nicht so schnell abspeisen. „Was glaubst du, wer hier vor Dir steht. Mir sind zwar Narren, doch net blöd. Was sind des denn hier für blöde Bosse, ab jetzt wird nur noch scharf geschosse.“

Konfetti bricht sich Bahn, die TGO-Elfer böllern aus der Kanone auf das Rathausschiff. Vier Schüsse braucht es, dann fällt die städtische Bastion: „Hilfe, Hilfe, haltet ein, wir im Rathaus sehen´s ein“, winselt Schneider, klingt aber glücklich. „Hört auf mit Eurem Wahn, seht hier: Wir schwenken ja die Fahn´“.

Schlüssel und Kasse sind nun in Narrenhand. Ganz zufrieden mit der finanziellen Ausbeute ist man aber nicht, laut des OKV-Präsidenten Manfred Roth ob ausgedehnter Ebbe unter einem Haufen Schulden. Aber Roth ist Sportsmann: „Die Fastnachter halten´s mit dem Wahlspruch von Ex-OB Grandke – „Ohne Moos ist in Offenbach auch viel los.“ Also donnert mit „Gud´ Stuss - Ahoi“ und dreifachem „Offenbach Hallau“ der närrische Lindwurm ins Foyer des Rathauses.

„Die goldenen Dukaten, die hätte ich natürlich gerne behalten“, kommentiert Horst Schneider seine Entmachtung. Andererseits sei der Rathaussturm schöne Tradition: „Fastnacht hatte ja immer auch einen politischen Hintergrund, die Obrigkeit wird auf die Schippe genommen. Da steckt eine gute Kritik dahinter.“

„Am Wilhelmsplatz nach den Bäumen sehen“

Und guter Gerstensaft. Im Foyer strömt das städtische Friedensangebot aus den Zapfhähnen. Es wird gelacht und getratscht. Und für Prinz Herbert II. ist der Rathaussturm sowieso etwas ganz Besonderes, auch nach einer schon recht langen Fastnachtssession: „Rathaussturm, OB entmachten, das ist ein einzigartiges Gefühl. Das erlebst du normal als Bürgerlicher nicht“, würdigt der Monarch schmunzelnd.

Die anschließenden Verhandlungen zwischen honorigem Volk und Stadtoberen hinter verschlossener Tür entbehrten dann jeder aggressiver Verhandlungsstrategie. Manfred Roth betonte, dass die Erstürmung des Rathauses in der fünften Jahreszeit bei weitem einfacher sei als im politischen Tagesgeschäft. „Sie dürfen sich das nicht so leicht vorstellen“, rät der Ober-Karnevalist dem CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Peter Freier für die OB-Direktwahl im September.

In der „Regierungserklärung“ verspricht das Prinzenpaar dann, Stadt und Rathaus bis Aschermittwoch in gutem Schuss zu halten. Der Prinz stichelt dabei ein wenig gegen den OB, indem er ihm vorschlägt, er könne in seiner nun bevorstehenden Freizeit „am Wilhelmsplatz ja mal nach den Bäumen sehen“. Aber am Ende ist Frieden, hat der Schulterschluss zwischen Stadt und Narren in der fünften Jahreszeit doch Tradition in Offenbach. Als Zeichen dafür bekommen Vertreter der Stadt dann noch den Offenbacher Prinzenorden verliehen.

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