Trommeln auf Kniescheiben

Rockiger Kostümball der Stadtgarde

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Einen besonderen Höhepunkt des Abends bildet der Auftritt der „Bambis“. Die Kleinen der Stadtgarde tanzen in Bademänteln, mit Handtüchern und bunten Kostümen über die Bühne.

Offenbach - In der Turnhalle Bieber tobt am Samstag ein närrisches Rockkonzert. Unter dem Motto „Die Nacht des Rock’n’Roll“ steigt die diesjährige Kostümballsitzung der Stadtgarde Offenbach. Von Christian Krug

Buntes Diskolicht schimmert von der Bühne wie einst zu Elvis’ Zeiten. Noten und Schallplatten aus Pappe baumeln munter von der festlich geschmückten Decke, darunter tummelt sich ein heiteres Meer aus Cowboys, Piraten und Clowns. Auch ein Arzt im sporadischen OP-Kittel und ein bunt bemalter Postbote sind mit von der Partie. Aus den Boxen tönen Stimmungskracher wie „Sie hatte nur noch Schuhe an“, es wird getrunken, gelacht, gefeiert. Neben der Stadtgarde selbst sind zudem weitere Fastnachtsvereine wie der Carneval-Club Blau-Gelb Höchst aus dem Odenwald zu Gast.

Den Auftakt des Abends liefern die „Paradiesvögel“ – tanzerprobte Mädels mit Vogelmasken und reichlich Federn an den Kostümen. Zu exotischen Dschungel-Rhythmen, mit Fächern bewaffnet, legen sie einen wilden Tanz aufs Parkett.

Die „Prinzengarde“ bringt den Saal zum Beben

Fetzig der Auftritt des Tanzsportclubs Jeunesse Offenbach.

„Helau!“, ertönt es aus allen Ecken und Enden. Die „Prinzengarde“ der Höchster marschiert auf und bringt den Saal zum Beben. Die in weiß-roter Tracht mit kurzen Röckchen bekleidete Frauengarde erobert tanzend die Bühne und bildet die Vorhut zum Auftritt des Prinzenpaars: Erich I., Prinz von Riwwel zu Stückche, und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Gabi III. Natürlich gedenkt der Hochadel seiner treuen Untertanen: Alteingesessene Vereinsmitglieder beschenkt er mit Sekt und Blumen.

Adelig geht es unterdessen weiter: Ehrfürchtig erhebt sich das närrische Volk, als das Offenbacher Prinzenpaar der Stadtgarde den Festsaal betritt. In blau-weiß schimmernden Herrschaftsgewändern, eine riesige Feder auf der Narrenkappe des Prinzen, bahnen sie sich einen Weg in Richtung Bühne: Matthias I. von Lederanien, Marquis de Bijoux, Earl of Black Label Palace, und Ihre Hoheit Kirsten I. von Lederanien, Duchesse de Saucisse, Lady of Little Market Hall.

Auch während des Balls wird fleißig nachgeschminkt.

Anschließend ist kurze Pause. Ein Mönch in lila Kutte plaudert angeregt mit einem arabischen Ölscheich. Teufel, Biene und Pirat erheben gemeinsam das Glas. Ein Schotte im Schottenrock schießt begeistert ein Foto vom Detektiv mit Baskenmütze à la Sherlock Holmes.

Fürs leibliche Wohl ist gesorgt: Machen sich Hunger oder Durst bemerkbar, genügt ein Handgriff zu den entsprechend beschrifteten Bildkarten, die überall auf den Tischen ausliegen und bloß wild durch die Luft geschwenkt zu werden brauchen. Schon eilt die fleißige Bedienung herbei – Wein, Bier, Sekt und belegte Brötchen im Schlepptau.

Kostümballsitzung der Stadtgarde

Kostümballsitzung der Stadtgarde

Dann geht es mit einem Mal klassisch zu! Eine sanfte Klaviersymphonie ertönt, eine Gruppe in grünen Barock-Kostümen tritt auf: die Crazy Dancers der Stadtgarde – die Gesichter bleich geschminkt, auf den Köpfen ausladende Perücken, ganz wie zu Mozarts Zeiten. Urplötzlich, ein stimmungsvolles „Rock Me, Amadeus!“ auf den Lippen, durchbricht Falco das melodische Klavierspiel, und der barocke Tanz wandelt sich zu einem ausgelassenen Rock-Spektakel.

Einen abstrakteren Auftritt bieten „The Cubes“: Vier junge Männer in Unterhemden und weißen Hosen, jeder zwei, drei knallbunte Plastikschlägel in Händen, stürmen das Parkett und führen einen Tanz zu kuriosen Trommelbeats auf. Getrommelt wird auf Boden, auf Kniescheiben sowie auf Schultern und Köpfen der Tanzpartner, bis zu guter Letzt einer der Schlägel – Bumm! – explodiert und den Saal mit buntem Konfetti flutet.

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