Fastnachtsitzung der Gemaa-Elfer

Lange Beine sind erste Sahne

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Bei der Sitzung der Gemaa kommen nicht nur Uniformierte und Kostümierte in der alten Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule auf ihre Kosten.

Offenbach - Die Gemaa-Kappen sind angekommen. Nach einem Jahr Pause mit Neuformierung des Vorstands, Emil-Renk-Haus und Stadthallenfoyer hat die alte Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule ihre Bewährungsprobe als Narrhalla bestanden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der 100-jährige Saal erfüllt alle Voraussetzungen für eine Fastnachtssitzung – große Bühne, genug Sitzplätze, gute Akustik und Nähe zum Heimathafen Tempelsee. Bei der Elferrats-Sitzung am Samstag wurden diese genutzt.

Neu im dreieinhalbstündigen Programm sind Akteure aus der Fastnachtshochburg Seligenstadt. Mit Paukenschlägen eröffnet der 1952 gegründete Spielmannszug Froschhausen den Einzug der Elfer, ein Stimmungsliederpotpourri animiert die Gäste, sich warm zu schunkeln.

Mit Bravour und Zugabe

Mit Bravour und Zugabe meistert die Garde der Seligenstädter Fastnachtsfreunde ihre Premiere bei der Gemaa. 18 hübsche junge Damen lassen die Beine fliegen, bis ihnen die Luft wegbleibt – Sitzungspräsident Jürgen Kofink ist begeistert. „Das war erste Sahne!“ Dafür bekommen die Mädchen die einzige Publikumsrakete.

Früh übt sich, wer Faschingsmeister werden will: Noch etwas asynchron, aber eindeutig Gardestil ist bei den Gemaa-Minis der Turnabteilung zu erkennen. Unter Leitung ihrer Trainerinnen Melanie Pogadl und Lorena Diehm haben die kostümierten Kleinsten wochenlang geübt. Heraus gekommen ist „Ein bunter Blumenstrauß“ zu den Evergreens „Adelheid, schenk mir einen Gartenzwerg“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“.

Zum Tanzen ist nicht nur die Bühne optimal. Die fünf Pretty Girls nutzen den Weg zum Podest zwischen den Tischen, um der Halle im goldenen Cheerleading-Outfit richtig einzuheizen. Fetzige Song-Interpretationen von Boney M. sind die Grundlage. Trainerin Pogadl, OKV-Prinzessin von 2012, erhält das Lederanische Verdienstkreuz.

„Überall hab ich ein Ohr und halte auch den Spiegel vor!“

„Überall hab ich ein Ohr und halte auch den Spiegel vor!“ Was wäre die Gemaa ohne Protokoller Jürgen Kofink? Das ganze Jahr hat er im Blick: Offenbach, Landes- und Weltpolitik. Fußball-EM, Olympia, Organspendeskandal, Kates Schwangerschaft oder Hauptstadtflughafen: Kofink findet immer etwas zum Reimen. „Die Bundesregierung, man glaubt es nicht, fälscht den Armuts- und Reichtumsbericht!“ „Die Investition sollte sich lohnen, der Klinikneubau verschlang Millionen.“ „Der City Tower, der steht leer, warum kommt denn kein Mieter her?“

Bei manchem weckt die Turnhalle gemischte Gefühle an Schulzeiten. OKV-Sitzungspräsident Simon Isser, froh, dass er nicht turnen muss, moderiert den Auftritt des Prinzenpaars Matthias I. und Kirsten I. Motto: „Feiert Fastnacht, wie es einmal war: Party machen, bis es kracht!“ Zweistimmig singen sie das Prinzenlied. Dafür gibt es Jahres- und Hans-Durchlauf-Orden. Auszeichnung für Nachwuchs-Büttenrednerin Bianca Kofink: Sie bekommt das Goldene Eichblatt.

Seit Samstag weiß man, wo man sich erste Hilfe holen kann, bei Masseurin Bianca: „Und hängt auch alles kreuz und quer, und es hilft fast gar nichts mehr, dann gönnt euch ganz glamourös e Stund bei mir, eurer Masseus. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und merkt euch: Mittags um vier, da mach ich auf!“

Bilder von der Fastnachtsitzung der Gemaa-Elfer

Gemaa-Elfer: Feuertaufe in neuer Halle

Nicht mehr neu ist der „Sitzungspräsident“ von Boris Reisert. Bereits 2010 begeisterte der Hochgeschwindigkeitsredner damit das Publikum in „Mitgemacht und mitgelacht“ im hr-Fernsehen. Doch live ist anders als Mattscheibe. Der nicht mehr ganz taufrische Text tat deshalb der zwölfminütigen Begeisterung keinen Abbruch. „Mei Aura durch mei betörende Blick, die reicht von Sydney und widder zurück! Ich bin so schlau und auch so stark – man nennt mich auch Barack Obama von Rödermark!“

Reisert berichtet, wie sich sein Leben als Sitzungspräsident verändert. „Und geht’s auf die erst Sitzung zu, dann ist’s bei uns vorbei, die Ruh.“ Statt Klopapier hängen Luftschlangen da, die ganze Familie ist mucksmäuschenstill, wenn Boris seinen Text lernen will. Der Bericht gipfelt wie gewohnt in sich überschlagenden Sätzen, Chaos, einem kreischenden Publikum und Reiserts Schlusswort: „Ich kapituliere. Offebach – hallau!“

Für Stimmung und viel Gelächter sorgten auch das Kinderprinzenpaar der Ranzengarde Bürgel, Charly Engerts „Booooodo“, dass Korz-Lang-Fett-Quartett XXL aus Heusenstamm und die Hauskapelle Thomas und Frank Saper, die im Anschluss bis spät in die Nacht für ordentliche Tanzmusik sorgte.

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