Von der Fastnacht umarmt

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Die Schriftführerin des OKV, Brigitte Stiefel, präsentiert mit Pressewart Helmut Krämer und dem Präsidenten Manfred Roth (rechts) das Plakat für das „Feuerwerk der guten Laune“.

Offenbach - Helmut Krämer, Pressewart des Offenbacher Karneval-Vereins (OKV), verbrachte seine Kindheit auf der anderen Mainseite, in Fechenheim. Von Stefan Mangold

Sein Pfarrer verbreitete das Credo „Ein Christ darf sich nicht verkleiden“ und drohte dem kleinen Krämer, „mich nicht zu konfirmieren, falls ich mich an fastnachtlichen Aktivitäten beteiligen sollte“. Also verkleideten sich die evangelischen Kinder heimlich als Cowboy und Indianer. „Später bin ich nach Offenbach zum Fastnachtszug gelaufen“, erinnert sich Krämer. Dort sei dann ein Gardemädchen auf ihn zu getanzt und habe angesetzt, ihn zu umarmen. „Vor Schreck bin ich weggelaufen.“ Als er später das Geschehen noch einmal gedanklich Revue passieren ließ, „bereute ich meine Flucht bitter.“

Die Reminiszenz aus der Jugend erzählte Helmut Krämer diese Woche im Offenbacher Hotel Sheraton, wo der OKV Details seiner Pläne für sein 75-Jahre-Jubiläum in der nahenden Fastnachtskampagne bekanntgab. Ein Höhepunkt soll der Fastnachtszug am Sonntag, 7. Februar, sein. Der Hessische Rundfunk habe bereits zugesagt, zwei Stunden zu übertragen. „Wahrscheinlich vom Marktplatz aus,“ unterrichtete Klaus Kohlweyer, der den Zug mit Klaus Dieter Roos organisiert.

Die Kostüme kosten 4000 Euro

Keine einfache Aufgabe. Zum einen müssen die beiden dafür sorgen, dass genügend Wagen und Musikkapellen mit von der Partie sind. Zum anderen bedeutet Organisation auch, sich mit Behörden über Wegstrecke und Ablauf zu verständigen. „Manchmal nerven uns die beiden,“ warf Manfred Roth, der Vereinspräsident, scherzend ein. Ständig frage Roos, „ob wir an dies und das gedacht hätten.“

Bisher seien 26 Musikkapellen engagiert. „Einige weitere werden noch zusagen,“ erläuterte Kohlweyer. Die Prinzenpaar-Frage sei noch unbeantwortet. „Wir schauen uns um,“ sagte Präsident Roth. Er selbst weiß um die Mühen und Aufgaben eines Prinzenpaars bestens Bescheid. Vor 30 Jahren regierte er mit Rosi Erbert-Müller als „Prinz und Prinzessin von Lederanien“. Schon finanziell sei das Amt mit gehörigem Aufwand verbunden. Die Kostüme kosten viertausend Euro, dazu kommen die Orden, die die Hoheiten verteilen. Außerdem muss das Prinzenpaar zu einem Festmahl laden, „alles auf eigene Kosten.“ Wegen des Zeitaufwands kämen meist eher Selbstständige in Frage, „da die sich den Tag einteilen können.“

Karten für das „Feuerwerk der guten Laune“ gibt es am 16. Januar im Haarstübchen Wagner (Brunnengasse 192) und bei Klaus Dieter Roos unter Tel.: 069 834824 oder auf der Internetseite des OKV.

Jedoch zeigte sich der Vereinsvorstand sicher, dass sich bis zum 16. Januar, zum „Feuerwerk der guten Laune“, ein Paar zur Inthronisierung in der Stadthalle finden wird. „Wir sind bester Dinge.“ An diesem Abend kommen auch Anhänger von Tony Marshall auf ihre Kosten. Der Schlagerstar singt und Johannes Scherer von Radio FFH führt durchs Programm. „Eine reine Fastnachtssitzung planen wir nicht,“ erklärte Kohlweyer das Konzept. An dem Abend finde „eine Mischung aus Karneval und Party“ statt.

Für viele Ältere sei das närrische Treiben ein Quell der Erinnerung, ähnlich wie für den Pressewart Helmut Krämer mit seiner entgangenen Umarmung. Tauchten ehemalige Prinzen auf Sitzungen auf, passiere es ständig, dass Frauen sie noch nach Jahrzehnten erkennen. „Mit dem habe ich damals getanzt,“ bekommt Manfred Roth oft zu hören.

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