Fastnachtsumzug

Straßentaugliches Bieberer „Wir-Gefühl“

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Biebers Frauen haben die schönsten Äpfel – und den besten Äppler.

Bieber - Immer am Fastnachtssamstag schwappt das gelb-grüne Bieberer „Wir-Gefühl“ aus den Sitzungssälen auf die Straßen. Dann ist Zeit für den Fastnachtsumzug – in diesem Jahr zum 25. Mal. Von David Heisig

Im Vergleich zu anderen Hochburgen des Straßenkarnevals ist das eine eher im Anfang begriffene Tradition. Doch man hat zum Jubiläum gut aufgeholt. Egbert Färber vom veranstaltenden Heimatverein ist stolz darauf, was sich über die Jahre entwickelt hat. Der Umzug sei über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Ganz Bieber sei auf den Beinen. 650 Mitwirkende in 29 Nummern treten den Beweis an. Dennoch sei es „familiär“, betont Achim Enders von der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht, kurz IGBiF. „Entweder am Rand oder halt auf der Straße“, seien alle aus der Region auf den Beinen, erzählt er. „Es ist nicht so dieser Kommerz-Karneval, sondern eher die private Runde.“

KJB als größte Gruppe weiter mit dabei

Das „Erfinden“ des Umzugs schreibt sich die Katholische Jugend (KJB) auf die Fahnen. 1988 haben ein paar Jugendliche einen kleinen Zug gemacht. „In den folgenden Jahren kamen andere Gruppen dazu und so wuchs das ganze“, erzählt Niklas Ritzel von der KJB. 1994 stieg der Heimatverein ins Boot, übernahm die Organisation. Die KJB ist als größte Gruppe weiter mit dabei. In diesem Jahr mit 85 „Fred Feuersteins“, passend zum Motto der Steinzeit-Sitzungen.

Im ersten Jahr gab es sogar ein Bieberer Prinzenpaar. „Eine Persiflage“ berichtet Färber, auf die Garden-Fastnacht. Man sehe sich eher in der „Mainzer Tradition“, wo es auch keine Prinzenpaare gebe, die Präsidenten der Elferräte das „Sagen“ hätten.

„Es ist immer wieder schön mitzulaufen“, freut sich Kerstin Hofferbert vom Bieberer Gewerbeverein. Dort sind diesmal alle als Marktleute verkleidet. „Die Bieberer Marktfrauen haben die schönsten Äppel“, betont sie schmunzelnd. Natürlich nur in Anspielung auf das Obst, das im Publikum verteilt werden soll. „Die Bieberer sind schon ein feierlustiges Volk. Das ist sehr positiv“, erzählt sie. Von dieser Freude an der Fastnacht profitieren auch die „anderen“ von jenseits des Bergs. Etwa die Aktiven der Gemaa Tempelsee. Von Vorbehalten gegenüber Offenbachern könne man nicht berichten, so deren Sitzungspräsident Jürgen Kofink. Er sei ohnehin „oigeplackter Ur-Offenbacher“, erzählt der gebürtige Ludwigshafener. „Die Gemaa als Nachbarstadtteil war schon öfter dabei“, weiß er. Diesmal mit großer Gruppe. Alle haben Spaß, Brauchtum zu feiern. Man fühlt sich in Bieber gut aufgehoben.

Bilder vom bunten Zug durch Biebers Straßen

Fastnachtsumzug feiert Jubiläum

Dann biegt der Zug mit „Humba, Humba, Täterä“ von der Dietesheimer auf die Aschaffenburger Straße. Hinter dem Heimatverein laufen die Jüngsten im Zug, die Kinder der Mauerfeldschule als grüne Männchen, Buchstaben und Zahlen und Punker und Rocker: „Bieberirdisch“ statt überirdisch ihr Motto. Dahinter stimmt der Musikverein Eintracht die „Nationalhymne“ an: „Wir sind mit Leib und Seele Bieberer“, heißt es. „Heute ist der Himmel blau, Bieber Hallau“, tönt es vom Elferwagen der Offenbacher 03er. Vereinzelt muss dem Publikum am Wegesrand dann noch die richtige Schreibweise erläutert werden. „Mit A, nicht mit E“, erläutert Hajo Sbick von der IGBiF den richtigen Ruf. Den hat die Jugendgruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ohne Zweifel drauf. Dort hüpft zur Musik der ganze Mottowagen und die „Icebreakers“ der Stadtgarde versetzen mit ihrer Guggemusik das Publikum in Wallung. Das tut bei den frischen Temperaturen auch Not. Aber Petrus meint es dennoch gut: Die Sonne scheint zwischen wenigen Wölkchen.

Politisch wird es, als die Parteien vorbeiziehen. Die Freien Wähler Offenbach (FW) gehen in Anspielung darauf, dass die Stadt unter den kommunalen Rettungsschirm schlüpft, als „Schirmchen“. Die SPD macht die Misere ums Klinikum zum Thema: Mit „Gegen den bösen Wolf aus Wiesbaden wollen wir laufen“, sieht sie die Schuldfrage geklärt. Und die CDU´ler mimen die „Ölscheichs für Offenbach“, die für die finanziell klamme Stadt neue Geldquellen aufzutun suchen. Allen Narren ist ein wenig der Wehmut anzumerken. Bald ist es vorbei mit der Narretei, auch wenn bei vielen jetzt schon die Ideen für die nächste Kampagne durch die Köpfe spuken.

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