Dicker Plüsch läuft prima

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In diesem Jahr kaufen viele Erwachsene Verkleidungen, die den grellbunten 60er und 70er Jahre nachempfunden sind.

Offenbach ‐ Tatjana Endres war eine Aubergine. Doch südländisches Gemüse geht bei der eisigen Witterung gar nicht. Etwas Neues muss her. Von Stephan Degenhardt und Nadine Hoffmann

Bestimmte Vorstellungen von meiner Verkleidung fürs Fastnachtswochenende habe ich noch nicht, nur warm muss es sein“, sagt die Offenbacherin. In der Galeria Kaufhof probiert sie ein Papageienkostüm an. Erinnert zumindest an wärmere Gefilde.

Tatjana Endres probiert das kuschelige Papageienkostüm aus Plüsch. Damit ist sie bestens ausgerüstet für den kalten Straßenkarneval.

Der Überzieher ist aus flauschigem und wärmendem Plüsch; vielleicht nicht das richtige für schweißtreibende Schunkelorgien oder fürs hitzige Gedrängel auf der Tanzfläche. Für den Straßenkarneval aber ideal. Und Tatjana liegt damit im Trend. „In diesem Jahr ist die Nachfrage nach Plüschkostümen besonders groß“, sagt Jasmin Disselberger, Mitarbeiterin der Galeria Kaufhof.

Lesen Sie die Rückschau zum Jubiläumsumzug des OKV (mit Video):

Trotz eiskaltem Ostwind eine heiße Narrenschau

Die Offenbacher sind beim Kostümkauf oft spät dran“, sagt die Verkäuferin, „das Geschäft läuft aber besser als im vergangenen Jahr.“ Als Grund vermutet sie den Jubiläumsumzug des Offenbacher Karnevalsvereins, der recht farbenfroh war. Und schließlich stehen die Umzüge in Bieber (Samstag) und Bürgel (Dienstag) noch auf dem närrischen Kalender.

In der Galeria-Abteilung wuseln einige Kunden zwischen den engen Gängen herum. Dicht an dicht hängen dort Bierfass-, Scheich- und Kuhkostüme an den Kleiderständern. Wer sich für die tollen Tage nicht in einen der Klassiker wie Cowboy, Clown, Prinzessin oder Marienkäfer verwandeln will, lässt sich hier inspirieren.

Verkleidungstrend je nach Alter

In diesem Jahr kaufen viele Erwachsene Verkleidungen, die den grellbunten 60er und 70er Jahre nachempfunden sind. Schlaghosen, Paillettenhemden und Blümchen erinnern an Hippie-Zeiten und Abba-Jahre.

Schräg gegenüber bei Woolworth ist dagegen orientalischer Chic gefragt. „Viele Männer entscheiden sich bei uns für Umhang und Mütze eines persischen Scheichs", sagt Verkäuferin Marion Venher. Frauen hingegen schlüpfen oft in pinke Kaninchenkostüme (Alles Cindy, oder was?) oder gehen als Wasserlilie. Bei den jungen Kunden steht dagegen Tradition im Vordergrund. Zumindest sieht das Claudia Steinberger so. „Jungen wollen Pirat oder Cowboy sein, Mädchen Prinzessin oder Fee“, sagt die C&A-Verkäuferin.

Jasmin Disselberger hat andere Erfahrungen mit den kleinen Narren. Jungen orientieren sich gern an Helden aus Film und Fernsehen. „Spiderman oder Wikinger sind bei ihnen besonders beliebt.“ Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Der achtjährige Sohn von Melika Konstantis will unbedingt ein Hippie sein. Dafür muss seine Mutter noch einmal losziehen: Eine passende Perücke im Afrolook fehlt noch...

Ganz aktuell und keinesfalls abgetragen ist die Verkleidung als Horst Schlämmer, die von Harpe Kerkeling verkörperte Kunstfigur. Der Selbstversuch zeigt: Einmal Horst Schlämmer sein, ist nicht wirklich angenehm. Kratzig fühlt sich sein Bart an, sein Kittel ist steif und unbequem. Doch eigentlich sieht das Kostüm eher aus wie gerade von einem beliebigen Hausmeister abgelegt. Zumindest der Spaß beim Anprobieren entschädigt...

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