Fastnachtliche Duftmarken

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Favorisiert Hausschlachtung: Norbert Schielein.

Bieber ‐ Es ist die 54. Fastnachtssitzung, die Sitzungspräsident Stephan Färber am Samstag im katholischen Pfarrheim in Bieber eröffnet. Das bedeute, „nächstes Jahr feiern wir die 55. Sitzung, fünf mal die elf,“ die Zahl, die den Freunden des Karnevals als Symbol der Narretei gilt. Von Stefan Mangold

Gleich am Anfang wartet das Offenbacher Prinzenpaar mit Gefolge auf, seine Tollität, Herbert II und ihre Lieblichkeit, Sabine I. Die singt auch in Bieber ihren persönlichen Hit: „Ich brauch das Gefühl, satt zu sein.“ So weit, so verständlich. Doch bei Sabine I hält sich das Empfinden der Sättigung lediglich flüchtig. Zur Schlafenszeit drängt es die Prinzessin deshalb in die Küche zum Kühlschrank „nach ´ner Wurst“. „Gerade in der Nacht muss das sein,“ behauptet sie.

Anschließend spielen die Icebreakers von der Stadtgarde „Skandal um Rosie“ und „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ im stets leicht anarchisch wirkenden Rhythmus der Guggenmusik. Andrea Geinitz gibt „Die Dauerverliebte“, eine Frau, die sich im Internet-Chat mit Hingabe ihren Illusionen widmet. Sie hofft, der Mann, mit dem sie regelmäßig schriftlich Floskeln tauscht, sähe aus wie beschrieben. Doch zum Treffen erscheint kein Typ von weltmännischem Auftreten und verführerischem Äußerem. Die Dauerliebe mündet in Ernüchterung: „Von wegen sportlich und elegant, der Kerl sieht aus wie ein Elefant.“

Bilder der 03er-Sitzung

Sitzung der 03er in Bieber

Die ausdauernden sieben Frauen und der eine Mann der Sweet Delphins des TSC Rot-Weiß-Steinheim tanzen auf sportlich anspruchsvollem Niveau. Wer bei der Garde mitmacht, meidet bestimmt nachts den Kühlschrank. „Die Schlabbedabber“ aus Aufenau liefern ein Händel zwischen zwei rivalisierenden Piratenbanden. Anschließend tanzt das kraftvolle Männerballett friedlich vereint. Um Bisse, die das ewige Leben bringen, geht es bei den Vampiren von Unlimited/Main Dream Team. Die meisten der Untoten scheinen bei der letzten Mahlzeit gekleckert zu haben. Davon zeugen die roten Flecken auf den Kostümen. Viel Freude verbreiten die acht Frauen von der Spaßtanzgruppe „Olle Dolle“ zum Waka-Waka-Song von Shakira.

Manches, was Ilse Hammann in ihrem Protokoll des letzten Jahres erwähnt, scheint länger zurück zu liegen, als der Kalender es anzeigt. Bald erinnert sich an den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler wahrscheinlich nur noch eine Minderheit. Auch die Affäre um die Dissertation des inzwischen zurückgetretenen Ministers Guttenberg fließt mit ein: „Auch wenn der Titel knapp verfehlt, das Haar bleibt glatt gegelt.“ Norbert Schielein geht es um ein Schwein, das er aus nebulösen Gründen zu Hause in der Badewanne schlachtet, weil ihm das Fleisch beim Metzger zu teuer ist. Was wundert. „Genug gered` von Fleisch und Worscht, ich habe nur eins, und des is Dorscht,“ lautet sein Fazit am Ende.

Männer sind wie Bananen, „je länger sie liegen, desto fauler werden sie“

Zum Gespräch an der S-Bahn-Station von Bieber kommt es zwischen Marga Rothbarth und Astrid Blümmel, als Rekonvaleszente erhofft sich Silvia Nordmann außereheliches Amüsement in der Kur im Harz.

Kurzzeitig mutiert Stephan Färber im Duo mit Peter Bauer vom Sitzungspräsidenten zum politischen Bänkelsänger. Auch hier findet Freiherr zu Guttenberg Beachtung. Charly Engert als stotternder „Booodo“ ist längst eine karnevalistische Edelmarke in Offenbach. Das Publikum scheint auf seine rasch einander folgenden Pointen gezielt zu warten. Frauen seien wie Tomaten, „je reifer desto besser.“ Männer jedoch wie Bananen, „je länger sie liegen, desto fauler werden sie.“ Hubert Ball verzichtet als Egon auf keine seelische Grausamkeit gegenüber seiner Frau. Als die sich bei „Unser Dorf soll schöner werden“ engagieren möchte, rät Egon, „dann musst Du wegziehen.“

Willy Röder tritt ausnahmsweise nicht beim Bieberer Heimatverein oder bei der „IGBiF“ auf. Mit seinem Sinn für Sprachrhythmus und dramaturgische Abläufen feiern ihn auch die Offenbacher 03er. Zum Ende singen Udo, Wolfgang & Co, Sänger und Conférencier Wolfgang Stoppel bringt bis weit nach Mitternacht den Saal in Wallung.

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