Ohne Prinzenpaar und Hofstaat

Fastnachtszug im Stadtteil Bieber

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Sind das nicht süße Hasen? Die Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) durfte selbstverständlich beim Bieberer Fastnachtszug nicht fehlen und verbreitete Blümchen und fröhliche Stimmung unter das närrische Volk.

Offenbach - Wo Rotkäppchen und der böse Wolf friedlich zusammentreffen, wo Vampire und Schlafmützen sich gegenseitig Pfläumchen anbieten und Hardrock sich mit Schlagermusik verträgt, da ist Bieberer Fastnachtsumzug. Von Veronika Schade 

In seiner 26. Auflage boten 31 Zugnummern mit rund 700 Aktiven die ganze karnevalistische Vielfalt des Stadtteils dar, die nahezu völlig ohne Hilfe von außen auskommt. „Es nehmen nur Gruppen teil, die irgendwas mit Bieber zu tun haben. Es ist ein Zug von Bieberern für Bieberer“, erklärt Egbert Färber, Vorsitzender des ausrichtenden Heimatvereins.

Mit Schlafmützen und vollen Kamelle-Tüten unterwegs war die Gymnastikabteilung der TGS Bieber.

Auf einen Hofstaat, dem es zu huldigen gilt, wird bewusst verzichtet. „Das wollen wir nicht. Bei uns steht einfach nur der Spaß am gemeinsamen Feiern im Vordergrund“, betont Färber. So findet sich dort weder das OKV-Prinzenpaar noch das Kinderprinzenpaar aus Bürgel, auch ein Prinzenpaar aus einer anderen Stadt, das angefragt hatte, bekam eine Absage. Traditionell ziehen „von außerhalb“ nur der Fanfarenzug der Spielvereinigung Hainstadt, die Stadtgarde Offenbach und die Gemaa aus dem benachbarten Tempelsee durch Biebers Gassen. Und wie bei diesem besonders familiären närrischen Lindwurm üblich, versorgen so manche Zuschauer sie am Rand der Zugstrecke mit Speis und Trank – vom Schmalzbrot über Kreppel bis hin zum Hochprozentigen.

Beutel und Körbe der Teilnehmer gut gefüllt

Ein echter Hingucker der „Ehemaligen“ – die „Struwwelische“.

Dafür sind auch Beutel und Körbe der Teilnehmer gut gefüllt. Großzügig verteilen sie Blumen, Schokolade und jede Menge Kamelle an die rund 3000 Feierfreudigen, die an diesem milden Samstagnachmittag gekommen sind. „Auch Wegstrecken, die sonst nur wenig besucht waren, waren diesmal voll, es bildeten sich auch oft zweite und dritte Reihen“, zeigt sich der Vorsitzende zufrieden. Nach neongrellen „Punker-Fliegen“ des Heimatvereins folgen die Kinder der Mauerfeldschule als Fußballer, schlaue Geier mit schwarzgeschminkten Gesichtern und Süßigkeiten-Monster mit, logisch, Naschereien im Gepäck. Der pädagogische Auftrag bleibt aber auch an einem solchen Tag nicht auf der Strecke. „Nach dem Naschen, seid so schlau, putzt eure Zähne – hallau!“, steht auf einem Bollerwagen.

Andere Dinge beschäftigen die Bieberer SPD-Fraktion: „Vor Problemen renne mir net fort, alle Kraft für Bieber-Nord“, fordern sie einen Fortschritt im brachliegenden Baugebiet. „Die CDU, die kann gut klagen und hat doch nichts zu sagen“, meinen sie in Bezug auf die Opposition im Stadtparlament. Die Christdemokraten kommen drei Zugnummern später als weiß betuchte, mit goldenem Lorbeerkranz geschmückte antike Olympioniken und haben Folgendes zu sagen: „Mission Olympic – teurer ,Spaß‘ für Offenbach“. Ein anderer kostspieliger „Spaß“ umtreibt die Freien Wähler, die als Fahrkartenautomaten unterwegs sind: „Fahrkarte Bieber – Frankfurt zu teuer“, monieren sie.

Fastnachtsumzug in Bieber

Fastnachtsumzug in Bieber

Die Katholische Jugend Bieber, die teilnehmerstärkste Gruppe, zieht getreu ihres Sitzungsmottos durchs Bieberer „Hardrock Café“. Mit schwarzen Rockerperücken, lässigen Sonnenbrillen und aufblasbaren Gitarren animieren sie die Zuschauer zu „Bieber – hallau“-Rufen und genießen das Bad in der Menge. Der Bieberer Gewerbeverein ist diesmal in „Flower Power“-Stimmung und behauptet: „Unser Woodstock ist der Ostendplatz.“ Zum ersten Mal dabei ist die Trommelgruppe vom Treff Waldhof. Unermüdlich verbreiten die Jugendlichen Samba-Fieber in Bieber. Einer sportlichen Herausforderung stellen sich vor allem die Mädels der Ropeskipping-Abteilung der TGS Bieber. Sie haben ihre Springseile dabei und gönnen sich nur gelegentlich Pausen.

Die TGS-Gymnastikgruppe wiederum findet, „Nett ist es nur im Bett“ und trägt Schlafmützen und Kissen. An Schlaf ist derweil noch lange nicht zu denken. Aufmerksam übernehmen Feuerwehrmänner in regelmäßigen Abständen die Sicherung des Zugs – mit gelb-grünem Bieberschal um den Hals. Auch der Stadtdienstleister ESO ist hellwach. Am Abend ist kaum noch ein Stückchen Konfetti auf den Straßen zu finden.

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