Duo

Faszinierend: Offenbacher Künstler schaffen bewegliche Roboter-Skulpturen

Sie zucken, zittern und biegen sich: Unter Strom wirken die Skulpturen beinahe lebendig. Foto: p

Die Künstler Liebl und Schmid-Pfähler schaffen in ihrem Atelier an der Alten Wäscherei Dornbusch Roboter-Skulpturen.

Offenbach - Und gleich erhielten die beiden bei den Offenbacher Kunstansichten eine Auszeichnung für ihre innovativen Kunstroboter. Zuvor waren sie bereits „Artists in Residence“ in Großbritannien, Spanien und Deutschland gewesen.

Gerne begrüßen die beiden in ihrem Atelier in der Birkenlohrstraße 1-3 Besucher, um ihre ausgefallenen Schöpfungen vorzuführen. Beim Studium elektronischer Kunst in der Offenbacher Hochschule für Gestaltung fanden Liebl und Schmid-Pfähler zur gemeinsamen Idee, aus Edelstahlstäben, Spulen und Kupferdrähten sowie selbstgefertigten Bauelementen filigrane Roboterwesen zu bauen.

Wenn man solch maschinelle „Amplified Entity“ (deutsch: elektronisch verstärktes Wesen) betrachtet, wirkt das lebendig: Die technischen Skulpturen regen und biegen sich, zittern und zucken oder zeigen wellenartige Kontraktionen. Ans Stromnetz angeschlossen oder von Elektromotoren und Magnetfeldern gespeist, entwickeln diese Figuren ein verblüffendes Eigenleben, das fast menschliche Züge gewinnt.

Dazu Carolin Liebl: „Unsere erste Arbeit in dieser Art war das Paar ‘Vincent und Emily´ im Jahr 2013, beinahe soziale Wesen, die sich mit ihrer metallenen Wirbelsäule hier im Raum räkeln. Was zwischen den beiden passiert, lässt vielerlei Assoziationen wachsen.“ Schmid-Pfähler fährt fort: „Zur Realisierung solcher Ideen mussten wir uns viel technisches Know-how erwerben, das in Rhein-Main und Offenbach sowie im Internet aber durchaus vorhanden ist. Dazu lernten wir bei HfG-Dozentin Ulrike Gabriel, entsprechende Werkzeuge zu benutzen. Beim Probehandeln war es nicht tragisch, wenn mal etwas kaputt ging. Dann kooperierten wir auch mit einem Antennenhersteller und Technik-Labors. Und bildeten uns im Programmieren und Löten fort.“

Nach „Vincent und Emily“ entstanden andere Serien und Versionen technischer Skulpturen wie „Es“ und „They“ oder „Biomorphic Heat“, die auch auf der Kunstmesse Art Karlsruhe vorgestellt wurden.

„Wir verändern viel“, sagt Schmid-Pfähler. „Neue Komponenten werden entwickelt – neuerdings auch mit Hilfe von 3-D-Druckern – und das Innenleben der Figuren ändert sich. Dabei spielen wir mit der Wirkung von Magnetfeldern, erzeugen Wärme und erproben immer neuer Kraftübertragungen.“ Letztlich macht das Duo dabei in verblüffender, fast sinnlicher Form Elektrizität sichtbar.

Neuerdings entstehen bei der mit Gipshüllen arbeitenden Serie „Siblings“ (Geschwister) insektenartige Gebilde, die, angetrieben von winzig kleinen Solarzellen, mit ihren Beinchen zappeln oder vor sich hin trappeln. Wenn man sie ins Dunkle stellt, stehen sie sofort still. Diese Objekte zeigen das, was Liebl und Schmid-Pfähler auch im Blick haben: Humor und Witz. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Paar in seiner Werkstatt am Dornbusch gerne viel Zeit verbringt und immer neue Ideen ersinnt. Manches Mal auch mit Hilfe vorausgehender Zeichnungen.

„Unsere Maschinen dienen aber keinem wirtschaftlichen Nutzen, sie sind kein Mittel zum Zweck. Sie stehen als Kunstwerke für sich selbst. Beim Bauen der Figuren wird es uns nie langweilig, da jeder von uns alles macht, die Chemie zwischen uns stimmt“, resümieren die jungen Künstler, die aus Gießen und Lichtenfels nach Offenbach gekommen sind.

In der Mainzer Galeristin Dorothea van der Koelen haben sie die richtige Ansprechpartnerin gefunden. Da wird dann mal eine der komplexen, übermannshohen Skulpturen an sammelnde Privatleute oder Firmen für 32 000 Euro verkauft. Das verdiente Geld wird auch in neue Materialien und Erkundungen gesteckt.

Um ihr Wissen weiterzugeben, veranstalten Liebl und Schmid-Pfähler Workshops oder gestalten einen Lernstand auf der Frankfurter Buchmesse. Auch die Nachbarschaft im Dornbuschviertel ist längst auf sie und ihre ungewöhnlichen Werke aufmerksam geworden und schaut nicht nur bei den Kunstansichten vorbei. Denn die sozialen Kunstroboter schaffen viel Kommunikation.

Von Reinhold Gries

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