Offenbacher Fechter August Heim

Auf den Spuren einer Legende

+
Ob die Begeisterung für Schwerter von seinem Namen herrührt? August Heim fechtet seit Kurzem beim DC Fencers Club.  

Offenbach - Die Kleidung ist noch etwas zu groß, die Bewegungsabläufe ungewohnt, doch der siebenjährige August Heim liebt seine Sportart – das Fechten. August, oder Augie, wie seine Eltern ihn liebevoll rufen, lebt in Washington, trainiert beim DC Fencers Club. Von Sarah Neder 

Aber nicht bloß sein außergewöhnliches Hobby verbindet den braunhaarigen Knirps aus der amerikanischen Hauptstadt mit dem Fechtclub Offenbach. Er ist Namensvetter der Fecht- und Trainerlegende August Heim, gestorben 1976. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Offenbach drei Fechterschaften. August Heim unterrichtete alle Fechtschüler in den einzelnen Abteilungen, war selbst zweimaliger Olympiateilnehmer und sorgte schließlich dafür, dass sich die Vereine 1972 zusammenschlossen. Da Heim somit den Grundstein für die Entstehung des Fechtclubs Offenbach gelegt hatte, benannte man die 1983 fertig gestellte Fechthalle an der Senefelderstraße nach ihm. Von seinen Verdiensten lesen heute Fechtschüler auf einer steinernen Tafel am Eingang des Fechtzentrums.

Der Namensvetter war nach dem Zweiten Weltkrieg Fecht- und Trainertalent und legte den Grundstein für den Fechtclub Offenbach.

24 Jahre und unzählige Trainingsstunden später trudelt eine E-Mail in der August-Heim-Halle ein. Absender ist Joe Heim, Redakteur der Washington Post und Vater eines Neugeborenen, den er und seine Frau auf den Namen August tauften. „Aus Neugier habe ich mal ,August Heim’ gegoogelt und bin auf den Offenbacher Olympiafechter gestoßen“, erklärt Joe Heim, weshalb er sich an den Fechtclub wandte. Er wolle gern mehr über den Mann erfahren, der denselben Namen wie sein Sohn trägt. Fechtclub-Präsident Waldemar Krug antwortet dem wissbegierigen Vater prompt, sendet ihm den Lebenslauf des Offenbachers und einige Eckdaten des Fechtclubs zu. „Wir haben danach noch einige Male hin und her geschrieben“, erinnert sich Krug, „dann gab es jahrelange Funkstille.“

Gewinnt schon gegen ältere Gegner

Erst vor Kurzem hat Krug den Kontakt wieder aufgenommen und sich nach dem mittlerweile siebenjährigen Augie und seiner Familie erkundigt. „Die Neuigkeiten sind großartig“, so der Fechtclubpräsident. Denn August habe sich ohne das Drängen seiner Eltern plötzlich fürs Fechten begeistert. Sein Vater berichtet: „Zunächst spielte August gern Pirat oder Ritter. Dann wollte er selbst das Fechten ausprobieren und besucht nun die Anfängergruppe der DC Fencers.“ Er sei einer der Jüngsten in der Gruppe, aber gewinne schon gegen ältere Gegner. Wenn er einen Treffer setzt, freue sich der junge Fechter unheimlich, reiße die Arme in die Luft und jubele laut, so Vater Joe. Da August in den USA ein eher ungewöhnlicher Name sei, habe sich Nachwuchssportler Augie umso mehr gefreut, dass jemand so heißt wie er. Dass dieser Mensch einmal Olympiateilnehmer im Fechten war, findet er dazu „ziemlich cool“, erklärt Vater Joe.

Deutsche Meisterschaft in der Stadthalle

Deutschlands Beste mit dem Florett

Präsident Krug zeigt sich, ähnlich wie ehemalige Schüler des großen Offenbacher Fechtmeisters, begeistert: „Das ist doch eine unglaubliche Geschichte.“ Den Kennern des alten Heim fällt eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Augusts auf. Wie Vater Joe berichtet, liebt sein siebenjähriger Sohn neben der Fechtkunst das Lesen und hat schon die ersten fünf Harry-Potter-Bücher verschlungen. Ehemalige Fechtschüler sagen über den alten August, dass er ein sehr belesener Mann gewesen sei.

Kommentare