Mahnwache für Respekt und Toleranz

Fehlende Zivilcourage tut weh

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Entspannte Atmosphäre: Vor der Mahnwache besuchte Oberbürgermeister Horst Schneider mit Rabbiner Mendel Gurewitz den Offenbacher Wochenmarkt sowie umliegende Geschäfte, um mit Menschen islamischen Glaubens ins Gespräch zu kommen.

Offenbach - Die Angriffe auf den Rabbiner und ein Fernsehteam des SWR erschütterten viele Menschen im sonst als tolerant empfundenen Offenbach. Etwa 250, mehr als von der Polizei erwartet, nahmen gestern an einer Mahnwache für Respekt, Toleranz und Zivilcourage teil. Von Veronika Szeherova

Aufgerufen zur Versammlung auf dem Aliceplatz haben das evangelische und katholische Dekanat, die Yavuz-Selim und Mevlana-Moschee sowie SPD und Grüne. „Die Vielfalt der Nationen und Kulturen, auf die wir in der Stadt so stolz sind, lassen wir uns durch solche zwei Vorfälle nicht kaputtmachen“, sagte Stadtrat Felix Schwenke.

„Jeder Mensch muss sich zu jeder Zeit an jedem Ort bewegen dürfen, ohne sich bedroht zu fühlen“, appellierte Imam Mehmet Ergün von der Mevlana-Moschee. Wie leicht die Schwelle zum Rassismus überschritten werde, davor warnte Ayhan Hishis vom Bündnis „Bunt statt braun“: „Das fängt schon mit scheinbar harmlosen Stammtisch-Witzen an.“ Am meisten wehgetan habe, so Oberbürgermeister Horst Schneider, dass Zivilcourage fehlte, als der Rabbi angegriffen wurde. „Es ist aber respektabel, dass der 14-jährige Täter zur Polizei gegangen ist und sich bekannt hat.“ Er hoffe, dass die Täter, die das Fernsehteam vor der Moschee angegriffen haben, es ihm gleichtun.

Jüdische Gemeinde will die Angreifer einladen

Da ein Dialog das beste Mittel sei, Vorurteile auszuräumen, will die Jüdische Gemeinde die Angreifer einladen. Alfred Jacoby vom Vorstand sprach Rabbi Mendel Gurewitz seine Anerkennung aus, dass er in Offenbach bleibe. „Das ist nach so einer Tat nicht selbstverständlich.“

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Viel Zustimmung bekam auch Pfarrerin Anja Harzke für ihre Forderung, größere Anstrengungen an Schulen zu unternehmen, um Kinder Courage, Respekt und Toleranz vor den Religionen und Kulturen zu lehren. „Das kostet Geld. Aber wofür wäre es besser investiert?“ Dem Offenbacher Ausländerbeirat indes war es am Vortag nicht gelungen, eine Resolution zu verabschieden, die als Reaktion auf die Vorfälle vorgesehen war. „Bei einigen Passagen waren sich die Vertreter der Moscheen noch nicht ganz einig“, erklärte Stadtrat Schwenke. Die endgültige Unterzeichnung ist nun für Dienstag geplant.

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