24 Meter über Offenbach

Fehlt nur Rapunzel auf dem Turm

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Schirmherr Michael Relic (hinten) eröffnete den Turm, der Heimatverein trug die Fahne.

Bieber - Biebers Wahrzeichen ist wieder geöffnet für alle, die einen großartigen Blick weit über den Stadtteil hinaus genießen möchten. Der Musikverein Eintracht und die Offenbacher 03 haben den Aussichtsturm mit dem Frühjahrsfest eröffnet. Von David Heisig

Bis Oktober können Besucher sonn- und feiertags die 128 Stufen zur Plattform erklimmen.

Für einen imposanten Himmelsstürmer hält er sich nicht, der Bieberer Aussichtsturm. Eher bescheiden versteckt er sich zwischen Bäumen und hinter Wohnhäusern am Stadtteilrand. Umso überraschender ist für den, der die 24 Meter überwunden hat, der Blick von der Plattform. 200 Kilometer reicht bei gutem Wetter die Sicht bis hin zu den Höhen des Spessarts oder des Taunus. Näherliegendes ist besser zu erkennen. Die Bieberer Häuser etwa oder das Kickersstadion am Bieberer Berg.

Die Saison ist fest im Bieberkalender eingetragen. Immer sonntags und an Feiertagen übernehmen die 03er oder die Musiker der Eintracht die Turmwache, schließen den Besuchern auf und kümmern sich um das Areal. Es ist so etwas wie eine lokale Verständigung. Ist der Turm doch genau genommen ein „Eingeplackter“, ein Zugezogener. Genau vermessen steht er nämlich auf Rumpenheimer Grund. Die 03er sehen das nicht so eng. „Das ist ja das Bieberer Wahrzeichen“, schmunzelt Vorsitzender Raimund Orth. Immerhin überrage er auch Bieberer Häuser und Baumwipfel.

Diesjähriger Schirmherr ist Michael Relic, Manager des Offenbacher Ringcenters. Er musste sich nicht lange bitten lassen. „Ich bin selbst in Bieber 15 Jahre gewesen“, erzählt Relic von seiner Verbundenheit mit dem Stadtteil. Auch wenn er viel in der Republik unterwegs ist. Daher ist der Termin für ihn mehr Ehre denn Arbeit.

Bieberer-Fahne gehisst

1880 hatte der Verschönerungsverein für Offenbach und Umgebung die Idee, auf dem Bieberer Berg einen Turm als Naherholungsgebiet zu bauen. Mit Spazierwegen und Bänken. Zwei Jahre später wurde mit dem Bau begonnen. Ähnlich wie bei vielen Bauvorhaben heute verschlang dieses mehr Geld als veranschlagt. Eine Tatsache, die damals im Angesicht der Verliebtheit in den Turm hingenommen wurde. Dennoch verfiel dieser Mitte der 60er Jahre in einen Dornröschenschlaf, bis 1984 der Turmdienst eingerichtet wurde. Heute ist der Turm Ziel für Ausflügler aus der Region. So kommt pünktlich zu Eröffnung prompt ein ganzer Schwung Radler an.

„Das Fest hat sich gut etabliert“, freut sich Orth bei seiner Eröffnungsrede. „Hipp hipp hurra“ ertönt es bestätigend aus dem Publikum. Er habe die ganze Nacht geübt, betont Relic, bevor er die Tür des Turms öffnet. Immerhin stellt das alte Schloss eine kleine Hürde dar. Nach ein wenig Ruckeln ist die Tür auf, gemeinsam erklimmen die Honoratioren den Turm. Mit dabei ist Egbert Färber vom Heimatverein. Der hat in diesem Jahr den 03ern und dem Musikverein eine neue Bieber-Fahne gestiftet. Natürlich grün-gelb mit dem Bieberer Wappen drauf. Gemeinsam wird dann oben die Fahne gehisst als Zeichen dafür, dass die Saison eröffnet ist und der Turm bestiegen werden kann. „Ähnlich wie bei einer Almhütte in den Bergen ist das ein Zeichen dafür, dass sich Wanderer an diesem Ort stärken können“, erzählt Färber.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Geöffnet ist der Turm immer sonntags von 10 bis 18 Uhr, wenn die Bieberer Fahne über den Zinnen weht.

So gibt es zumindest zur Eröffnung Gegrilltes, Erbsensuppe und ein kühles Blondes für die Besucher. Orth ist mit dem Zuspruch zufrieden, auch wenn schöneres Wetter wohl mehr Menschen angelockt hätte. Ein wenig sorgenvoller sind die Mienen beim Blick auf das Umfeld um den Turm. Vandalen haben die Wand wieder mit Graffiti beschmiert. Mit der Stadt gibt es einen Vertrag. Die muss für Reparaturen und Pflege des Areals sorgen – und die Schmierereien entfernen.

Dennoch, die Ecke hat etwas Märchenhaftes. So wird mancher nach dem Abstieg von der Plattform das Gefühl nicht los, eben jenen märchenhaften Turm bestiegen zu haben, auf dem Rapunzel ihres Retter harrte...

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