Feierliche Spurensuche

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Dicht umlagert sind die Vorführungen der Judokas. 128 Vereine präsentierten sich am Wochenende beim Mainuferfest.

Offenbach - 128 Vereine, rund 30 000 Besucher allein am Samstagabend, mehr als 4 500 Souvlaki-Spieße, die in zwei Tagen bei der Griechischen Gemeinde über die Theke gingen, 90 Kilo Pommes, die beim ASB-Stand verdrückt wurden und dann die von niemandem gezählten Liter Gerstensaft. +++ Fotostrecke +++ Von Matthias Dahmer

Man kann das Mainuferfest, das am Wochenende seine 23. Auflage erlebte, trefflich mit beeindruckenden Zahlen beschreiben, kann über die wieder mal tolle Atmosphäre bei - zumindest am Samstag - bestem Feierwetter berichten, kann die kulturelle und kulinarische Vielfalt des Spektakels loben.

Man kann aber auch einfach mal fragen, wer sich denn eigentlich noch der ursprünglichen Idee des Festes verpflichtet fühlt, seinen Verein zu präsentieren. Eine Spurensuche mit Initiator Matthias Müller:

Der mag und darf bei einer ersten Antwort niemandem auf die Füße treten. Weshalb er diplomatisch formuliert: „80 Prozent der Vereine sind der ursprünglichen Idee verpflichtet - in unterschiedlichen Ausprägungen“. So gehöre etwa bei den ausländischen Vereinen das Angebot an Speisen und Getränken einfach mit zu deren Verständnis einer Präsentation. Dass dort eben oft nicht mehr als die zugegeben verlockend duftenden und schmeckenden Spezialitäten zu haben sind, nimmt Müller, ohne es zu sagen, in Kauf.

Impressionen des Mainuferfestes

Tolle Atmosphäre bei Mainuferfest

Nur so zwei- bis dreimal beim Rundgang kann sich der Vater des Festes dann doch seinen Unmut nicht verkneifen und deutet auf Bierstände, auf denen entweder gar kein Hinweis auf den Verein zu finden ist oder nur ein verschämtes Vereinslogo den Weg weist. „Die machen dann aber schnell die Erfahrung, dass bei ihnen nicht viel los ist“, hat Müller beobachtet.

Auf dem Mainuferfest gab es eine fast unüberschaubare Vielfalt an Speisen.

Immerhin: An den meisten Ständen liegen Infobroschüren aus, mitunter befriedigen Stellwände den Wissensdurst der Flanierenden. Und der eine oder andere Verein vermittelt durch Vorführungen seine Arbeit. Was Matthias Müller zu denen führt, die er lobend erwähnen kann. Zu jenen zum Beispiel, die schon aufgrund ihres Vereinszwecks eine Botschaft vermitteln wollen. Aber auch zu den Samurai-Judokas, deren Matten in der Mainstraße bei den Schaukämpfen regelmäßig umlagert sind. Überhaupt hat das Angebot an der Kreuzung Herrnstraße/Mainstraße für Macher Müller Vorbildcharakter. BUND, Lokale Agenda, Griechische Gemeinde, die Künstler aus der Bleichstraße und eben der Judoverein: „Das zeigt das ganze Spannungsverhältnis, die ganze Vielfalt des Festes“, sagt er.

Kreativität gehört zum großen Offenbacher Traditionsfest.

Weil es nichts gibt, was man nicht noch besser machen kann, hat Müller für 2010 kleinere Veränderungen im Blick. „Die Kulturmeile in der Herrnstraße könnte später am Abend noch ein wenig Musik vertragen“, meint er. Denn während um die Ecke in der Kirchgasse bis weit in die Nacht der Bär tobte, war bei den Kulturschaffenden ziemlich früh Schluss.
Bescheidene Änderungswünsche sind auch von Vereinsvertretern zu hören: Während sie bei der Frage nach der Besucherfrequenz an ihren Ständen nicht so ganz übereinstimmen und von „durchwachsen“, über „entspannt“ bis „super“ die Rede ist, bescheinigen sie manchen dunklen Ecken Zuspruch: „Die standen Schlange, um in den Büschen zu pinkeln“, sagt einer und verbindet damit die Hoffnung, dass künftig mehr Toilettenwagen zu finden sind.

Vier Container sind aufgestellt worden, die Stadt zahlt dafür 4 000 Euro, beschreibt Matthias Müller den Spagat zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren.

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