Amtsinhaber Schneider verzichtet aus Altersgründen

Felix Schwenke (SPD): Teamkapitän für Offenbach

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Vor aufgebautem Innenstadt-Panorama verkündet SPD-Parteichef Felix Schwenke gestern seine Bereitschaft, als OB-Kandidat anzutreten. Amtsinhaber Horst Schneider verzichtet aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur. Schwenke muss indes noch von einer für den 18. Februar geplanten Mitgliederversammlung als Kandidat bestätigt werden.

Offenbach - Was seit Monaten als offenes Geheimnis galt, wurde gestern offiziell bestätigt: Die SPD wird Parteichef Felix Schwenke ins Rennen ums Oberbürgermeisteramt schicken. Amtsinhaber und Parteikollege Horst Schneider verzichtet aus Altersgründen auf eine weitere Kandidatur. Der SPD-Vorstand hat Schwenke am Donnerstagabend einstimmig nominiert, die endgültige Entscheidung trifft eine Mitgliederversammlung am 18. Februar. Von Matthias Dahmer 

Der Ort der Verkündung ist ein eher ungewöhnlicher: In seine „Lieblings-Eisdiele“ Cortina an der Aschaffenburger Straße in Bieber haben der in Bieber aufgewachsene Schwenke und seine Stellvertreterin Maria Böttcher geladen. So geht es denn vor einem extra aufgebauten Innenstadt-Panorama im mit Heizpilzen leidlich erwärmten Cortina-Anbau ans Erklären:

Der Auftakt ist dem Amtsinhaber vorbehalten. Horst Schneider, der in vier Wochen 65 wird, führt Altersgründe für seinen Verzicht an. Am Ende einer weiteren Amtszeit 2024 wäre er fast 72 Jahre alt. Aus dieser Perspektive heraus habe er sich bereits ab 2015 immer wieder mit der Frage beschäftigt, ob er nochmal antreten solle. Angesichts dessen, was Felix Schwenke seit 2012 als Stadtrat geleistet habe, sei ihm die Entscheidung leicht gefallen. Schneider: „Da kommt einer mit den eigenen Farben nach, dem man das zutraut.“ Der 37-jährige promovierte Politikwissenschaftler Felix Schwenke spielt sodann die lokalpatriotische Karte: Er habe ja zur Kandidatur gesagt, weil Offenbach sein Zuhause sei. Er kenne die schönen und schlechten Seiten, sei ein „eingefleischter Fan der Stadt“ und könne sich kein schöneres Amt vorstellen, als Oberbürgermeister in Offenbach zu sein.

Als wichtigste Ziele nannte Schwenke, den sozialen Zusammenhalt zu sichern und die Stadt wirtschaftlich zu stabilisieren. Er verstehe sich als „Teamkapitän des Teams Offenbach“. Das Wohl der Stadt stehe vor dem Wohl der Partei, so Schwenke. Das werde ihn bei der Mitgliederversammlung möglicherweise ein paar Punkte kosten, doch das nehme er in Kauf. Als Oberbürgermeister will er den „Kampf um Respekt für Offenbach“ weiterführen und an den Verbesserungen der Lebensbedingungen arbeiten. Zudem sei er sicher, den langen Leidensweg des industriellen Wandels abschließen zu können. Im Wahlkampf werde er auf den Dialog mit den Wählern setzen und Bürgerforen anbieten, in denen die Offenbacher ihre Ideen und Vorschläge einbringen könnten, kündigt der Kandidat an.

Themenseite zur OB-Wahl in Offenbach

Dass er im Fall eines Wahlsiegs als SPD-Oberbürgermeister mindestens für vier Jahre die Mehrheit der Tansania-Koalition gegen sich haben würde, schreckt Schwenke nicht. Zum einen sei er dann durch die Wahl legitimiert. Zum anderen könne es auch mit vermeintlich eigenen Mehrheiten nicht immer einfach sein. Die Frage, ob die CDU mit ihrer Kandidatin Jutta Nothacker möglicherweise von einem Frauenbonus profitiere, lässt Schwenke offen. Das werde der Wähler entscheiden.

Ein genauer Termin für die Oberbürgermeisterwahl im Herbst steht noch nicht fest. Den müsse die Stadtverordnetenversammlung bestimmen, bislang habe er keine Vorschläge erhalten, sagt Horst Schneider in seiner Funktion als Wahlleiter. Spätestens in der übernächsten Stadtparlamentssitzung müsse entschieden werden. Von einer Zusammenlegung mit der Bundestagswahl, die voraussichtlich am 24. September stattfindet, hält der amtierende OB wenig. Die Offenbacher Wahl würde dann in der medialen Aufmerksamkeit für den bundesweiten Urnengang untergehen.

Archivbilder aus 2011

Horst Schneider bleibt Oberbürgermeister

Das letzte Jahr seiner zweiten Amtszeit, sie endet am 20. Januar 2018, werde er nicht lockerer angehen könne als bisher, sagt Schneider. In nächster Zeit stünden wichtige Entscheidungen zur Stadtentwicklung an. Als Beispiele nennt er die Umgestaltung des Marktplatzes sowie den Abriss des Toy’R’Us-Gebäudes, an dessen Stelle ein Neubau entstehen soll.

Sollte er die Wahl gewinnen, wäre Felix Schwenke einer der jüngsten Oberbürgermeister in Hessen. Der gebürtige Offenbacher hat 1998 sein Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule gemacht. Nach dem Zivildienst in den Behindertenwerkstätten der AWO im Hainbachtal studierte er Lehramt an Gymnasien, bis August 2012 war er Studienrat an der Rudolf-Koch-Schule. Danach begann seine Karriere als Berufpolitiker. Er war als hauptamtlicher Stadtrat mit unterschiedlichen Aufgaben betraut, von Juli 2014 bis Juli 2016 hatte er das Amt des Stadtkämmerers inne. Er wurde von der neuen Mehrheit der Tansania-Koalition abberufen. Derzeit ist er ehrenamtlicher Stadtrat. Schwenke ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter.

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