Wie G8 die Ferien vermiest

Offenbach - Schöne Ferien. Von wegen. Den Schülerinnen und Schülern der achten Klassen der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ist die Sommerpause gründlich vermiest worden. Von Matthias Dahmer

Die Gymnasiasten trifft mit voller Wucht eine Mischung aus den Kinderkrankheiten von G 8, der um ein Jahr verkürzten Schulzeit bis zum Abi, einer Knebelung durch den Gesetzgeber und einer - aus Elternsicht - Beschwichtigungsstrategie der Schule.

Die vier achten Klassen des Gymnasiums, der erste G8-Jahrgang der Schweitzer-Schule, werden nach einem Beschluss von Schulleitung und Lehrerkollegium nach den Sommerferien aufgelöst und zu drei neuen zusammengemischt. Grund sind insgesamt 14 Sitzenbleiber, die die Gesamtschülerzahl des Jahrgangs so reduzieren, dass man aufgrund gesetzlicher Vorgaben mit einer Klasse weniger auskommen muss.

Den Eltern wurde dies mit wohl gesetzten Worten am vergangenen Dienstag in einem Schreiben mitgeteilt, und sie sind stinksauer. Noch in der vergangenen Woche sei ihnen versprochen worden, alles bleibe beim alten, heißt es aus den Reihen der Elternbeiräte.

Was sie indes der Schulleitung noch viel mehr ankreiden, ist die ihrer Ansicht nach mangelnde Einbindung in die neuen G8-Strukturen, in den ohnehin schwierigen Umbauprozess der ASS hin zur Ganztagsschule.

Dieser erste G8-Jahrgang sei angesichts der Fülle des zu bewältigenden Unterrichtsstoffs gebeutelt. Die Noten hätten sich dramatisch verschlechtert, bislang gute Schüler, die auch im Elternhaus entsprechend unterstützt werden, seien plötzlich in ihren Leistungen abgefallen. In einer Klasse erhielten 16 von 26 Schülern Mahnungen, dass ihre Versetzung gefährdet ist. „Wir hätten angesichts der sich abzeichnenden Schwierigkeiten gerne früher angesetzt, wurden aber immer vertröstet oder ans Ministerium verwiesen“, so eine Elternbeirätin.

Schulleiter Ulrich Schmidt warb gestern noch einmal um Verständnis für die Zusammenlegung: Er könne den Ärger der Eltern gut verstehen, aber das Vorgehen sei wegen der Unterschreitung der Schülerzahlen in dem Jahrgang zwingend. Die Schülerzahl sei zudem Berechnungsgrundlage für die Zuweisung von Lehrerstunden. Schmidt: „Wir haben gar keine Möglichkeit anders zu handeln. Sonst würden wir die vierte Klasse illegal bilden.“

Im übrigen wolle er dem Eindruck entgegenwirken, man sei hier mit dem Hackebeil vorgegangen. „Wir haben pädagogisch gehandelt“, so Schmidt. Als Beispiel führt er an, dass entgegen anderer Pläne der Schulleitung gestern der Vorschlag von Schülern der 8c akzeptiert wurde, die ihren Klassenverband opfern und sich auf die verbleibenden drei verteilen wollen.

Die geforderte Beteiligung der Elternbeiräte in den Prozess der Notengebung hält der Rektor für problematisch. Die Noten setzten sich aus mehreren pädagogischen Komponenten zusammen, und ob jemand versetzt werde, entscheide sich erst bei der Zeugniskonferenz.

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