Mit Kalawos in den Urlaub

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Immer schneller rundherum. Den drei Mädels wurde trotzdem nicht schwindlig.

Offenbach - Maria und Kiara sitzen in der Stadtverwaltung. Vor den beiden Mädchen ein großer Karteikasten. Die Tür geht immer wieder auf und zu. Kinder stürmen herein, die Schlange wird immer länger. Von Sonja Achenbach

„Morgens müssen wir die Tür schließen und die Kinder nacheinander reinlassen, sonst wird es hier zu voll und wir verlieren den Überblick.“ Kiara ist schon ein richtiger Profi in der Stadtverwaltung. Seit drei Jahren kommt sie regelmäßig in die Kinderstadt im Hainbachtal, die Daheimgebliebenen während der Ferien reichlich Unterhaltung bietet. Von allen möglichen Berufen in Kalawopolis ist Klara dieser am liebsten. Es ist der wichtigste in ihrer Stadt, da ist sie sich mit Maria einig – da wird schließlich alles organisiert.

Er ist aber auch anstrengend: Die Beiden müssen den Überblick behalten, denn es darf immer nur eine begrenzte Anzahl in der Bank, der Post oder der Spedition arbeiten. Da gibt es auch mal lange Gesichter. Einen Beruf müssen die Kinder in Kalawopolis zu jeder Zeit ausüben. Wer keine Stelle mehr bekommt, der wird Urlauber und wie im richtigen Leben bezahlt – nur eben mit etwas weniger Geld, der Kalawos-Spielwährung.

Alle Kalawos-Geldscheine laufen hier zusammen – in der Bank der Kinderstadt. Da kann es schon mal chaotisch zugehen.

Die Kinderstadt Kalawopolis ähnelt einer ganz normalen Stadt, mit dem entscheidenden Unterschied: Sie wird von Kindern regiert. Erwachsene dienen lediglich als Unterstützer. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der gemeinnützige Verein Kaleidoskop geben Kinder aus Stadt und Kreis Offenbach in den sechs Ferienwochen Gelegenheit, selbst einmal in das Leben eines Erwachsenen zu schlüpfen – nur mit nicht ganz so strengen Regeln. „Florian ist unser Bürgermeister“, erzählt Kiara. Der ist allerdings gerade nicht da, hat Urlaub genommen. Für zehn Kalawos hat er sich einen Ausflug ins Schwimmbad gekauft. Der Treue seiner Bürger kann er sich sicher sein, schließlich hat er sein Wahlversprechen eingelöst und die Steuern gesenkt.

Seine Bürger haben sich zwar gefreut, aber bereits nach einer halben Woche im Amt droht die Stadt pleite zu gehen. Das beklagen die Bankangestellten immer wieder, wie Kiara berichtet. Ob sie wirklich vertrauenswürdig sind, bezweifeln die Mädchen in der Stadtverwaltung. „Manchmal verschwinden da Konten“, erzählt die Elfjährige. Einnahmen und Ausgaben würden auch schon mal vertauscht oder falsch notiert. Deswegen passt Kiara ganz genau auf, als sie den Lohn für eine Sonderaufgabe – eine Stadtführung – auf ihr Konto einzahlen will.

Jeder hat in Kalawopolis eine Aufgabe, die ihm Spaß macht und seinen Fähigkeiten gerecht werden soll. Auch Kinder mit Behinderungen sind in den Alltag integriert, so wie sie können oder wollen. Der Tagesablauf in der Stadt ist klar gegliedert: Die Kinder werden mit Bussen abgeholt und abends auch wieder nach Hause gebracht. Morgens werden Arbeitsstellen verteilt, Ausflüge angekündigt und die Anwesenheit kontrolliert. Die Kinder agieren weitgehend selbstständig und befolgen ihre Regeln freiwillig. Allein stehen sie aber nicht da: Um Konflikte zu lösen, Verletzungen zu verbinden und Tränen zu trocknen, sind Erwachsene präsent und immer ansprechbar. Ihre Stadt vor der Pleite bewahren können aber nur die Kinder selbst.

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