Christian Janisch im Gespräch

Fernbus-Pionier DeinBus.de startet nach Insolvenz wieder durch

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DeinBus.de-Gründer Christian Janisch vor einem seiner Fernbusse. Das Offenbacher Unternehmen will sich zunehmend regional positionieren und setzt auf die Zielgruppen Studenten und Ältere.

Offenbach - Der Offenbacher Fernbus-Pionier Dein Bus. de hat nach der Insolvenz 2014 einen erfolgreichen Neustart hingelegt und will vor allem mit Angeboten für Studenten und ältere Menschen wieder Gas geben.

Mit einem juristischen Sieg gegen die Deutsche Bahn war DeinBus.de 2011 einer der Vorkämpfer der Liberalisierung des Fernbus-Marktes. Das 2009 gegründete Unternehmen kam danach jedoch in schweres Fahrwasser und musste im Vorjahr Insolvenz anmelden. Am 23. Dezember 2014 stieg ein neuer Investor und rettete alle 25 Arbeitsplätze. Der Busbetrieb ist jetzt wieder auf Expansionskurs. Unser Redakteur Achim Lederle sprach mit DeinBus-de-Gründer Christian Janisch über seine Pläne, neue Routen und Probleme eines schnell wachsenden Marktes.

Nach der Insolvenz ist ein neuer Investor bei Ihnen eingestiegen. Können Sie uns etwas über das Engagement erzählen?

Der süddeutsche Unternehmer Tillmann Raith kam als einer von mehreren Interessanten auf´den Insolvenzverwalter zu. Er kannte uns bereits als Mitfahrer und war vom Unternehmen überzeugt. Ich bin froh, das er unser Investor ist und die Zusammenarbeit läuft bisher sehr gut. Jetzt sind wir drei Geschäftsführer mit Tillmann Raith, Alexander Kuhr und mir.

Wie beurteilen Sie allgemein die Lage auf dem Fernbusmarkt vor dem Hintergrund der Großfusion von MeinFernbus und FlixBus oder dem ausgeweiteten Bahn-Engagement?

Der Fernbus-Markt ist nach wie vor eine raue See. Die Bahn macht mir weniger Sorgen mit der eigenen Fernbus-Sparte, weil sie noch sehr mit ihrer neuen Struktur auf den Schienen beschäftigt ist. Die Deutsche Post engagiert sich auf dem Fernbus-Markt mit großen Budgets und ist stark gewachsen. MeinFernbus konzentriert sich auf den europäischen Markt und stagniert eher in Deutschland. Viele Fernbus-Anbieter setzen auf Europa. Wir allerdings haben weiter den deutschen Markt im Blick und sehen hier noch viel unbestelltes Feld.

Wollen Sie auch Offenbach an den Fernbus-Markt anschließen?

Das wird immer wieder diskutiert, weil wir hier vor Ort sind. Allerdings hat sich Frankfurt als Fernbus-Knoten herauskristallisiert und ist natürlich auch von Offenbach aus sehr gut zu erreichen. In Offenbach wurde da etwas geschlafen; zum Beispiel mit einer Fernbus-Haltestelle am Kaiserlei. Jetzt soll 2017 das neue Fernbus-Terminal in Frankfurt kommen, was die Situation für die Busanbieter weiter verbessern wird. Wir halten zur Zeit vor dem Hauptbahnhof auf einem separaten Platz, unsere Haltestelle ist bereits jetzt sicher und gut erreichbar. Im Südbereich jedoch ist es wirklich gefährlich, in Busse ein- und auszusteigen. Das neue Terminal ist also überfällig.

Wie ist Ihre aktuelle Geschäftsentwicklung in den ersten sechs Monaten des Jahres?

Wir sind mit den Passagierzahlen sehr zufrieden, zu schaffen macht uns weiter der Preiskampf in der Branche. Auf Dauer wird sich sicher ein anderes Preisniveau durchsetzen, die Frage ist nur wann. Noch gibt es wahre Rabattschlachten, weil zum Beispiel US-Großinvestoren eingestiegen sind und sehr viel Kapital im Fernbusmarkt steckt. Wenn einmal Geld verdient werden soll, dann sicher nicht mit Preisen von fünf Euro für die Fahrt Frankfurt-München. Unser Marktanteil liegt inzwischen bei drei bis vier Prozent, mit 25 Bussen und zwölf Busunternehmen als Kooperationspartnern. Wir sind klein, wendig und flexibel, und das ist unsere Stärke. Wir wollen schneller Nachfragelücken erkennen und Kundenwünsche bedienen als die Konkurrenz. Im letzten halben Jahr stand die Neustrukturierung der Firma im Fokus. So mussten alle Lizenzen neu beantragt und Genehmigungen eingeholt werden, das war ein enormer bürokratischer Akt. Wir haben aber auch in Qualität investiert, unsere Kunden erwartet zum Beispiel verbessertes W-Lan in den Bussen mit einem Entertainment-System ähnlich wie im Flugzeug. Mir ist auch wichtig, selbst in den Bussen nach dem Rechten zu sehen. Jeder Mitarbeiter muss einmal die Woche einen Bus checken. Dies schätze ich sehr an einem kleinen Unternehmen: Man kann die wichtigen Dinge selbst in die Hand nehmen. Wir fahren auch mit und sehen, was nervt beim Fahren und was muss abgestellt werden.

Große Firmenpleiten 2009 in Deutschland

Bei Fernbussen wird oft kritisiert, dass die niedrigen Preise nur durch schlecht bezahlte Busfahrer erreicht werden können. Was sagen Sie dazu?

Es ist falsch und verkürzt: Mit Schludereien bei Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer oder mieser Bezahlung sind keine so niedrigen Preise wie aktuell möglich. Die Preise sind so günstig, weil kapitalkräftige Investoren am Markt sind. Es gab hier und da Lenkzeitverstöße bei Busunternehmen und es gibt auch schwarze Schafe in der Branche. Aber wir gehören nicht dazu. Unsere Fahrpläne sind fair und fahrbar. Wir wissen über Peilsender immer genau, wo unsere Busse sind und wie lange die Fahrer unterwegs sind. Ein Riesenproblem ist jedoch der Fahrermangel. Auch unsere Busunternehmen suchen immer Fahrer. Sie sind unseren wichtigsten Mitarbeiter, weil sie den direkten Fahrgastbezug haben. Ein Fahrer ist quasi Pilot, Steward, Navigator, Gepäckträger und manchmal auch Psychologe in einem. Das ist sehr herausfordernd und deshalb bezahlen wir unsere Fahrer gut.

Wie wollen Sie sich in Zukunft am Markt positionieren?

Im Mai wurde die neue Verbindung Marburg-München gestartet, seit Juni bieten wir die Strecke Tübingen-Aachen neu an. Im September kam Freiburg-Trier hinzu. Unser Fokus liegt auf Studentenstädten. Auch Prag und Straßburg werden angefahren, aber im Moment konzentrieren wir uns auf Deutschland. Nach Berlin fahren wir nicht; dafür bauen wir die Angebote in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und NRW aus. Durch die regionale Verdichtung wird das Angebot interessanter. Studenten sind eine Zielgruppe, aber auch ältere Menschen haben unsere Angebote entdeckt und schätzen, dass sich zum Beispiel die Fahrer ums Gepäck kümmern. Grundsätzlich denke ich, dass die Zeit des „immer billiger“ bald vorbei ist. Guter Service und Zufriedenheit spielen eine immer größere Rolle. In Zukunft wird ein Preis fürs Busfahren bezahlt werden, bei dem die Anbieter und die Fahrgäste glücklich sind.

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