Fest auf Mathildenplatz

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Die Mädchen der bengalischen Kindertanzgruppe bereicherten mit ihrem Auftritt das Mathildenplatzfes.

Offenbach - Als er 2005 anfing, in Offenbach zu arbeiten, erzählt Marcus Schenk, habe er mitunter ein Lachen unterdrücken müssen. Der selbstständige Sozialpädagoge stammt nämlich aus Köln, „und ich war schon früher ein Badesalz-Fan“. Von Stefan Mangold

Weshalb ihn die Realität hessischer Diskussionskultur in den ersten Tagen überraschte: „Die redeten tatsächlich so wie bei Badesalz. “.

Anlaufschwierigkeiten ob der divergierenden Mentalität dürfte der kommunikative Mann keineswegs empfunden haben. Schenks rheinischer Optimismus lässt das mürrische Wesen des Hessen ins Leere laufen. Wer den Quartiersmanger wie am Samstag beim Mathildenplatzfest auf der Bühne moderieren erlebt, hat den Eindruck, als gehörte der Rheinländer schon immer zur Stadt. Besonders wenn er mit den „Teestuben-Allstars“ Liedgut wie „Country Roads“ oder „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ zum Besten gibt.

Die Chormitglieder proben mittwochs in der Teestube an der Gerberstraße. Zum Großteil Obdachlose, deren Biografien ein Mosaik an Erfahrungen bilden, um die sie niemand beneidet. Heute springt Schenk stimmlich und als Dirigent ein. Sonst leitet Steffen Schmidt von der Diakoniekirche den Klangkörper, dessen Besetzung häufig variiert.

Allein vom Zusehen läuft einem der Schweiß herunter

Zum ersten Mal präsentiert sich eine bulgarische Gruppe beim Mathildenplatzfest. Am Stand steht eine 35-Jährige, die zwar ihren Namen nicht nennen mag, aber dennoch Klartext redet. Die eloquente Diplom-Kauffrau spricht mit einem leichten Berliner Akzent, welcher daher rührt, dass sie mit 18 Jahren von Sofia in die deutsche Hauptstadt zog, um Betriebswirtschaft zu studieren. „Bulgarische Staatsbürger, mit denen es Probleme gibt, sind zum größten Teil Roma“, spricht die Frau aus, was jeder Sozialarbeiter erzählt. In ihrer Heimat gebe es manche, die integriert seien, „die meisten schotten sich jedoch in ihrer Ethnie vollkommen ab“. De facto bestehe für Roma in Bulgarien keine Schulpflicht, „die wenigsten Kinder sind überhaupt registriert“. Es fehle an intellektuellen Vorbildern, „der Analphabetismus wird nicht als Makel empfunden“.

Später führen die Bulgaren, die alle Deutsch sprechen, ihre folkloristischen Tänze vor. Allein vom Zusehen läuft einem der Schweiß herunter.

„Unsere Arbeit dient vor allem der Prävention“

Hinterher treten bekannte Rapper der Region auf, wie Ohne Fronten, Pinschmidt oder die beiden Jungs von La Bestia Offenbach, die auf Italienisch und Deutsch von falschen Freunden und wilden Zeiten singen. Vor kurzem gaben alle ein Benefizkonzert in Mühlheim, um für die Delfintherapie eines spastisch gelähmten Jungen zu sammeln. Das Engagement soll sich jetzt auf andere Projekte für Hilfsbedürftige ausdehnen.

Auch die Mathildenschule ist mit einem Stand vertreten. Wer will, kann versuchen, mit einer Angel einen Apfel aus dem Wasserpott zu fischen. Aber rückwärts gewandt, mit Blick durch den Spiegel, was das Vorhaben erschwert. Den Stand betreuen Nicole Vielsäcker und Mansour Azizy vom Jugendamt, die an der Schule als Sozialarbeiter fungieren. „Unsere Arbeit dient vor allem der Prävention“, erklärt Azizy. Die auch darin besteht, Angebote wie eine Inliner-, eine Box-AG oder einen Trommelkurs an der Ganztagsschule zu installieren. Großen Zuspruch gebe es zudem für Capoeira, einen brasilianischen Kampftanz.

Manche Schüler kommen mit besonderen Anliegen zu den Sozialarbeitern: „Wir haben Kurse organisiert, weil uns Jugendliche ansprachen, sie würden gern schwimmen lernen.“

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