Fest der Unerschütterlichen

+
Beim ersten Schauer hat es noch funktioniert: Mit Plastikfolien schützen die Teilnehmer des Lichterfestes ihre Kunstwerke.

Offenbach - Nach dem Regen ist vor dem Regen: Diese Erfahrung blieb den 56 teilnehmenden Vereinen beim achten Lichterfest am Freitagabend im Büsingpark leider nicht erspart. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der erste heftige Schauer um halb sieben wird mit Hilfe von Baumarkt-Plastikfolien schadlos überstanden. Nach Abklingen der letzten Tropfen bringen 70.000 angezündete Kerzen fantasievolle Motive und Texte zur Geltung. Aber schon zwei Stunden später macht der nächste Guss der scheinenden Pracht endgültig den Garaus – wieder anzünden zwecklos.

Lesen Sie dazu auch:

Walzertanz trotz Pfützen

Manch einer versucht noch im Matsch kniend mehr oder minder erfolgreich sein Glück mit dem Entflammen. Einige halten über ihr Kerzenkunstwerk eine Folie und retten es so vor dem Ertrinken. Die Mehrzahl der Lichter hingegen bleibt aus. Eine der Ausnahmen ist der Gewerbeverein Treffpunkt: Der kriegt sein „Karree“-Emblem wieder komplett entzündet.

Aber für keinen ist Entzündungshemmung ein Grund, das Fest vorzeitig für beendet zu erklären. Bereits am frühen Abend ist die Veranstaltung noch stärker besucht als sonst, die Zahl von 8000 Besuchern der letzten Jahre dürfte am Freitag wohl geknackt worden sein. Auch die frühzeitige unfreiwillige Verdunkelung ändert nichts mehr daran. Im Gegenteil: Die meisten bleiben bis weit nach Mitternacht. Sie lassen sich von der friedlichen Stimmung verzaubern, die Kerzen auch ohne Flamme verbreiten und lauschen den wunderbaren Klängen der Neuen Philharmonie Frankfurt, die mit Solisten, Rockband und Orchester „Fools and Heroes“ präsentiert.

Bilder vom Lichterfest

Lichterfest im Büsingpark

Auch wenn sie nur kurz zur vollen Geltung kommen konnten: Die vom Ringcenter gesponserten Kerzen verdienen ausführlicher Beschreibung. Jeder Verein bekommt die gleiche Anzahl, was diesmal je 1 250 Stück ergab, Gleichberechtigung muss sein. Beim Aufstellen und Anzünden packen alle verfügbaren Helfer mit an, um die große Anzahl in Form und Flamme zu bringen - gut, dass es lange Kaminhölzer und Stab-Feuerzeuge gibt. Beim Wassersportverein Bürgel sind zehn Personen im Einsatz, um das Abbild von „Tom und Jerry“ zu entzünden.

Vielfältige Kunstwerke entstehen, manchmal nur der Name des Vereins, oft ganze Bilder wie eine riesige Narrenkappe bei der Kolpingsfamilie und beim TVO. Ein paar kleine Hilfsmittel wie bunte Pappe und drei größere Kerzen für die Schellen sind natürlich erlaubt. Zum Scherzen aufgelegt ist Kolpinger Thorsten Haag: „Über Erderwärmung und CO2-Ausstoß reden wir bei dieser Aktion lieber nicht!“

Nicht immer ist die Kerzen-Botschaft auf den ersten Blick erkennbar. Die freie evangelische Gemeinde hat sich ein Bilderrätsel ausgedacht, dessen Auflösung „ Jesus Christus“ ergibt. Holzleisten dienen dabei zum Ausstreichen der Zahlen für entfallende Buchstaben. Wildes Gewusel herrscht beim griechischen Verein kurz vor der Kaiserstraße, er ist beim Anzünden der Akropolis in Verzug geraten. Die Besucher stört´s nicht: der Burgberg in Athen ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.

Weiter Richtung Park-Südseite stehen drei Wichtel auf dem Siegerpodest. Hier hat die Kita Zwergenland ihre Helden geehrt. Eine der kleinsten Initiativen sind „Die Pfeffernüsse“. Sie verfügen über langjährige Tradition in der „Park-Besetzung“, denn sie waren längst vor dem ersten Lichterfest 2004 daran beteiligt, das die Stadt so richtig aufblüht. Das Frauen-Dutzend schloss sich 1993 zusammen und dient allein der urbanen Attraktivität.

„Pfeffernuss“ Daniela Kohls: „Wir konnten die täglichen Berichte über Dreckecken nicht mehr hören, wollten mit der Initiative ‘Offenbach blüht auf’ unbedingt etwas verändern.“ Mit einem klaren „Ja“ zu Offenbach begannen die engagierten Frauen sich für die Verschönerung der Stadt einzusetzen: Jährlich stattfindende Park-Picknicks mit bis zu 200 Bürgern gehörten ebenso dazu wie die Aktion „offene Gärten“ im Westend. Dass die Stadt heute um einiges attraktiver ist als vor 20 Jahren, ist also auch ihrer Initiative zu verdanken.

ESO-Mitarbeiter haben den Park zwei Tage vorher auf Hochglanz gebracht - damit sich kein Besucher in Hundekot oder eine achtlos weg geworfene Bananenschale setzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare