Zukunft elektronischer Medien

„Tetris“ mit Möhren

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Das „Bended Realities“-Festival und die Bastlermesse „Make Rhein-Main“ lockten viel Publikum ins Isenburger Schloss.

Offenbach - Drei Tage lang drehte sich beim Festival „Bended Realities“ alles um die Zukunft elektronischer Medien. Auch Bastler ließen sich im Isenburger Schloss bei der Messe „Make Rhein-Main“ inspirieren. Von Claus Wolfschlag 

Ein Lächeln hat sich auf Georg Kleins Gesicht ausgebreitet und alle Nervosität ist weggefegt. Der Mitveranstalter des vierten „Bended Realities Festival“ hat Grund zur Freude, denn die dreitätige Veranstaltung zur Zukunft elektronischer Medien war mit einem Publikumszustrom aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet gesegnet.

Das Wachstum des Festivals ist schon an der Vergrößerung der Räume erkennbar. Hat es in den ersten beiden Jahren nur im kleinen Kulturwaggon am Mainufer stattgefunden, so zog man 2013 erstmals ins Isenburger Schloss. Nun folgte die erneute Ausweitung. Zusätzlich zur Schlosskapelle mietete man von der Hochschule für Gestaltung einen zweiten Erdgeschoss-Raum des Schlosses für die nun angeschlossene Bastler-Messe „Make Rhein-Main“. Während also in der Schlosskapelle unter dem Motto „Body&Cloud“ Vorträge zur Zukunft der Computerwelten, zum Zahlungssystem „bitcoin“ und zu 3-D-Brillen abgehalten werden, kann im Nebenraum selbst Hand angelegt werden.

„Es geht dabei um Selbstermächtigung, ums Selbermachen. Man sollte dem sozialen und elektronischen Wandel in unserer Gesellschaft nicht nur passiv gegenüberstehen“, so Klein. Seiner Ansicht nach stehen gravierende Veränderungen durch die flächendeckende 3-D-Technik bevor. „Das hat positive und negative Seiten, denn wir wissen noch nicht, was es bedeutet, wenn unsere Körper als 3D-Datensatz jederzeit gespeichert und abgerufen werden können. Und was das für Auswirkungen für die Demokratie und unsere Freiheit haben wird.“

Verrückte Spiele

Auf der „Make Rhein-Main“-Messe werden Besucher mit außergewöhnlichen Ideen konfrontiert. Der Zusammenschluss „Frankfurt Collective“ präsentiert verrückte Spiele. So hat man eine künstliche Computerschnittstelle mit frischem Obst hergestellt. Durch die Verbindung mit Elektrokabeln können Besucher den Computer-Klassiker „Tetris“ spielen, indem sie auf Bananen oder Möhren drücken.

Der Verein „Hackerspace Ffm“ zeigt diverse Möglichkeiten, mit Computersystemen und neuer Technologie zu spielen. Das Bild einer Katze wird aus dem Computer gewählt und dann automatisch mittels einer angeschlossenen Zahnrad-Apparatur und eines Edding-Farbstifts auf ein Blatt Papier gemalt. Standbetreuer Jo präsentiert Gegenstände, die mit Hilfe eines 3-D-Druckers hergestellt wurden. Für Besucher besteht die Möglichkeit, sich selbst abscannen zu lassen und dann als 3-D-Figur auszudrucken. „Letztlich geht fast alles“, sagte Jo. „Auf der letzten Veranstaltung haben wir sogar Hamburger gedruckt. Ich würde auch gern eine Marzipantorte drucken.“ Der Anspruch sei eine Rückkehr zur Handarbeit, zur Kreativität. „Man soll selbst wieder in die Lage kommen, die eigene Umwelt mitzugestalten.“

Auf zwei von Lesern der Offenbach-Post gespendeten Couchen hat sich hingegen eine Betreuerin des Netzwerks „Sofa Concerts“ bequem niedergelassen. Die von ihr beworbene Internetseite ermöglicht es Bürgern, junge Musiker für Privatkonzerte auf kleinen Partys zu buchen. Ein paar Schritte weiter probieren sich zwei Informatiker aus Mainz an einem altertümlich wirkenden Flipper-Gerät. „Es ist das erste mal, dass ich richtig flippere. Ich kenne das nur als Computerspiel. Dieses Gerät aber ist ein Kontrast. Man ist ganz dran am Geschehen“, gab die junge Britta zu. Sie ist an der Informatikerschule eines von nur zwei Mädchen. Ihr 20-jähriger Freund Nils zeigte sich erfreut von der Messe: „Es ist schön hier zu sehen, wie 3-D-Brillen und –Drucker real funktionieren. Man sieht mit viel Praxis, dass man Herausforderungen annehmen und Probleme lösen kann.“

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Das hätte Mitorganisator Roman Kessler nicht besser ausdrücken können. Er hetzt von einem Gespräch zum anderen und veräußert dabei alte Computerspiele, einen Pin up-Kalender und ein „Retro-Rechner-Quartett“ der Firma „Nerd Dreams“. „Wir wünschen uns Spenden, weil wir in Offenbach ein Museum für alte technische Geräte, den ,Digital Retro Park’, eröffnen wollen. Dort soll man beispielsweise an alten Commodore-Rechnern spielen können. Um dafür zu werben, haben wir erstmalig die Messe veranstaltet“, sagt er. Ein Ort für die geplante Ausstellung ist bereits gefunden. Ab Juni wird das Museum langsam im alten Zollamt an der Frankfurter Straße aufgebaut. Die dortigen Räume sind für die Laufzeit der nächsten fünf Jahre zugesagt.

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