Ein Festmahl für Bedürftige

+
Tafelspitz aus dem „Tafelspitz“: Chefkoch David Strand und die Restaurantbetreiber Youssef El Machit und Giuseppe Morleo (vorne von links) überbringen die Mahlzeiten, Egon Steffens und Dennis Kuschke (hinten) helfen beim Transport.

Offenbach ‐ Über Tafelspitz, Schweinebraten und Beilagen – zubereitet vom Chefkoch des Lokals „Tafelspitz und Söhne“ – freuen sich heute die Gäste der Teestube. Von Niels Britsch

Denn Giuseppe Morleo und Youssef El Machit, Inhaber der Offenbacher Restaurants „Morleos“, „Fleischeslust“ und „Tafelspitz“, haben der Einrichtung in der Gerberstraße Weihnachtsessen für 100 Personen spendiert. „Es gibt Sachen, die wichtiger als die Geschenke unter dem Baum und das eigene Festessen sind.

Wir wollten zu Weihnachten auch bedürftigeren Menschen mit einer besonderen Mahlzeit eine Freude machen“, begründet Giuseppe Morleo die Aktion. „Uns war wichtig, dass Leute aus der Stadt, die sich einen Besuch im Tafelspitz nicht leisten können, auch einmal in den Genuss unserer Speisekarte kommen.“

Etwa 50 Personen suchen täglich in der Teestube Gesellschaft und Wärme. Es gibt eine Mahlzeit und Obdachlose können duschen oder ihre Kleider waschen. Seit Beginn des Jahres ist in der Gerberstraße auch die Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks untergebracht, 20 feste Schlafplätze und 13 Betten für Durchreisende stehen zur Verfügung. Trotz des frühen Wintereinbruchs hat die Teestube keinen größeren Zulauf als sonst. „Wir haben eine Stammklientel, und die meisten Menschen kommen sowohl im Sommer als auch im Winter“, erzählt Sozialarbeiterin Petra Heck. Rentner und junge Leute, Obdachlose, Hartz  IV-Empfänger und Erwerbstätige besuchen die Einrichtung. Das Besondere dabei ist: „Viele der Gäste engagieren sich auch als freiwillige Helfer.“

Kicker hoffen auf Sponsoren für Trikots

In Zeiten sinkender Zuschüsse sei man jedoch „mehr denn je auf Spenden angewiesen“, verweist Barbara-Anne Podborny, Leiterin des Diakonischen Werks Offenbach, auf das Spendenkonto bei der Sparkasse Offenbach (Nummer: 44768, BLZ: 505 500 20). „Wir würden unsere freiwilligen Helfer gerne auch für ihren Aufwand entschädigen.“ Außerdem gibt es seit kurzer Zeit einen Teestuben-Chor und ein Fußballprojekt. Auch die Kicker hoffen auf Sponsoren für Trikots – langfristiges sportliches Ziel ist die Teilnahme am Wohnungslosen-Cup.

Zumindest bei der Weihnachtsfeier heute mangelt es an nichts: Neben den 100 Festmahlzeiten werden sogar Geschenke verteilt – meist nützliche Dinge für den Alltag. „Kein Alkohol oder Tabak“, betont Podborny.

Bernhard Keim kommt trotz Geschenke und Festessen aus einem anderen Grund zur Weihnachtsfeier: „Essen habe ich auch daheim, aber dort würde ich während der Feiertage nur vor dem Fernseher sitzen – hier habe ich Gesellschaft, und es schmeckt besser.“

Johanna Krimm ist seit 1997 Witwe. „Hier habe ich nach dem Tod meines Mannes Anschluss gefunden“, erzählt die rüstige 88-Jährige. Während sie die Weihnachts-Feiertage bei ihren Kindern verbringt, ist sie an Heiligabend in der Teestube – ebenfalls der Geselligkeit wegen. „Hier gibt es Unterhaltung und ein paar Leute, die nicht so alt sind.“ Auch für sie ist das Festessen eher zweitrangig: „Ich habe sechs Kinder großgezogen, da hat man Kochen gelernt.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare