Handwerker aus Offenbach tatverdächtig

Zeugin erkennt Stimme von Entführer des Würth-Sohns wieder

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Pressekonferenz zur Festnahme im Entführungsfall Würth.

Fulda/Offenbach - Eine Zeugin aus dem Rhein-Main-Gebiet hat der Polizei im Januar 2018 den entscheidenden Hinweis für die Verhaftung des mutmaßlichen Entführers von Milliardärssohn Markus Würth geliefert. Brisant: Nach dem Kidnapping im Jahr 2015 gab es einen weiteren Erpressungsversuch.

Eine Frau habe die Stimme des Tatverdächtigen wiedererkannt und fast zweieinhalb Jahre nach der Tat die Polizei informiert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger, heute in Fulda. Die Polizei hatte zur Fahndung den Mitschnitt eines Anrufs des Lösegeld-Erpressers genutzt. Die Zeugin hatte in dem Mitschnitt die Stimme eines Handwerkers erkannt, der zuvor bei ihr zu Hause arbeitete. Ein Sondereinsatzkommando (SEK) aus Frankfurt nahm den Mann schließlich gestern rund 1000 Tage nach der Tat im 5. Stock eines Offenbacher Hochhauses fest. Zuvor wurde der Mann von der Polizei länger intensiv überwacht. Sprachwissenschaftler werteten die Hinweise aus und erstellten ein eindeutiges Gutachten. Bei der Stimme des Mannes aus Offenbach soll es sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um den Anrufer handeln, der von der Familie Würth das Lösegeld erpressen wollte.

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Der mutmaßliche Entführer schweigt zum Tatvorwurf. Der 48-Jährige habe sich nach seiner Festnahme wortreich ausgelassen, aber nicht zur Entführung geäußert, sagte Daniel Muth von der Kriminaldirektion Osthessen. Der mutmaßliche Kidnapper stammt aus Serbien, ist verheiratet und hat zwei Kinder. "Er hat zehn Stunden dauergequatscht", sagte Muth nach der ersten Vernehmung des Verdächtigen.

Brisant: Der mutmaßliche Kidnapper soll sich im April 2017 per E-Mail erneut an die Familie Würth gerichtet haben. Er drohte damit Markus Würth oder andere Familienmitglieder zu entführen und forderte dieses Mal 70 Millionen Euro in Krypowährung. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen berichtete, ist der tatverdächtige Handwerker aus Offenbach in finanziellen Nöten. Der E-Mail-Kontakt zur Familie bracht erst nach Monaten ohne Zahlung ab.

Mutmaßlicher Entführer in Offenbach festgenommen: Fotos

Der 48-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes. Er soll im Juni 2015 den behinderten Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth im osthessischen Schlitz entführt haben. Einen Tag später wurde der damals 50-Jährige in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet freigelassen gefunden. Zu einer Lösegeld-Übergabe in Millionen-Höhe kam es nicht. Ob es Mittäter im Entführungsfall gab, ist noch unklar. (dr/dpa)

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