Kochkünste mit fatalen Folgen

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Wer beim Kochen nicht aufpasst und der Topf, die Küche oder gar die ganze Wohnung fängt Feuer, gegen den wird üblicherweise wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Warum der 28-jährige Pommes-Fan aber in Handfesseln abgeführt wurde, konnte die Offenbacher Polizei gestern nicht überzeugend darstellen.

Offenbach - Am Tag nach dem Wohnungsbrand ist den Fachleuten schnell klar: Die Lust auf knusprige Pommes Frites wurde einem 28-Jährigen am Sonntagabend zum Verhängnis. Von Katharina Skalli

Von den grauen Steintreppen im Hausflur tropft das Wasser. Die mittlere Wohnungstür im sechsten Stock ist lediglich ein geschmolzener Rest, der Türspion ein verkohltes Etwas im rußigen Schwarz. In der Wohnung lässt sich das Hab und Gut des Bewohners nur noch erahnen. Kaum sind die Flammen erstickt und die Schläuche aufgerollt, geht’s an die Spurensuche.

Vermutlich hat sich heißes Öl, das zum Frittieren verwendet werden sollte, in der Wohnung am Nordring 68 entzündet – mit verheerenden Folgen.

Um 19.26 Uhr ging bei der Feuerwehr der Notruf ein. Nur drei Minuten später erreichten die ersten Einsatzkräfte den Nordring. Zu dieser Zeit hatten sich die Flammen im sechsten Stock des achtstöckigen Wohnhauses bereits ausgebreitet – in der Fachsprache der Brandbekämpfer: ein Vollbrand. „Das Feuer hat sich schnell ausgebreitet“, fasst es Polizeisprecher Henry Faltin zusammen.

Nachbar alarmiert Feuerwehr

Die Wohn- und Schlafräume sind am Sonntag ausgebrannt. „Der Putz an den Wänden ist nahezu komplett abgeplatzt“, beschreibt Einsatzleiter Dr. Michael Eiblmaier das Szenario. „Ein Zeichen dafür, dass es sehr, sehr heiß war.“

Nicht der Bewohner selbst, sondern ein Nachbar hatte die Berufsfeuerwehr alarmiert. Weil das Feuer von der Straße nicht zu sehen war, prüften die Wehrleute parallel die Zugänge im Haus als auch die Rückseite des Gebäudes, an der die Flammen aus dem Balkon und einem Fenster schlugen. Die 70 Einsatzkräfte der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr aus Bieber gelangten schließlich über das Treppenhaus zur Brandwohnung, da im Innenhof des Grundstückes die Drehleiter nicht aufgebaut werden konnte. „Wir waren rechtzeitig vor Ort und konnten dadurch das Übergreifen des Feuers auf das darüber liegende Stockwerk verhindern,“ erklärte Eiblmaier.

Bilder der Löscharbeiten

Verletzte bei Wohnungsbrand

Der Bewohner sowie ein Anwohner aus dem siebten Stock wurden mit Rauchgasvergiftungen ins Klinikum Offenbach gebracht. Weil der Qualm sich auch in den drei darüber liegenden Wohnungen ausgebreitet hatte, wurden außerdem ein 60-Jähriger und eine 46-Jährige ambulant behandelt. Zehn weitere Personen wurden am Abend in einem Bus der Offenbacher Verkehrsbetriebe betreut, bis ihre Unterbringung geklärt war.

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Die gestrige Bilanz: Aufgrund der starken Rauchentwicklung sind sechs Wohnungen im sechsten und siebten Stock vorerst nicht mehr bewohnbar. Die gute Nachricht: Die Bewohner sind bei Freunden oder Verwandten und in einem Hotel untergebracht.

Kaninchen gerettet

Auch ein Kaninchen retteten die Einsatzkräfte aus dem Mietshaus. Mit seiner Besitzerin kam es bei einer Nachbarin unter. So viel Zeit muss offenbar sein: „Wir wollen alle Leben retten“, so Michael Eiblmaier. Den Schaden schätzt die Feuerwehr vorsichtig auf etwa 150.000 Euro. Die Polizei ermittelt derweil wegen fahrlässiger Brandstiftung. Eigentlich selbstverständlich: Der Nordring wurde für die Dauer des Einsatzes vollständig gesperrt.

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