Brand in Bieber

Verheerendes Feuer: Familie erfährt viel Hilfsbereitschaft – aber es gibt auch Kritik

Völlig zerstört: Das Innere des Wohnhauses an der Langener Straße in Offenbach-Bieber.
+
Völlig zerstört: Das Innere des Wohnhauses an der Langener Straße in Bieber.

Die Familie O‘Callaghan verliert bei einem Brand ihr Zuhause. Sie erfährt viel Anteilnahme, es gibt aber auch kritische Stimmen.

Offenbach – Unser Bericht über Familie O‘Callaghan aus Bieber, die bei einem Feuer ihr Zuhause verloren hat und deren Nachbarn einen Spendenaufruf gestartet haben, löste Betroffenheit bei vielen Lesern aus. Es gab Spenden-Angebote, Worte der Anteilnahme, aber auch kritische Stimmen. Vor allem die Frage, warum keine Feuerversicherung vorlag, wurde eifrig diskutiert. Profis aus der Versicherungsbranche stellen nun klar: Verpflichtend ist eine solche Police nicht. Dass Versicherungen Kunden ablehnen, kann durchaus vorkommen.

Peter O‘Callaghan begründet die fehlende Versicherung damit, dass ihn keine Versicherung habe nehmen wollen, als er sich als frischgebackener Hausbesitzer darum bemüht habe. In der Vergangenheit habe er Schulden gehabt, die aber mittlerweile abbezahlt seien. Er vermutete, auf einer Art „schwarzen Liste“ zu stehen, weshalb er abgelehnt worden sei. Danach habe er sich nicht weiter darum bemüht. Er und seine Frau haben das kleine Klinkerhaus im Herzen Biebers vor zwölf Jahren vom Schwiegervater als Hochzeitsgeschenk bekommen.

Fakt ist: Anders als etwa eine Kfz-Haftpflichtversicherung, ist eine Feuerversicherung nicht zwingend vorgeschrieben. „Aus dem Gedanken heraus, dass gemäß Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes Eigentum verpflichtet, gehörte früher die Brandversicherung auch zu den Pflichtversicherungen“, erläutert Manfred Kind, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Haus & Grund Offenbach. Seit 1994 werden Schäden durch Feuer von der Gebäudeversicherung mit abgedeckt. Eigentümern steht es frei, ob sie eine solche Versicherung für ihr Haus abschließen. Nur bei einem Hausneubau oder Hauskauf wird eine Gebäudeversicherung zur Pflicht, wenn eine Finanzierung benötigt wird.

Brand in Offenbach: Versicherungsexperte gibt Tipps zu Feuerversicherung

Dass es, wie bei O‘Callaghan, zu Ablehnungen seitens der Versicherung kommen kann, bestätigt Katharina Lawrence, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Für die Versicherungsunternehmen besteht kein Kontrahierungszwang.“  Die Gründe für eine Ablehnung seien häufig kürzlich entstandene und regulierte Schäden oder besondere Immobilien, etwa unter Denkmalschutz. „Versicherungen führen auch eine Bonitätsprüfung durch“, weiß Lawrence.

Christian Ponzel, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin, stellt klar: „Eine Wohngebäudeversicherung kann sich ihre Kunden aussuchen – und natürlich umgekehrt.“ Nachträglich Ablehnungsgründe nachzuvollziehen, sei schwierig. Grundsätzlich empfiehlt er, bei mehreren Versicherern Angebote einzuholen.

Das rät auch Katharina Lawrence – und außerdem: „Man könnte auch versuchen, den Preis einer Versicherung durch einen sehr hohen Selbstbehalt zu drücken. Eventuell lässt man auch das Risiko Leitungswasserschaden unversichert und versichert sich nur gegen Feuer sowie Sturm/Hagel.“

Feuer in Offenbach: Familie O‘Callaghan entrümpelt zerstörtes Haus

Grundsätzlich empfehlen die Experten den Abschluss einer sogenannten verbundenen Wohngebäudeversicherung. Mit der Police sollten die Gefahren Feuer, Sturm/Hagel und Leitungswasser versichert werden. In Zeiten von Starkregen und Überflutungen sei es sinnvoll, als zusätzlichen Baustein eine Elementarschadenversicherung (auch Naturgefahrenversicherung genannt) abzuschließen.

All das ist für Familie O‘Callaghan erstmal blanke Theorie. Praktisch gilt es, das Haus weiter zu entrümpeln, wieder aufzubauen und irgendwann in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Wieviel Geld bisher auf das Spendenkonto bei der Katholischen Kirche in Bieber eingegangen ist, kann Nachbarin Diana Faßbender, die die Spendenaktion gestartet hat, erst nach der Rückkehr des Pfarrers aus dem Urlaub sagen. Bevor der Artikel in unserer Zeitung erschien, waren es 1385 Euro.

Derweil trauern O‘Callaghans um ihre Husky-Hündin, die im Alter von 15 Jahren vergangene Woche verstorben ist. „Es wurde ihr alles zu viel“, sagt Peter O‘Callaghan geknickt. Doch es gibt auch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Es besteht Aussicht auf eine Förderung durchs Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden. (Veronika Schade)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare