Weiße Spur im Kaiserlei

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Kein Reif, kein Schnee, sondern eine „Riesensauerei“. ESO-Mitarbeiter mussten im Kaiserleigebiet die Hinterlassenschaften von Metalldieben beseitigen.

Offenbach - Die Nachfrage nach Kupfer hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Vor allem in der Elektronikbranche findet das Edelmetall aufgrund der guten Leitfähigkeit Verwendung. Von Martin Kuhn

Stagnierendes Angebot und steigende Nachfrage eröffnen kriminellen Zeitgenossen ein Geschäftsfeld, auch in Offenbach. Dabei beschreiten Metalldiebe auch abenteuerliche Wege – etwa in der vergangenen Woche.

Seinen Anfang nimmt das Gaunerstück, als das Ordnungsamt routinemäßig ein städtisches Areal im Kaiserlei kontrolliert. Dem Mitarbeiter fällt zwar ein weißer Schleier auf, der sich rings um das Grundstück gelegt hat. Grund zur Sorge bereitet ihm die Beobachtung indes nicht. Noch nicht. Als er am Freitag nochmals vorbeischaut, hat sich der weiße Schleier zum Teppich verdichtet. Der Ursprung ist auf einem privaten Grundstück schnell ausgemacht. „Eine Riesensauerei“, umschreibt Fotograf Bernd Georg das Szenario.

Das ruft die geballte Ordnungsmacht auf den Plan. Da zunächst eine Grundwassergefährdung angenommen wird, ist neben der Polizei auch das Offenbacher Umweltamt involviert. Schnell stellt sich heraus, dass das weiße Pulver mitnichten ein Gefahrstoff ist und es sich somit rechtlich um keine Straftat handelt. Die Umweltermittler des Präsidiums Südosthessen ziehen ab. Mit Nachdruck ermittelt fortan das Ordnungsamt, das später eine Anzeige wegen illegaler Abfallentsorgung formuliert.

Feuerlöscher im Visier von Kupferdieben

Auf dem Areal finden sich 30 Feuerlöscher, die vorher nicht gerade fachmännisch entleert worden sind. Das Löschpulver ist großflächig versprüht. ESO-Mitarbeiter, zur Entsorgung herbeigerufen, machen sich hustend und wohl auch fluchend an die Beseitigung. Wer aber macht so eine Schweinerei mit den roten Behältnissen, außer vielleicht übermütige Abiturienten? Kupferdiebe, weiß ein Schaulustiger sofort. Die offiziellen Stellen sind da gewohnt zurückhaltender in der Einschätzung: Möglicherweise Metalldiebe, heißt es.

Ein ganzer Haufen leer gesprühter Feuerlöscher zeugt im Kaiserlei doch von einer erheblichen kriminellen Energie.

Die Nachfrage bei der Offenbacher Berufsfeuerwehr ergibt zumindest einen Hinweis, der eher dem Laien in die Beobachtung spielt. Die sogenannten Steigrohre in den Feuerlöschern bestehen teils aus Kupfer. Interessanter für Metalldiebe könnten die Verschlüsse sein, große Messingmuttern. Woher die 30 gefundenen Löscher stammen, ist ungeklärt. „Vielleicht sind sie auf dem Entsorgungsweg abhanden gekommen“, heißt es im Ordnungsamt. Waren es ursprünglich mehr rote Druckbehälter? „Das wäre reine Spekulation...“ Zwar meldet das Polizeipräsidium immer wieder einzelne Metalldiebstähle. Signifikante Zahlen, die einen dramatischen Anstieg dieses Delikts belegen, liegen aber nicht vor. Fest steht allerdings: Je höher die Preise für Kupfer, desto lukrativer ist es für Diebe. Bundesweit ist vor allem die Deutsche Bahn betroffen. Im vergangenen Jahr soll das Unternehmen 3000 Fälle von Metalldiebstählen gemeldet haben – das entspricht einem Anstieg von 50 Prozent binnen zwölf Monaten. Aber auch ansonsten sind die Metallklauer wenig zimperlich. Selbst vor Kunstwerken, Friedhöfen und Gotteshäusern machen sie nicht mehr Halt.

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