Rutschpartie nur für Profis

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Noch 50 Jahre nach Einweihung sprechen die Verantwortlichen von einer guten Standortwahl. Zum Jubiläum öffnet die Feuerwache am 19. Mai ihre Türen.

Offenbach - Noch 50 Jahre nach Einweihung sprechen die Verantwortlichen von einer guten Standortwahl. Zum Jubiläum öffnet die Feuerwache am 19. Mai ihre Türen. Von Martin Kuhn

Ja, es gibt sie noch! Per Rutschstange geht es für die Feuerwehrleute bei Alarm aus den Bereitschaftsräumen im ersten Stock zu den Fahrzeugen. Die Senkrechte ist immer noch der schnellste Weg. Und im Falle des Falles ist Zeit ein wesentlicher Faktor. Dies war 1958 mit der entscheidende Grund, warum die Stadtväter die Feuerwache an der Rhönstraße 10 planten – nicht in der Stadtmitte, aber mitten in der Stadt. Maximale Fahrzeit an jeden Ort: acht Minuten. Das werden Feuerwehrchef Uwe Sauer und seine hauptamtlichen Blauröcke am Tag der offenen Tür (Samstag, 19. Mai, 10 bis 17 Uhr) sicher öfter wiederholen müssen.

Der Entwurf für die Wache stammt vom Offenbacher Architektenbüro Novotny und Mähner. Die Planer überzeugten damals Magistrat und Stadtparlament im Zuge eines Wettbewerbs. Und wenn sich heute so mancher an der sachlichen Betonarchitektur stört, hält ihm Sauer gern entgegen: „Das Büro hat weitsichtig geplant. Die Funktionalität des Gebäudes ist sehr modern.“ Dass es im Lauf der Jahrzehnte zu klein beziehungsweise zu niedrig wurde, konnte bei der offiziellen Einweihung am 16. Mai 1962 freilich keiner ahnen.

Kritisch wird’s, wenn Reparaturen anstehen

Das ist einer bundesweiten Entwicklung im Löschwesen geschuldet. Die Fahrzeuge sind für verschiedene Aufgaben immer umfangreicher ausgestattet und folgen einem Prinzip: höher und breiter. Schafft die Berufsfeuerwehr Offenbach ein Fahrzeug an, ist stets der Zollstock dabei. Maximale Höhe: 3,20 Meter! Kritisch wird’s, wenn Reparaturen anstehen. Daher ist wieder mal eine Investition in die Zukunft notwendig – eine Wasch- und Reparaturhalle ist mit 450.000 Euro veranschlagt. Lichte Raumhöhe: 5,80 Meter. Im Vergleich zu den damaligen Baukosten von vier Millionen Mark eine gewaltige Summe.

Den umfangreichen Fahrzeugpark mit allerlei Gerätschaften dürfen Offenbacher bestaunen am Tag der offenen Tür, den Zugführer Andreas Gutjahr federführend organisiert. Mit dabei sind an dem Samstag die drei Freiwilligen Wehren mit ihren speziellen Aufgaben, die Rumpenheimer mit der Wasserrettung, die Bieberer mit dem Gefahrstoffzug, die Waldheimer mit dem Gerätewagen Kommunikation und der Sandsackfüllmaschine.

Vorführungen und Informationen

Obligatorisch sind neben der Fahrzeugschau und Musik vom Spielmannszug der Feuerwehr Schaafheim diverse Vorführungen und Informationen: Hilfeleistung bei Unfall und Brandangriff, Handhabung einer Feuerlöschdecke und eines Feuerlöschers, Funktionsweise eines Rauchmelders, Berufsbild Feuerwehrmann und -frau. Damit das alles nicht zu trocken wird, stehen die Verpflegungsgruppen von ASB und DRK an Friteuse, Wurstbraterei und Zapfhahn bereit. „Zu zivilen Preisen“, betonen Sauer und Gutjahr.

Schließlich wollen beide eins erreichen: Werbung in eigener Sache, für den Beruf, gern auch für die Freiwilligen. Ein Grund ist die demografische Entwicklung, die vor Rettungskräften nicht Halt macht. Zudem sieht der städtische Bedarfsplan für die Berufsfeuerwehr bis zum Jahr 2017 eine Aufstockung auf 123 Stellen vor.

Und wie steht es am 19. Mai mit einer flotten Rutschpartie in die Fahrzeughalle? „Eher nicht“, ist der Amtsleiter zurückhaltend. Der Zugang zu den Rutschschächten, ohnehin durch automatische Flügeltüren gesichert, bleibt Besuchern verwehrt. Die Feuerwehr als Spaßbremse? Nein. Schließlich ist eine komplette Wachabteilung im sogenannten Alarmdienst. Die Sicherheit der Offenbacher Feuerwehr geht auch am Tag der offenen Tür vor...

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