Sie sind eine kleine Familie

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Außergewöhnliche Ausflüge – wie der Besuch von „Christoph 2“, dem Rettungshubschrauber der BGU Frankfurt – sind bei der Offenbacher Jugendfeuerwehr keine Seltenheit.

Offenbach - Feuerwehrmann will Dominique-Marcel später nicht werden, lieber Busfahrer. Der Zehnjährige hat schon genaue Vorstellungen. Ein Partybus soll es sein, mit Diskokugel und verstellbaren Sitzreihen, damit die Leute tanzen können. Von Alexander Kroh

Dominique-Marcel interessiert sich sehr für Technik. Auf der Suche nach einem passenden Hobby wurden seine Eltern auf die Jugendfeuerwehr Offenbach aufmerksam. Seit einigen Wochen schnuppert der Zehnjährige dort in die Arbeit der jungen Einsatzkräfte rein.

Wer bei den jungen Einsatzkräften Mitglied wird, hat diese Schnupperphase zu durchlaufen. Denn eine Mitgliedschaft ist nicht nur mit Spaß, sondern auch mit viel Arbeit verbunden, weiß Walter Füssel. Er ist seit August kommissarischer Stadtjugendfeuerwehrwart.

22 Mitglieder und fünf „Schnuppernden“

Einmal in der Woche (immer dienstags von 18 bis 20 Uhr) treffen sich die aktuell 22 Mitglieder und fünf „Schnuppernden“ im Feuerwehrhaus an der Rumpenheimer Schlossstraße 1. In dem vor einem Jahr eingeweihten neuen Haus büffelt der Nachwuchs im Alter von zehn bis 16 Jahren theoretische Brandbekämpfung. Auf dem Stundenplan stehen auch Fahrzeug- und Schlauchkunde. Gepaukt wird in Gruppen. Bei kleineren Tests können die Jugendlichen immer wieder zeigen, was sie schon gelernt haben.

Höhepunkte für die jungen Leute und für die Betreuer sind aber die praktischen Übungen. Denn eigentlich macht die Jugend alles, was auch die Freiwillige Feuerwehr leistet. Mit Übungen simuliert sie Löscheinsätze, fährt mit Blaulicht und löscht Brände. Auch Übungen mit den hauptberuflichen Kollegen stehen regelmäßig auf dem Programm.

80 Prozent der Mitglieder aus der Jugendabteilung

Viele Mitglieder von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr haben ihre ersten Erfahrungen bei der Jugendabteilung gesammelt, betont der heutige Leiter der Berufsfeuerwehr, Uwe Sauer. Allein die Freiwillige Feuerwehr rekrutiert 80 Prozent ihrer Mitglieder aus der Jugendabteilung, berichtet Jugendgruppenleiter Sebastian Irgel.

Da die „Jugendflammen“ bei Laune gehalten werden müssen, kommt die Freizeit nicht zu kurz. Regelmäßig unternehmen sie Ausflüge. Vergangenes Jahr ging es etwa in die Unfallklinik in Frankfurt, um den Rettungshubschrauber „Christoph 2“ zu begutachten. Kleinere Ausflüge in Schwimmbäder oder zum Schlittschuhlaufen sorgen zudem für Abwechslung. Dazu kommen Seifenkistenrennen, Zeltlager, Filmabende oder Computer-Partys. Viele Veranstaltungen organisieren die Jugendlichen selbst. Kürzlich waren sie mit einem selbst gebauten Stand auf dem Bieberer Nikolausmarkt vertreten. Für einen Wochenendsworkshop gab’s im November den Ehrenamtspreis der Stadt Offenbach. Im Sommer haben die Jugendlichen die Leistungsspange auf der Rosenhöhe ausgerichtet. Dabei handelt es sich um das höchste Leistungsabzeichen.

„Wir sind wie eine große Familie“

„Wir sind wie eine große Familie“, beschreibt die 15-jährige Sarah Schwarz das Zusammensein. Besonders spannend findet die Edith-Stein-Schülerin die Übungen mit den „großen“ Brandschützern. Später möchte Sarah selbst Feuerwehrfrau werden. Ihre Freundin Mandy Krug ist nicht weniger angetan: „Bei uns wird niemand ausgeschlossen, Diskriminierung gibt’s nicht. Der Zusammenhalt untereinander ist enorm.“ Seit etwa zweieinhalb Jahren ist die 16-Jährige dabei.

Doppelt so lange Mitglied ist der ebenfalls 16-jährige Johann Stenger, der seit einem Jahr als Jungensprecher die Interessen seiner Kollegen in den Jugendausschüssen vertritt. Er freut sich, dass dem Nachwuchs Vertrauen entgegengebracht wird.

Unterstützt wird die Jugendfeuerwehr von der Stadt und vom Feuerwehrverein. Mit dem Beitrag der Mitglieder von zwölf Euro im Jahr kann sich die Jugendfeuerwehr allein nicht finanzieren. Gruppenleiter und Betreuer üben ihre Aufgaben ehrenamtlich aus.

Für Betreuer Jan Gotta ist die Jugendfeuerwehr mehr als nur ein Hobby. Auch die Eltern des 19-Jährigen sind bei den Brandbekämpfern. Als Kind hat Jan schräg gegenüber der Feuerwehr gewohnt und immer über den Zaun hinweg beobachtet, wenn die Einsatzwagen mit Blaulicht und Martinshorn ausgerückt sind. Mit zehn Jahren ging er zur Jugendfeuerwehr, mittlerweile ist er zu alt geworden und zu den Freiwilligen gewechselt. Doch seinen Wurzeln ist er treu geblieben: Er unterrichtet seit etwa einem Jahr die Kinder und Jugendlichen der Jugendflamme 1. „Meine Eltern haben mich schon früh mit diesem Virus infiziert“, erinnert er sich.

Wer auch mal reinschnuppern möchte, kann das immer dienstags von 18 bis 20 Uhr im Feuerwehrhaus (Rumpenheimer Schlossstraße 1). Weitere Infos rund um die Jugendfeuerwehr Offenbach auf www.jf-offenbach.de.

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