Fieberhafte Suche nach dem Halsketten-Räuber

Offenbach - Neun Fälle innerhalb weniger Wochen. Und die Abstände zwischen den Taten werden immer kürzer. Von Matthias Dahmer

Nachdem er am Montag vermutlich zweimal - in Offenbach und Heusenstamm - zugeschlagen hat, muss die Polizei gestern von weiteren am Dienstag begangenen Überfällen des Halskettenräubers berichten.

Das Opfer ist wieder ein vermeintlich leichtes. Eine Rentnerin, die gut erkennbar Schmuck um den Hals trägt: Die 76-Jährige hält am Dienstag gegen 13 Uhr in der Sibeliusstraße im Lauterborn gerade ein Schwätzchen mit ihrer Nachbarin, als ein etwa 1,70 Meter großer Südländer im Vorbeirennen versucht, ihr die Kette vom Hals zu reißen. Der schnelle Griff schlägt allerdings fehl. Ohne Beute rennt der Räuber, der kurze schwarze Haare hat, davon.

Kurz vor Mitternacht wird dann ein weiterer Raub angezeigt: Demnach ist ein 70-Jähriger gegen 22.30 Uhr in der Langstraße in Bürgel angegriffen und zu Fall gebracht worden. Als er sich wieder aufrappelt, ist seine Halskette weg. Den Täter kann der Überfallene nicht beschreiben.

Opfer sind ausnahmslos gehbehinderte Seniorinnen

Auch wenn die letzte Tat möglicherweise nichts mit der Raubserie des Kettenreißers zu tun hat - die Polizei ist auch so schon unter Druck, wie Sprecher Henry Faltin zugibt. Allein im Interesse der Opfer - ausnahmslos Seniorinnen, die teilweise gehbehindert sind - müssten die Fälle schnell aufgeklärt werden. Die Polizei arbeite mit Hochdruck daran, sagt Faltin. Dass es sich immer um denselben Täter handelt, was nach den Beschreibungen der Opfer und der Vorgehensweise nahe liegt, will der Polizeisprecher zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bestätigen. „Das ist nicht auszuschließen“, lautet Faltins Antwort. Sie deutet darauf hin, dass die Ermittler mehr wissen, als sie der Öffentlichkeit derzeit verraten wollen.

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Glücklicherweise sind alle Überfallenen ohne Verletzungen davon gekommen. Der Schock, den sie durch die Tat erlitten hätten, sei jedoch nicht zu unterschätzen, sagt Polizeisprecher Faltin. „Die Betroffenen sind emotional ziemlich angekratzt und erst nach zwei bis drei Tagen vernehmungsfähig.“

Liane Strauch hat das Ganze offenbar gut überstanden. Die 81-Jährige wurde am Montag überfallen. Weil sie ihre Halskette fest umklammerte, flüchtete der Kettenreißer ohne Beute. „So nicht, verdammt nochmal, habe ich mir gedacht und laut geschrien“, schildert die resolute alte Dame den Moment, als der Täter zugriff. Den Überfall habe sie psychisch gut verarbeitet. „Ich habe um meine Kette gekämpft und bin Sieger geblieben. Es war eine Genugtuung, den Täter in die Flucht zu schlagen.“

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Arno Bachert

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