Fantasie kennt keine Grenzen

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Mitglieder des Filmclubs Offenbach freuen sich über gute Platzierungen beim Landesfilmfestival (von links): Robert Becker („Konzertwerkstatt“, 1. Preis), Jürgen Vanscheidt („Le Train des Pignes“, 3.), Hilde und Werner Eichhorn („ Johannes Brahms in Thüringen“), Horst Blissing („Silkes Weg“, 3.), Folker Preis („Grelle Lichter zum Abgrund“, 2.) und Thomas Kempf („Zug der Kaufleute“, 2.).

Offenbach - Nervosität gehört dazu. Selbst mit 44 Jahren Erfahrung. Werner Eichhorn spricht sich Mut zu: „Es geht nicht so sehr um die Platzierung, sondern ums Weiterkommen.“ Von Veronika Szeherova

Der 83-Jährige ist einer von sechs Offenbacher Amateurfilmern, die beim 64. Landes-Filmfestival Hessen im Ledermuseum ihre Beiträge der kundigen Jury präsentierten, um sich für bundesweite Wettbewerbe zu qualifizieren. 24 Kurzfilme von Clubs zwischen Aschaffenburg und Eschwege liefen am Samstag. „Filmen ist eine Beschäftigung, die geistig frisch hält“, findet Eichhorn, Ehrenvorsitzender des Filmclubs Offenbach (FCO). „Man muss Ideen haben, eine Geschichte erzählen, Spannung aufbauen.“ Das erfordere viel Zeit. „Aber die habe ich als Rentner ja“, lächelt er verschmitzt.

Sein Wettbewerbsfilm, den er mit Ehefrau Hilde gedreht hat, trägt den Titel „Johannes Brahms in Thüringen“. Eichhorn erklärt: „Wir haben in Bad Liebenstein Urlaub gemacht und dort die Wege des Komponisten beschritten und aufgezeichnet.“ Heraus kam eine 14-minütige Dokumentation.

Seine Leidenschaft fürs Filmen begann, das weiß Eichhorn noch genau, „1968 an einem Freitagabend“. Mit der ersten Kamera, die er gewonnen hatte, drehte er sein Erstlingswerk über das Leben eines Gerbers, das sogar beim Weltfilmfestival UNICA gezeigt wurde. Seitdem folgten viele weitere, auch preisgekrönte Werke, wuchs ein immer größeres Arsenal an Kameras. „Man häuft Geräte an, benutzt verschiedene Arten von Kameras für unterschiedliche Zwecke“, sagt Eichhorn. „Zum Glück sind sie heute nicht mehr so groß.“

Dass Amateurfilmer sich keiner moderner Technik bedienten, sondern immer noch in der Schmalspur-Ära hingen, sei ein Vorurteil. „Das ist eine Frage der Finanzen“, meint FCO-Vorsitzender Thomas Kempf. Eine moderne, gute Ausrüstung koste mehrere tausend Euro.

Alles außer Pornos

Selbst die beste Technik erspart nicht das, was beim Filmemachen die meiste Zeit erfordert – den Schnitt. „Wir sind unser eigener Regisseur, Cutter und Vertoner“, führt Kempf aus. „Allein bei der Vertonung ist viel zu beachten: Der Text muss zum Bild passen, die Länge übereinstimmen, der Sprecher verständlich und klar sprechen, die richtige Musik gewählt werden.“

Dass das Bild klar, das Konzept nachvollziehbar, die Handlung möglichst neu ist und keine Längen hat, sind Bedingungen für den Erfolg beim Wettbewerb. Und auch beim FCO selbst. „An unseren wöchentlichen Clubabenden nehmen wir bei den Kritiken kein Blatt vor den Mund, das kann so manchen abschrecken“, weiß der Vorsitzende. 49 Mitglieder hat der Verein, „alles sehr gute Leute“, doch der Nachwuchs bleibt aus.

Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. „Spielfilme, Familienfilme, Dokumentationen: Sie können drehen, was Sie wollen, außer Pornos“, bringt es Eichhorn auf den Punkt. Die meisten Arbeiten im Wettbewerb sind Dokumentationen. Auch der Beitrag von Kempf, der im vorigen Jahr das Geleitsfest in Seligenstadt und Aub mit der Kamera begleitet hat. „Zug der Kaufleute“ heißt sein 20-minütiger Streifen darüber.

Auf den FCO wartet in diesem Jahr eine weitere große Aufgabe: Er richtet vom 17. bis 20. Mai die 70. Deutschen Filmfestspiele in Seligenstadt aus, den bundesweiten Wettbewerb der Amateurfilmer. Gleichzeitig feiert der Bundesverband Deutscher Filmautoren seinen 85. Geburtstag. 300 bis 400 Teilnehmer werden zu diesem Festival erwartet. „Es ist eine große Aufgabe mit viel Verantwortung, aber wir freuen uns drauf“, schließt Kempf.

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