Der finale Einschnitt

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Platz da! Arbeiter roden für das letzte Teilstück des Mainzer Rings. Die Spange mündet künftig in die Rumpenheimer Straße.

Bürgel ‐ Schön, wie die Verwaltung einen Kahlschlag verschleiert: „Im Zuge vom Neubau des Mainzer Rings 1. BA (3. TA) beginnt die Rodung von Aufwuchs, Gestrüpp und Bäumen (...)“ Das trifft zwar den Kern, ist aber nur die halbe Geschichte. Von Martin Kuhn

Wo heute „Aufwuchs“ wuchert, waren einst Kleingärten. Schon vor Jahren erwarb die Stadt die Flächen für den Bau des Mainzer Rings. Nun folgt der finale Durchstich - das Teilstück zwischen Edel-Gasch- und Rumpenheimer Straße. Nach der Rodung soll der eigentliche Straßenbau im Frühsommer erfolgen. Fertigstellung: Ende 2010.

Der Mainzer Ring ist ein lokales Dauerthema: Kommt er, kommt er nicht? Letztlich entschied sich das Parlament im Juli 2004 für den Neubau auf einer Gesamtlänge von 1,6 Kilometern zwischen Ketteler und Rumpenheimer Straße. Wie ein Spange umfasst die Trasse den bislang östlichen Rand der Bebauung. Die Funktion ist jedoch nicht allein die einer reinen Ortsumfahrung. Die Trasse erschließt das Baugebiet Bürgel-Ost und führt Handballer, Tennisspieler oder Kegler zum künftigen Sportzentrum der TSG Bürgel. Und die Freiwilligen aus Rumpenheim erhalten dort ihre Feuerwache. Allein das Straßenbauprojekt kostet in der Summe 13 Millionen Euro.

Zudem kappt Stadtplaner Hans-Joachim Bier-Kruse gedanklich bereits die Umfahrung: „Es könnte sein, dass wir vorerst nur zwischen Rumpenheimer Straße und Schönbornstraße für den Verkehr öffnen.“ Der seit Jahren bestehende Mainzer Ring würde für Pendler abgetrennt. Die Begründung aus dem Rathaus: „Dort fehlen unter anderem die Gehwege und Markierungen.“ Sprich: Für den erwarteten Autostrom ist die jetzige Holperstrecke ungeeignet.

Anbindung an Mainstraße viel diskutiert, mehr nicht

Nach den bisherigen Planungen folgt der endgültige Ausbau 2011/12 - wenn die Landesmittel fließen. In der Stadtverwaltung liegen alle Pläne griffbereit in den Schubladen, zur Umsetzung sind weiterhin Finanzmittel aus Wiesbaden unabdingbar. Bier-Kruse gibt den Ball wohl gern weiter: „Wir könnten jederzeit anfangen.“ Hintergrund der Finanzströme: Nach Fertigstellung soll der Mainzer Ring die Funktion der heutigen Kreisstraße 192 übernehmen, die durch Bürgel verläuft. Etwa 11 000 Fahrzeuge verkehren dort täglich. Künftig sollen es 7 000 weniger sein. So der Plan...

Der für Autofahrer ärgerliche zeitliche Verzug kommt der Stadt vielleicht recht. Die Umwidmung des Industrieparks und eine angedachte gänzliche neue Trassierung der Mainstraße eröffnet neue Möglichkeiten. Bekanntermaßen ist die Anbindung von der Mainstraße zwar schon viel diskutiert, aber mehr auch nicht. Der Faktor Zeit spielt in diesem Fall für die politischen Entscheidungsträger.

Zum Baugebiet Bürgel Ost: Der Bebauungsplan sieht ein breit gefächertes Wohnungsangebot mit verschiedenen Haustypen vor. Die Planer haben sich dabei an jenen Wohnformen orientiert, die besonders gefragt sind. Geplant sind etwa 400 Wohneinheiten für Familien in Ein- und Zweifamilienhäusern, sowohl ein- als auch zweigeschossig als auch in zweigeschossigen Doppel- und Reihenhäuser und in dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern entstehen. Dem tragen die Verkehrsplaner Rechnung: Die neue OVB-Linie 108 soll Bürgel-Ost über den Mainzer Ring erschließen.

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