Aus Finanznot: Offenbach hat die Hundesteuer erfunden

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Offenbach - Die Schulden sind hoch, die Kasse ist leer - da ist guter Rat teuer: Vor mehr als 200 Jahren wurde in Offenbach die Hundesteuer eingeführt - wahrscheinlich zum ersten Mal auf deutschem Boden.

In schweren Zeiten kann man schon mal auf den Hund kommen. Wie die Offenbacher anno 1807. Vor 205 Jahren führten sie die „Hunds-Taxe“ ein - damit ist die Stadt vermutlich die erste deutsche Kommune, die Vierbeiner besteuerte. Das legen Recherchen des Stadtarchivs nahe. Heute kassiert fast jede Kommune eine Hundesteuer - selbst, wenn die „fiskalische Wirkung nicht besonders überragend ist“, wie der Deutsche Städtetag in Berlin konstatiert. Aber Kleinvieh macht auch Mist.

1807 hatten die Offenbacher rund 40.000 Gulden Miese angesammelt - eine damals stolze Summe. Durch „erlegte Kriegs-Contributionen, Lieferungen, Einquartierungen und durch sonstig mancherley Kosten“, informiert ein im Stadtarchiv bewahrtes Dokument, das Mitarbeiter Günter Scheib entdeckte. Demnach zahlten die Bürger nicht nur höhere Abgaben auf Mehl, Brannt- und Apfelwein, Essig und Öl, sondern obendrauf die neue Hundesteuer. Der Erfolg blieb mäßig.

Hundesteuer gegen Schulden

Gerade einmal 43 Gulden und 30 Kreutzer flossen den Unterlagen des „Kriegs-Schulden-Tilgungs-Comités“ zufolge im Rechnungsjahr 1811/12 ins Stadtsäckel. Das entsprach umgerechnet gut einem Promille der damaligen Schulden, hat Scheib ausgerechnet. Aktuell kassiert die Stadt rund 250.000 Euro pro Jahr für insgesamt 3000 Vierbeiner. Dem steht ein Schuldenberg von mehr als einer halben Milliarde Euro gegenüber. Der Leiter des Kassen- und Steueramtes, Mihailo Jonas, nimmt es mit Humor: „Immerhin sind die Zeiten vorbei, in denen die Stadt mehr Hundesteuer eingenommen hat als Gewerbesteuer.“

Im Jahr 2002 wies das Kassenbuch 220.000 Euro Hundesteuer-Einnahmen aus, aber fünf Millionen Euro Miese bei der Gewerbesteuer. Für die Städte hat die Taxe über den willkommenen fiskalischen Effekt hinaus einen ordnungspolitischen. Sie sorgt dafür, so der Städtetag, dass „die Zahl der Hunde nicht über ein erträgliches Maß hinausgeht“. Üblicherweise zahlen deshalb Besitzer eines einzigen Hundes einen niedrigeren Steuersatz als Halter von zwei oder drei Tieren. Außerdem steigen der Hundesteuerumfrage 2010 des Städtetags zufolge die Sätze mit der Größe der Kommune.

In Großstädten 119,74 Euro

Während eine Kleinstadt mit bis zu 20.000 Einwohnern sich beim ersten Hund im Schnitt mit 42,93 Euro zufriedengibt, nimmt eine Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern 119,74 Euro. Richtig kostspielig wird der Trend zum Dritthund: Im Einzelfall sind 350 Euro zu berappen. Als gefährlich eingestufte Hunde sind deutlich teurer. Die Regulierungswirkung hatten die Offenbacher schon 1807 im Sinn. Sie beabsichtigten, des „an hiesigem Orte geschehenen übermäßigen Hundehaltens“ beizukommen, verkündete die „Beilage zu Nro. 13 des Privilegirten Offenbacher Frag- und Anzeige-Blatts“, die am 28. Februar 1807 den Untertanen des Fürsten von Isenburg die Erhebung der neuen Steuer kundtat.

Hunde erfüllten in einer als sicher geltenden Stadt nicht mehr ihre ursprüngliche Aufgabe, die Landbevölkerung bei der Arbeit zu unterstützen und zu schützen. Stattdessen waren sie „als Überträger von Krankheiten gefürchtet“, sagt Jonas. So begründeten auch ältere juristische Kommentare die Steuer. Der Deutsche Städtetag sieht es profaner: „Die Gründe liegen, wenn nicht auf der Hand, dann aber auf der Straße.“ Die Hundesteuer ist eine kommunale Angelegenheit. Laut Städtetag bitten alle seine Mitglieder Hundebesitzer zur Kasse. In manchen Bundesländern sind Städte und Gemeinden sogar zur Erhebung verpflichtet, in Hessen aber seit 1999 nicht mehr. Bis auf das reiche Eschborn verzichtet aber wohl keine hessische Kommune freiwillig auf diese Einnahmen.

dpa

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