Mit Finger Bildschirm steuern

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Frank Lamprecht verkauft mit seiner Offenbacher Firma interactive displays Multitouch-Technologie, zum Beispiel für die Schultafeln von morgen.

Offenbach ‐ Wenn Frank Lamprecht die Schultafel der Zukunft vorführt, gleiten seine Finger über die Wand. Er ruft eine Weltkugel auf, zieht sie groß und zeichnet auf ihr. Von Marc Kuhn

Die alte Kreidetafel ist out, jetzt kommt das Whiteboard, wie der Geschäftsführer der Firma interactive displays in Offenbach unserer Zeitung berichtet. Sein 2005 gegründetes Unternehmen stellt unter anderem Bildschirme her, die über die Touch-Technologie gesteuert werden. Schulen in England und den Niederlanden würden das Whiteboard bereits nutzen, auch in den ersten hessischen Klassenzimmern habe es Einzug gehalten, sagt der Informatiker. Er zeigt sich überzeugt davon, dass die Hightech-Tafeln auch in Deutschland zum Standard werden.

Generell glaubt Lamprecht an die Zukunft der Multitouch-Technologie. „Das iPhone war der Wegbereiter“, erklärt er. Mittlerweile sei die Technik stark nachgefragt. „Wir können das zuverlässig liefern.“ Interactive displays konzentriert sich auf Großformate zwischen 30 und 140 Zoll. Angaben zum Umsatz will Lamprecht nicht machen. Er sagt nur soviel: „Die Verkaufszahlen aus 2009 werden bereits im ersten Halbjahr 2010 überschritten.“ Zehn Mitarbeiter stehen auf den Gehaltslisten. Der Geschäftsführer möchte drei weitere Kräfte für die Programmierung, die Werkstatt und den Vertrieb einstellen. Er hat aber Probleme, geeignetes Personal zu finden.

Kontakt zu Unternehmen in Neuseeland und England

Der Erfolg gibt Lamprecht recht. 2002 wagte er zunächst mit einer Multimediaagentur, die unter anderem für das Senckenberg-Museum arbeitete, den Sprung in die Selbstständigkeit. Doch: „Im Softwarebereich tummeln sich Tausende.“ Deshalb habe er nach einer Nische mit Alleinstellungsmerkmal gesucht. „Das haben wir gut geschafft.“ Er stellte Kontakt zu Unternehmen in Neuseeland und England her, die Vertriebspartner für die Touchtechnologie suchten. Diese baut er mit seiner Firma zum Beispiel in Standarddisplays von NEC ein. Durch die Zusammenarbeit bleiben die Großen der Branche flexibel, weil sie kleine Stückzahlen bestellen können, wie der 38-Jährige erklärt.

Die Geräte würden bei Messen und Ausstellungen sowie für Firmenpräsentationen eingesetzt. Der Markt wächst: „In diesem Jahr geht es richtig ab.“ Zudem bietet interactive displays Rahmen an, die auf Bildschirme aufgesetzt werden. In ihnen sind Kameras, die die Position des Finger auf der Oberfläche erkennen. Auf diese Weise lässt sich die Touchtechnik auf die Bildschirme übertragen. Darüber hinaus mache seine Firma Schaufenster interaktiv, berichtet Lamprecht. An den Geräten können sich Kunden beispielsweise außerhalb der Öffnungszeiten über Angebote von Maklern informieren.

Keine Zeit für das eigentliche Geschäft

Lamprecht stellt seine Firma auch schon für die Zukunft auf. Eine Möglichkeit: Von Restaurants gebe es erste Anfragen, die interaktive Rechner für Bestellungen an den Tischen nutzen möchten. Eigentlich wollte Lamprecht auch einen Online-Shop einrichten.

Die bürokratischen Hürden zum Beispiel bei Bestellungen aus dem Ausland seien aber so hoch, dass das Vorhaben verschoben worden sei, sagt seine Frau Barbara Lamprecht. Sie kümmert sich in dem Jungunternehmen um die Verwaltung. Alles, was mit Finanzen im Zusammenhang stehe, habe bei der Gründung einen enormen bürokratischen Aufwand gehabt, erläutert sie. Es bleibe keine Zeit für das eigentliche Geschäft, sagt Frank Lamprecht.

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