Fingerspitzengefühl gefragt

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Die Schwangerschaft ist ein aufregender Lebensabschnitt, in dem sich viele Fragen auftun. Werdende Mütter freuen sich über Rat und Hilfe. Diese bieten etwa eigens Mütterberaterinnen der Krankenkasse DAK.

Offenbach - Es sind neun Monate, die das ganze Leben verändern. Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller großer Gefühle. Die Vorfreude aufs Kind, spüren, wie es im Bauch heranwächst, Schmieden von Zukunftsplänen. Von Veronika Szeherova

Es ist aber auch eine Zeit der Übelkeit, der Müdigkeit, der Anstrengung. Doch vor allem ist es eine Zeit der Fragen.

Werdende Mütter werden im Internet und im Büchergeschäft von Ratgebern sprichwörtlich erschlagen. Doch ersetzen diese kaum den persönlichen Rat eines Menschen, sei es die eigene Mama oder die beste Freundin. Auch an einigen öffentlichen Stellen können sich Schwangere kostenlos Rat einholen. Das städtische Jugendamt hat 2007 mit dem Projekt „Goldmarie“ begonnen, das sich vor allem an minderjährige Schwangere richtet. Die Caritas bietet Beratung für Frauen in Schwangerschaft und in Notsituationen. Sie wurde 2011 von 645 Frauen in Anspruch genommen, davon waren 389 Ratsuchende ausländischer Herkunft. Außerdem gibt es dort das „Mütter-Tandem“, bei dem erfahrene Mütter Schwangere und junge Mütter mit Rat und Tat unterstützen.

Doch auch ohne soziale Not ist der Wunsch nach Beratung bei vielen Frauen groß. Seit vier, beziehungsweise zwei Jahren arbeiten Yasmin Özlem Malatyali und Nicole Schickedanz als Mütterberaterinnen bei der Krankenkasse DAK. „Wir sind ganz normale Kundenberaterinnen, haben aber eine spezielle Weiterbildung“, erläutert Malatyali. Sie ist für Kundinnen in Offenbach zuständig, während Kollegin Schickedanz junge Mütter in den Kreisstädten Dietzenbach, Rödermark und Neu-Isenburg betreut. Etwa 80 Frauen hat derzeit jede von ihnen.

Beratung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es? Wann und wie kann Elterngeld beantragt werden? Das sind typische Fragen. Außerdem liegen Beratungsschwerpunkte in der Wahl der richtigen Geburtsklinik, der Hebamme und schließlich des Kinderarztes. Doch es geht auch persönlicher zu. „Wenn wir eine Kundin über mehrere Jahre betreuen, entsteht ein Vertrauenverhältnis“, so Malatyali. „Da kommt mir manchmal zugute, dass ich selbst Mama bin, dann reden wir über unsere Erfahrungen mit Stillen und Blähungen“, fügt sie lächelnd hinzu.

Die Beratungszeit beginnt, sobald die Krankenkasse erfährt, dass eine Kundin schwanger ist. Sie umfasst alle Vorsorgeuntersuchungen und erstreckt sich bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Ernährungs- und spieltipps etwa sind dann gefragt. „Dieses Angebot gibt es exklusiv bei der DAK, andere Kassen bieten es in dieser Form nicht an“, sagt Raymond Möbs, Leiter des DAK-Servicezentrums in Offenbach. „Der erste Kontakt entsteht, sobald wir von der Schwangerschaft erfahren, dann rufen wir die werdende Mutter an und stellen ihr unser Beratungsangebot vor“, erläutert Schickedanz. „Sie bekommt dann die direkte Durchwahl zu uns, wir sind für die nächsten Jahre für sie da.“

Auch männliche Berater

Eine Tätigkeit, die Fingerstitzengefühl erfordert. Denn, obwohl es meist mit viel Freude und Dankbarkeit seitens der Mütter verbunden ist, wenn das neue Leben gesund auf die Welt kommt, gibt es immer wieder traurige Fälle. Für bestimmte Gesprächssituationen werden die Mütterberaterinnen eigens geschult. „Wir müssen trösten und die richtigen Worte finden können, wenn ein Kind zu früh auf die Welt gekommen ist oder eine Behinderung hat“, so Malatyali. Auch Komplikationen bei der Geburt, zum Beispiel Beatmungsprobleme oder gar Totgeburten, haben die Beraterinnen schon erlebt. Die positiven Erfahrungen überwiegen aber bei weitem. „Wenn Zwillinge oder Drillinge kommen, ist es immer wieder schön“, so Schickedanz. Kollegin Malatyali erinnert sich gern an eine Sturzgeburt, als die Frau vermeintlich wegen ihres Blinddarms eingeliefert wurde: „Manchmal ist es herrlich komplikationslos.“

Es gebe auch männliche Kollegen, die Mütter beraten, erzählt Möbs. Das Offenbacher Team ist zwar rein weiblich, aber einen Tipp für werdende Väter hat der Kassenchef parat: „Die Frau sollte sich bitte unbedingt vor der Entbindung die Fingernägel feilen. Wenn sie sich sonst in Ihren Arm krallt, ist es nicht schön. Ich spreche aus Erfahrung...“

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