Firma Bonifer

Auf Tanklastzüge spezialisiert

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Die „Offenbacher Zeitung“ gratulierte 1939 zur Gründung des Busunternehmens. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die „Offenbach Post“ neugegründet.

Offenbach - Einst war der Name Bonifer auf Bussen in Offenbach und Neu-Isenburg sowie auf Fahrzeugen des RMV zu finden. Das Familienunternehmen ist aus dem Geschäft ausgestiegen und konzentriert sich auf Tanklastzüge. Bonifer ist 75 Jahre alt geworden. Von Marc Kuhn 

Das Jubiläum wird im September mit etwa 500 Gästen in der Messe Offenbach gefeiert. „Opa war Omnibusfahrer und hat sich selbstständig gemacht“, sagt Stefan Bonifer mit Blick auf die „Offenbacher Zeitung“ von 1939 an der Wand, auf deren Titelseite die Gründung des Unternehmens Bonifer verkündet wurde. Der Betrieb habe eigentlich schon vorher mit einer Tankstelle an der Seligenstädter Straße angefangen, ergänzt sein Bruder Andreas Bonifer. Gemeinsam führen sie die Firma mit rund 1 400 Mitarbeitern.

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden mit dem Unternehmen Silbervogel Omnibuspauschalreisen nach Oberbayern, Österreich und Spanien angeboten. Später konzentrierte sich Bonifer auf den öffentlichen Nahverkehr. 2012 sei das Busgeschäft verkauft worden, erklärt Andreas Bonifer. „Das ist uns nicht einfach gefallen.“ Schließlich gehe die Sparte auf die Ursprünge der Firma zurück. „Wir haben keine Perspektiven gesehen“, berichtet Bonifer. Er spricht von einer katastrophalen Ausschreibungspraxis des Landes Hessen. Der Billigste bekomme die Aufträge. Die Folge sei Lohndumping, erläutert Bonifer. Sein Bruder fügt hinzu: „Wir haben uns außer Stande gesehen, an Ausschreibungen teilzunehmen.“

Etwa 400 Tankanlagen

Bereits 1958 hat Bonifer die ersten Tanklastzüge angeschafft. Heute sind es etwa 400. 50 Lkw sind im Rhein-Main-Gebiet stationiert - in Offenbach, Mainz Gustavsburg und Flörsheim, immer in der Nähe der Öllager. „Die Überschrift lautet Gefahrgut“, sagt Andreas Bonifer über das Geschäftsmodell seiner Firma. Transportiert würden Mineralölprodukte in flüssiger - und Gasform. Bonifer versorgt Tankstelle vor allem im Süden Deutschlands. Aral hat 2 400 Stationen. „Davon versorgen wir die Hälfte“, erklärt Bonifer. Von den 1 200 Esso-Tankstellen würden 650 von den Offenbachern angefahren. Und auch Agip-Stationen beliefern sie. „Ganze Netze werden in unsere Obhut gegeben“, berichtet Stefan Bonifer.

Das Foto zeigt die Tankstelle 1935 an der Seligenstädter Straße in Offenbach, die von Andreas Bonifer betrieben wurde.

In Deutschland hat sein Unternehmen zehn Niederlassungen. Von dort werden die großen Mineralölkonzerne angefahren. Die Lkw bringen den Sprit dann zu den Tankstellen. Bonifer ist auch in Österreich, Tschechien, Polen, der Slowakei, Ungarn und Slowenien vertreten. 1990 begann die Expansion in Osteuropa. Im vergangenen Jahr haben die Offenbacher einen Umsatz in Höhe von rund 100 Millionen Euro erwirtschaftet. Etwa 70 Millionen Kilometer fahren die Tanker im Jahr - 1 750-mal um die Erde. Neben Sprit transportiert Bonifer auch Bitumen, ein Bindemittel, das unter anderem für die Produktion von Asphalt benötigt wird. Kerosin wird von Raffinerien an Flughäfen in Hahn, Stuttgart, Nürnberg und Erfurt geliefert. In Polen wird Autogas zu Tankstellen gebracht. Stick- und Sauerstoff würde ebenfalls transportiert, erklärt Andreas Bonifer. Kohlensäure wird nach seinen Worten zum Beispiel an Coca Cola und an Bierbrunnen geliefert.

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit

„Die Auswahl an qualifizierten Dienstleistern ist immer enger geworden“, berichtet Bonifer aus der Branche. „An oberster Stelle stehe Sicherheit, Sicherheit und noch mal Sicherheit.“ Das gelte für die Fahrzeuge, erläutert Stefan Bonifer. Sie hätten beispielsweise reflektierende Streifen, zusätzliche Spiegel und Kameras für das Zurücksetzen der Lkw. Die Technik in den Tanks sei standardisiert. Bonifer legt auch großen Wert auf die Ausbildung der Fahrer. Zur Sicherheit beim Personal gehöre auch, dass bei der Fahrt nicht telefoniert werden kann, sagt Bonifer. Und: Die Tanklastzüge können nicht schneller als 80 Stundenkilometer fahren. Und wenn sie zu spät kommen? „Dann ist das eben so“, sagt Andreas Bonifer. Die Fahrer nehmen auch an einem Anti-Roll-Over-Training teil, weil Lkw sich überschlagen können, ohne dass der Mann am Steuer die nahende Gefahr spürt. Dieser Gefahr beugt das Programm vor. Die Brüder sind stolz darauf, dass Bonifer schon mehrfach für die Sicherheitsmaßnahmen mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden ist.

Für die Zukunft sehen sie Wachstum vor allem in Osteuropa - und auch wieder in Deutschland. Der hiesige Markt habe lange stagniert, erklärt Andreas Bonifer. Der Grund: Der Kraftstoffverbrauch der Autos geht kontinuierlich zurück, folglich benötigen die Tankstellen weniger Sprit. Deshalb ändert Bonifer seine Strategie etwas. Bisher war das Unternehmen auf die großen Tankstellenbetreiber konzentriert, in deren Händen 56 Prozent der rund 15 000 Stationen in Deutschland sind, wie Bonifer berichtet. Künftig sollen auch die kleineren Betreiber angefahren werden, die ihr Geld mit zehn bis 25 Tankstellen verdienen.

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Derweil baut die Firma ihr zweites Standbein aus: Die 1989 gegründete Lomo Soft. Mit der Technik der IT-Firma werden die Daten von etwa 30.000 Tankstellen verwaltet. So wird sichergestellt, dass stets genug Sprit vorhanden ist. „Wir bieten den Kunden ein komplettes Logistik-Paket an“, sagt Bonifer. Gerade seien Verträge mit Katar und Abu Dhabi über den Einsatz der Software unterzeichnet worden.

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