Geschichte der Innung mitgestaltet

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Offenbach - „Unsere Spezialität sind Sanierungen“, sagt Thomas Isser. Bei dem Offenbacher Traditionsunternehmen Kohler aus der Malerbranche ist der 25-Jährige gerade in die Führungsebene aufgerückt. Von Marc Kuhn

Sein Vater Alois Isser, der die Entwicklung im Malerhandwerk in Stadt und Kreis in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat, will kürzer treten. Am Sonntag feiert die Firma ihr 85-jähriges Bestehen aus dem vergangenen Jahr nach. Aus diesem Anlass erhält Geschäftsführer Alois Isser seinen Goldenen Meisterbrief zum 50. Jubiläum seiner Prüfung von Obermeister Jürgen Jobmann sowie von Hessens Arbeits- und Sozialminister Stefan Grüttner.

Von 1997 bis 2003 war Alois Isser stellvertretender Kreishandwerksmeister in Offenbach. In den Jahren von 1989 bis 1996 leitete er die Malerinnung Offenbach. 1996 sei sein Vater federführend an dem Zusammenschluss der Innungen Offenbach, Frankfurt und Darmstadt beteiligt gewesen, erklärt Thomas Isser. Von 1999 bis 2005 führte er diese als Obermeister. Sie trägt den Schriftzug „Farbe, Gestaltung, Bautenschutz“ - diesen hat auch das Unternehmen Kohler in seinen Firmennamen aufgenommen. Bis heute ist Alois Isser regionaler Obermeister der Maler in Stadt und Kreis Offenbach. Jetzt habe der 73-Jährige angefangen, „runterzuschalten“, berichtet sein Sohn.

1926 von Friedrich Kohler gegründet

Die Firma ist 1926 von Friedrich Kohler gegründet worden. Bei ihm hat Alois Isser, der 1954 als 15-Jähriger in den Betrieb eingetreten ist, gelernt. 1985 habe der Vater das Unternehmen dann übernommen, erklärt Thomas Isser.

Er selbst habe seine Meisterprüfung im vergangenen Jahr in München abgelegt, sagt Thomas Isser. Zuvor habe er an der Leibnizschule Abitur gemacht und bei einem Betrieb im Odenwald das Handwerk gelernt - „damit man weg vom Schuss ist“. Nun ist sich der 25-Jährige der Verantwortung für die 18 Mitarbeiter bewusst. Aber: Auf vieles könne die Meisterschule einen nicht vorbereiten, erklärt er. „Man wächst mit seinen Aufgaben - täglich.“

Thomas Isser

Die Firma Kohler führt hauptsächlich Renovierungsarbeiten im gesamten Rhein-Main-Gebiet durch, wie Isser berichtet. „Neubauten sind nicht unser Metier.“ Malen, tapezieren, Stuck anbringen und Fliesen verlegen - fast alle handwerklichen Arbeiten gibt es aus einer Hand. „Außer Elektro- und Installationsarbeiten machen wir fast alles“, erläutert Isser. In Hessen dürften Maler im Gegensatz zu anderen Bundesländern ein breites Spektrum an Dienstleistungen anbieten, sagt der Jungunternehmer. „Der Maler macht ziemlich viel.“ Die Aufgaben werden von den Innungen geregelt. Im hessischen Landesinnungsverband der Maler arbeite sein Bruder Simon, ein gelernter Bürokaufmann, sagt Thomas Isser.

Wichtig für das Geschäft

Wichtig für das Geschäft von Kohler sind auch Wärmedämmungen. „1970 haben wir die erste Dämmung angebracht“, erklärt Isser. Heute seien sie bis zu 16 Zentimeter dick. Nach Angaben der staatlichen KfW-Bankengruppe könnten mit Dämmungen bis zu 40 Prozent Heizkosten gespart werden, berichtet Isser. Ohnehin interessiere sich der Kunde sehr für Finanzierungen. Eine Aufgabe, die vor allem Berater übernehmen. Deshalb ist Isser auch Energieberater im Maler- und Lackiererhandwerk.

Stärker als die Energiewende wirkt sich nach seinen Angaben allerdings die Eurokrise auf die Geschäfte der Maler aus. Wegen der Verunsicherung würden die Verbraucher ihr Geld verstärkt in Sanierungsarbeiten stecken. „Die Leute nehmen das vermehrt in Anspruch“, sagt Isser.

Alois Isser

Die Vielfältigkeit macht den Malerberuf interessant - auch für junge Leute. Die Firma Kohler habe vier Auszubildende, berichtet Isser. Sein Vater habe im Laufe der Jahre mehr als 80 Lehrlinge zur Gesellenprüfung gebracht. Der Mittelständler bildet vor allem für den eigenen Bedarf aus, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Allerdings ist es mittlerweile häufig schwierig, geeignete Jugendliche zu finden. Oft seien die Sozialkompetenzen und Kenntnisse beispielsweise in der Rechtschreibung nicht ausreichend, sagt Isser.

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