Fische im Strafraum

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Ruder und Paddel tauschen die Mitglieder des Wassersportvereins von 1926 derzeit mit Schaufel und Besen.

Bürgel ‐ Der Main verschluckte das Ufergelände. Noch vor wenigen Tagen blickten Bürgeler und Rumpenheimer aufs Wasser. Tauwetter und Regen hatten das Hochwasser mitgebracht und damit das Gesicht der Stadt für ein paar Tage verändert. Von Katharina Skalli

Schneller als die braunen Fluten kamen, sind sie nun wieder weg. Wie als habe der Fluss mal wieder zeigen wollen, dass er sich ungern zwischen Betonwände sperren lässt. Trotz teils erheblicher Schäden nehmen die Vereine am Main die Situation recht gelassen. „Das Wasser kommt alle paar Jahre und gehört eben dazu“, sagt Ruth Lösel. Als Abschiedsgruß hinterlässt der Main stets Schlamm und Sand, verziert die Plätze, Hauswände und Zäune der Sportvereine am Ufer mit Schlingpflanzen und Wassergräsern. Hier und da zappelt sogar noch ein Fischlein im nassen, kalten Gras oder in den Rinnsalen auf dem Gelände. Am Wochenende wagten sich die ersten Vereinsmitglieder über den Deich, um nach dem Rechten zu sehen und nach dem, was das Wasser zurückgelassen hat.

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Aufräumen nach dem Hochwasser

In einem Kraftakt hatten Mitglieder des Wassersportvereins (WSV) vor der Flut die Geräte und Boote aus der unteren Halle in die obere geräumt und in Sicherheit gebracht. „Im Seitengebäude muss bestimmt gestrichen werden“, erwartet Ruth Lösel noch einige Arbeitsstunden. „Außerdem muss der Sand weg, bevor er aushärtet.“ Sie erinnert sich noch gut an ein Hochwasser in den 1990er Jahren. Damals mussten die Boote noch aus der alten, bereits überfluteten Halle gezogen werden, damit sie von den Wassermassen nicht an die Decke gedrückt werden.

Einige Mitglieder beobachten regelmäßig die Pegelstände des Mains, damit rechtzeitig reagiert werden kann. Schon einige Male überquerten Aktive die Wiese beim Bootshaus mit dem Paddelboot. Ruth Lösel rechnet damit, dass an einigen Stellen gepumpt werden muss. „Sicher ist auch irgendetwas kaputt gegangen“, sagt sie. „Doch das Wichtigste haben wir gerettet.“ Und das sind die Boote. So ist das Training auf dem Main nicht gefährdet.

Das Hochwasser kam ein wenig unerwartet

Bei der benachbarten Sparta stand der Sportplatz unter Wasser. An Fußballspielen war nicht zu denken, eher an Wasserball. Nur der Hart- und der Bouleplatz sind bereits wieder trocken. Auf die Mitglieder kommt jede Menge Arbeit zu. Der Sand muss weg, zudem der angeschwemmte Müll und die verirrten Fische, die in der Vergangenheit schon einmal in einer Rettungsaktion zurück in den Main gelangten. Besonders ärgerlich: Erst 2010 waren die Umkleiden Außen renoviert worden. „Das ist das Schlimmste“, sagt die DJK-Vorsitzende Brigitte Fenn.

Trotz Hochwassererfahrung trafen die Wellen des Mains den Verein ein wenig unerwartet. Die Situation sei herunter gespielt worden, so Fenn: „Die Entwarnung kam diesmal zu früh.“ Während der Hallen-Stadtmeisterschaften seien die Fußballer zum Gelände gefahren und hätten die Umkleiden ausgeräumt. „Das war Glück im Unglück“, sagt die Vereinschefin. Ihre Fußballer können auf jeden Fall weiter trainieren. Das Sportbüro hat ihnen Hallen zur Verfügung gestellt. Auch sie erinnert sich an das 90-er Hochwasser. „Da hat es anschließend gefroren.“ Die Spartaner kennen die Hochwassergefahr: „Wir rechnen jedes Jahr damit.“

Auch Marion Coates vom Wassersportverein Offenbach (WVO) ist sich jedes Jahr aufs Neue der Situation bewusst. „Diesmal war es nicht so schlimm“, sagt die Sprecherin. Bevor das Wasser kam, wurden die Wohnwagen auf dem Campingplatz in Sicherheit gebracht, damit die Dauercamper keine nassen Füßen bekommen. Ein Zaun ist umgeknickt und muss erneuert werden außerdem einige Pfosten. Die meiste Arbeit hat Ruth Koch, Pächterin der Gaststätte auf dem Campingplatz. Seit Sonntag kämpft sie gegen Nässe, Schmutz und Schlamm. Einige Möbel wird sie wegschmeißen. Das sei bitter, meint Coates, denn an der Gaststätte hänge ihre Existenz.

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