Wer fischt Scheine aus den Briefen ?

Offenbach - Wer sich nach wie vor der etwas aus der Mode gekommenen Kommunikationsform des Briefeschreibens bedient, weiß es: Kein Bargeld in den Umschlag stecken. Von Matthias Dahmer

Manchmal gibt es aber kaum andere Wege. Für ältere Menschen etwa, die dem weit entfernt wohnenden Enkel zu Kommunion, Konfirmation oder auch einfach nur so eine kleine Aufbesserung des Taschengelds zukommen lassen wollen. „Erklären sie dem Kind mal, es könne sich 20 Euro bei der Mutter abholen, auf deren Konto ich das Geld natürlich auch hätte überweisen können. Da ist doch die Überraschung weg“, sagt Paul Saupe.

Der Offenbacher ist 80 Jahre alt, und die Überraschung für ihn ist eher unerfreulicher Natur. Drei Briefe mit kleineren Beträgen hat er an seinen Enkel im norddeutschen Stade geschickt, keiner ist angekommen. „Erst dachte ich, das Problem liegt bei der Post in Stade. Weil aber ein weiterer nach Kassel geschickter Brief mit Bargeld dort ebenfalls nicht beim Empfänger landete, muss wohl hier jemand das Geld aus den Umschläge klauen“, vermutet Saupe.

Aus seinem Bekanntenkreis sind ihm weitere Fälle bekannt. So verschwanden etwa mit Scheinen bestückte Kondolenzbriefe. Saupe: „Hier ist es besonders schwierig, etwas zu ermitteln. Wer fragt da schon nach, ob das Geld auch angekommen ist.“

Dass es Langfinger gibt, will Pressesprecher Alexander Böhm nicht leugnen. Wer erwischt wird - egal ob Mitarbeiter der Post oder einer mit der Briefkasten-Leerung beauftragten Firma - fliegt raus, sagt er. Die Ermittlungen seien in solchen Fällen aber nicht einfach.

In der Regel, so Böhm, sind es mittlerweile Fremdfirmen, welche die Kästen leeren. Von jeder damit beauftragten Person wird ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt. Und die Tatsache, dass diese Mitarbeiter und ihre Fahrzeuge nicht immer den vertrauenserweckendsten Eindruck machen, dürfe die Post zunächst einmal nicht kümmern, sagt der Pressemann und mahnt: „Auf gar keinen Fall Bargeld verschicken.“

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