Es fehlen Edel-Büros

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Wo zahlt das Gewerbe in Offenbach wie viel: Den Quadratmeter Bürofläche gibt es in Zone I für 5 bis 13 Euro, in II für 4 bis 16, in III für 4,50 bis 10, in IV für 3,50 bis 7, in V für 4 bis 8 und in Zone VI für 5 bis 8,50 Euro.

Offenbach - Nackte Zahlen im aktuellen „Flächenreport“ des Amts für Wirtschaftsförderung sind wenig aussagekräftig. Von Thomas Kirstein 

Dass etwa Offenbachs Leerstandsquote 2014 mit 10,74 Prozent unter der gestiegenen Frankfurts (je nach Quelle zwischen 11,7 und 13,8 Prozent) liegt, erlaubt keinen Rückschluss auf die Attraktivität der Städte für gewerbliche Mieter. Der Rückgang des Angebots an freien Büroflächen um 7800 Quadratmeter (rund fünf Prozent) verdankt sich nicht einer immens gestiegenen Nachfrage: Lediglich 2000 Quadratmeter sind neu vergeben, der Rest ist entweder in Wohnraum umgewandelt oder wegen gegenwärtiger Nichtvermietbarkeit vom Markt genommen. Zudem fehlen die freien Flächen des City-Towers, dessen neuer Eigentümer, ein Finanzinvestor, der Stadt noch nichts über seine Pläne verraten hat.

Oberbürgermeister Horst Schneider und Amtsleiter Jürgen Amberger freuen sich bei Vorstellung des 23. Flächenreports über Stabilität und ein „nach wie vor angemessenes Flächenangebot in allen Segmenten“. Das wollen die Offenbacher weiterhin und verstärkt auch in internationale Schaufenster wie bei großen Messen in Cannes oder München stellen.

Wirtschaftsförderer Amberger macht aber keinen Hehl daraus, dass Nachholbedarf an Büro-Neubauten besteht. Die gegenwärtig enormen Erfolge der Stadt im Wohnungsbau dürften nicht davon abhalten, Offenbach als Bürostandort wieder sichtbarer zu machen. Demnächst soll es dazu ein Makler-Investoren-Architekten-Frühstück im Hafen geben. Insgesamt stehen 1,05 Millionen Quadratmeter für eine Bebauung mit Gewerbe zur Verfügung. Die größte zu entwickelte Fläche ist mit mehr als 300 000 Quadratmetern das Clariant-Areal an der Mühlheimer Straße, bei dem sich die Eigentümer noch für eine kleinteiligere oder eine großflächige Vermarktung entscheiden müssen.

Größter Leerstand in Kaiserleistraße

Bestehende Angebote an Büros passen oft wegen Zustand und Zuschnitt nicht zu den Vorstellungen von Interessenten. Ein Großteil des Büroleerstands sei nicht marktfähig, befinden die Autoren des Reports. Doch setze sich bei den Eigentümern – meist den Privaten – zunehmend die Einsicht durch, dass frühzeitige Anhebung der Qualität hilft. Auch lassen sich immer mehr von der Wirtschaftsförderung überzeugen, dass eine Aufteilung von Objekten in kleinere Einheiten erfolgversprechender ist als die oft angestrebte Gesamtvermietung. Das Amberger-Amt hat die sogenannte Kreativwirtschaft im Fokus, betreut Künstler, Kleinunternehmer und Existenzgründer, die sie als Nutzergemeinschaften mit Eigentümern zusammenbringt. Gewerbeparks in Rumpenheim oder an der Sprendlinger Landstraße sind voll, neue Angebote dieser Art wären sinnvoll.

Auch für neue hochwertige Büroflächen in guter Lage (besonders Kaiserlei, Hafen und Zentrum) gibt es Nachfragen. „Um diese dann auch in Ansiedlungen umsetzen zu können, wäre ein höherer Bestand vermietbarer, hochwertiger Flächen hilfreich“, heißt es im Report. Die größten Leerstände sind derzeit das ehemalige Wetterdienst-Gebäude in der Kaiserleistraße mit 17.000 Quadratmetern, das Haus der Wirtschaft an der Berliner Straße mit 13.000 Quadratmetern und mit einer ebensolchen Fläche das möglicherweise im November verkaufte Honeywell-Gebäude im Kaiserlei. Zerschlagen hat sich die Hoffnung, Ableger der Europäischen Zentralbank könnten nach Offenbach kommen: Dem OB wurde erläutert, dass alles, was mit der EZB zusammenhängt, vertraglich eine Frankfurter Adresse haben muss.

Auf dem Markt der Lager- und Produktionsflächen ist der Leerstand geringfügig gesunken, ebenso bei den Ladenflächen. Letzteres verdankt sich der Ansiedlung der Baumarktkette Screwfix an der Mühlheimer Straße. Im Einzelhandel werden laut Report verstärkt die guten Lagen nachgefragt. Außerhalb der Fußgängerzone fällt die Vermarktung hingegen schwer. Die Wirtschaftsförderung stellt sich im Flächenreport 2014 die Aufgabe, „Eigentümer von vakanten Flächen zu motivieren, ihre Objekte durch Renovierungen aufzuwerten.“

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