Flamme aus der Zapfsäule

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Als Feuerzeuge noch keine Wegwerf-Produkte, sondern ein Zeichen für Lebensart waren.

Offenbach - Niemand weiß zu sagen, wieviel Feuerzeuge einst aus Offenbach zu Rauchern in aller Welt fanden. Es müssen Hunderttausende gewesen sein, damals, als es die Wegwerf-Dinger noch nicht gab, als ein Feuerzeug noch Lebensart ausweisen wollte. Von Lothar R. Braun

Heute ist Offenbach als ein Zentrum der „Brandstifter“-Erzeugung nur noch Geschichte. Doch die alten Marken leben fort auf dem Sammlermarkt. Namen wie Rowenta, Mylflam, Kremer & Bayer oder Heinrich Böhme haben noch immer einen Geldwert. Es ließ sich am Wochenende erleben beim Sammlertreffen im Haus der einstigen Mylflam-Firma Heinrich Maltner auf der traditionsreichen „Heylandsruhe“, oben auf dem Buchhügel.

Die Veranstalter Charlotte Rothmann, geborene Maltner, und Matthias Burgey konnten von weither angereiste Besucher begrüßen. Zum „Treffen der Liebhaber alter Feuerzeuge und Rauchkultur“ kamen sie aus Hamburg, Düsseldorf und Hannover. Und natürlich fehlten nicht die Rentner aus der näheren Umgebung, die einmal in Offenbach Feuerzeuge produziert haben.

Schleifen eines Feuerzeug-Rohlings

Wilhelm Zich ist einer von ihnen. „Da sitze ich“, sagt er und deutet auf ein an der Wand hängendes Tableau mit Fotos aus der Mylflam-Vergangenheit. Zich erkennt sich auf einem Bild, das einen jungen Mann beim Schleifen eines Feuerzeug-Rohlings zeigt. Und dann führt er zu einer Vitrine, die das fertige Produkt präsentiert: „Da steht es!“ Das Produkt und sein Hersteller sind Zeugen einer vergangenen Zeit.

Nostalgie füllt den Lichthof der ehemaligen Fabrik, die 1978 nach mehr als hundert Jahren ihre Produktion einstellte. Die Tische sind bedeckt mit Benzin- und Gasfeuerzeugen aus alter und jüngerer Produktion. Ein primitiver Anzünder, bei dem das Zündrad mit dem Daumen bewegt werden muss, wird zum Nachbarn glamouröser Tischfeuerzeuge. Da kann die Flamme schon mal aus einem Flugzeug schlagen, aus einem Telefon oder einer Luxusyacht springen. Eine Garnitur mit eingebauter Uhr stellt eine Tankstelle dar, bei der flammt es – Gott behüte – aus der Zapfsäule.

Tischfeuerzeug wie Aladins Wunderlampe

120 Euro soll ein Tischfeuerzeug bringen, das wie Aladins Wunderlampe gestaltet ist, wie ein antikes Öllämpchen. Für 60 Euro kann man Beutel erwerben, die jeweils mit zehn verschiedenen Rowenta-Modellen gefüllt sind. Nur als Einzelstücke gibt es vergoldete Rowenta-Kleinformate für die Damenhandtasche.

Man sieht Feuerzeuge, auf die Großfirmen für dezente Werbung ihre Markennamen gravieren ließen. Zigarettenhersteller ließen Feuerzeuge fertigen, die eine Zigarettenpackung nachbilden. Andere Modelle sind mit einem eingravierten Landschaftsbild geschmückt. Protziges und Verspieltes, Elegantes und Monströses, Kitschiges und Feines: Im Raucherbedarf spiegelt sich die Vielfalt dessen, das einmal für chic gehalten wurde.

Nicht wenige Offenbacher haben damit ihr Brot verdient. Für die Wirtschaft der Stadt war die Feuerzeug-Herstellung durchaus von Bedeutung. Es ließ sich beim Sammlertreff auch an einer dort ausgelegten Sonderausgabe der Offenbach-Post aus dem Jahr 1984 ermessen. Sie erschien zum hundertjährigen Bestehen der Firma Rowenta. Die verdiente damals zwar weitaus mehr Geld mit elektrischen Haushaltsgeräten, aber im allgemeinen Bewusstsein ist sie mit ihren Feuerzeugen verbunden geblieben.

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