Flammen in Gebäude 219

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Blick ins Innere am Morgen danach: Der Boden ist mit Resten von Dachziegeln und Holzbalken bedeckt, das Dach ist teilweise eingestürzt.

Offenbach ‐ Der Boden ist mit Dachziegelresten und verkohlten Holzbalken übersät, die Maschinen sind verbeult, die Leitungen verschmort, das Dach fehlt zur Hälfte, die Fensterscheiben sind zersplittert. Von Matthias Dahmer

Feuerwehrleute räumen die letzten Geräte weg, über allem liegt auch am Morgen danach noch der typische Brandgeruch. Und zwei Männer stehen vor den Trümmern ihrer beruflichen Existenz. Vorerst zumindest. Denn Wolfgang Fey und Ingo Reuter, die Geschäftsführer der IWO-Pellet Rhein-Main GmbH, werden weitermachen. Ob an gleicher Stelle oder einem anderen Standort im Industriepark ist noch offen. Das müssen die Gutachten zum Zustand des Gebäudes ergeben.

Auf rund drei Millionen Euro schätzt Fey den Schaden, der in der Nacht zu gestern bei dem Großbrand entstanden ist. Weil vermutlich eine Verpuffung Ursache des Feuers war, gehen die beiden Geschäftsführer davon aus, dass der Brand, bei dem zum Glück niemand verletzt wurde, ein Versicherungsfall ist. Mindestens acht Monate, sagt Fey, dauert es, bis neue Maschinen geliefert sind.

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Großbrand in Pellet-Fabrik auf Allessa-Gelände

Um 1.54 Uhr geht bei der Offenbacher Berufsfeuerwehr die Meldung ein, dass die Produktionshalle für Holzschnitzel im westlichen Teil des weitläufigen Allessa-Geländes brennt. Als die Einsatzkräfte wenig später am „Gebäude 219“ eintreffen, ist der Dachstuhl bereits zum Teil eingestürzt. Weithin sichtbare Flammen gibt es nicht, das Feuer wütet vor allem im Inneren des 15 mal 25 Meter großen Backsteinbaus.

Bis um 3.45 Uhr hat die Wehr den Brand unter Kontrolle. Sie wird von Einsatzkräften der Allessa-Werksfeuerwehr, der freiwilligen Feuerwehr sowie dem Rettungsdienst Offenbach unterstützt. Nach ersten Erkenntnissen der Brandschützer hat eine Staubexplosion in der Ablufttrocknung das Feuer ausgelöst. Dafür spricht der Zustand der Abluftvorrichtung an der nördlichen Außenwand der Produktionshalle. Die tonnenschwere Anlage ist aus ihrer Verankerung herausgerissen, der große Ventilator hat den Abluftschacht zertrümmert.

So ging es auf dem Gelände der Allessa in der Brand-Nacht zu.

Die Iwo-Pellet hat seit Dezember 2006 im einstigen Industriepark mit acht Mitarbeitern jährlich rund 20.000 Tonnen Holzteilchen für die Verfeuerung in Privathaushalten produziert. Das Unternehmen gilt als Vorbild für den angepeilten Wandel des weitläufigen Areals vom Chemiestandort zu einem auf erneuerbare Energien ausgerichteten Gewerbepark. Weshalb sich auch die Energieversorgung Offenbach (EVO) Ende 2007 mit 24,9 Prozent an der Iwo-Pellet beteiligt hat.

Unabhängig davon treibt die EVO direkt neben dem nun ausgebrannten Gebäude ihre Pläne für die Produktion von Indutriepellets voran. Im Oktober soll eine 13 Millionen Euro teure Anlage in Betrieb gehen, die zunächst 65.000 Tonnen Pellets pro Jahr herstellt. Ein Biomasse-Heizkraftwerk, das mit Grünschnitt läuft, wird die Energie für die Pelletsproduktion liefern. Das rund drei Millionen teure Kraftwerk ist laut EVO-Sprecher Harald Hofmann bereits Ende April fertig. Es sollte eigentlich auch die IWO-Pellet mit Energie versorgen.

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