Flashmob auf dem Aliceplatz

Mädchen tanzen gegen Diskriminierung

Offenbach - „Mir geht‘s so gut, weil ich ’n Mädchen bin“, sang in den 90er Jahren die deutsche Popband Lucilectric. Doch weil die Realität oft anders aussieht, will der Internationale Mädchentag auf die Benachteiligung von Mädchen auch in Offenbach aufmerksam machen. Von Corinna Hiss

Erst vor zwei Jahren wurde der Internationale Mädchentag von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Nun wird er am kommenden Freitag erstmals in Offenbach gefeiert. „Wir wollen öffentlich ein Zeichen setzen, dass Mädchen ihre Anliegen ausdrücken können“, erläutert Karin Dörr, kommunale Frauenbeauftragte der Stadt.

Dafür wird am Freitag um 11.30 Uhr auf dem Aliceplatz zum Tanz-Flashmob aufgerufen, an dem Mathilden- und Bachschülerinnen beteiligt sind. Das Lied dazu, „Weil ich ein Mädchen bin“, hat die Frankfurter Rapperin Zeda Faust eigens für den Internationalen Mädchentag geschrieben.

Mitmachen ausdrücklich erwünscht

Dörr ruft zur Teilnahme auf: „Alle Offenbacher Mädchen können und sollen am Freitag auf der Straße sein und tanzen.“ Und falls das Wetter nicht mitspielt, soll das nicht als Ausrede dienen: „Wir stellen Regencapes bereit!“

Anders als der Weltfrauentag, den es schon längere Zeit gibt, richtet sich dieser Tag speziell an heranwachsende Frauen. Er soll anderen Aktionsformen wie dem Tanz und der Selbstdarstellung Raum geben. Forderungen an die Erwachsenen sind beispielsweise der Schutz vor sexuellen Übergriffen und der Abbau von Geschlechterhierarchien. Auch hofft Dörr, dass die Teilnehmerinnen zeigen, wie sie das Ungleichgewicht zwischen Mädchen und Jungen wahrnehmen.

Mädchen sollen öffentlichen Raum nutzen

„Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern zwar schon auf dem Weg der Gleichberechtigung“, findet Agnes Thölking vom Jugendamt. Das Kinderhilfswerk Plan International hat dazu einige Zahlen geliefert, die letztlich ausschlaggebend für die Entstehung des Internationalen Mädchentag waren. So würden mehr weibliche Föten abgetrieben, Mädchen werde öfter als Jungen der Schulbesuch versagt, und durchschnittlich verdienten Frauen nur zehn Prozent des Welteinkommens.

„Mädchen haben oft einen besseren Bildungsabschluss und werden finanziell im Beruf doch benachteiligt“, entrüstet sich Lioba Jansen von der Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit, die den Internationalen Mädchentag veranstaltet. Und Thölking beobachtet: „In der Stadt spielen Männer Schach und spontan Fußball auf der Straße. Es wird Zeit, dass auch die Mädchen den öffentlichen Raum nutzen.“

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