Ein Fleckchen Heim-Fernost

Offenbach ‐ Draußen blüht’s momentan noch recht spärlich: Hasel, Erle, Zaubernuss im öffentlichen Grün, Winterjasmin, Hamamelis und Schneeglöckchen in den Gärten sind derzeit die einzigen Pflanzen, die erste Frühlingsgefühle bereiten.  Von Silke Gelhausen-Schüßler

Wer aber schon im Februar aus dem Vollen schöpfen wollte, konnte am Wochenende auf der Messe „Gartenträume 2011“ die Freiluftsaison für sich eröffnen - oder sich in den Messehallen an der Kaiserstraße wenigstens einbilden, Frühling unter freiem Himmel zu genießen.

81 Aussteller präsentierten auf über 10 000 Quadratmetern eine inspirierende Reise durch die Gartenwelt, zeigten neueste Trends und Gestaltungsideen. Der niederländische Veranstalter De Methoeve Organisatie B.V. präsentiert seit 15 Jahren bundesweit den grünen Treffpunkt, die Stadt Offenbach stand zum ersten Mal auf seiner Liste. Methoeve-Mitarbeiterin Marlies Assink: „Die Besucher sind ganz angetan, weil es so etwas hier wohl noch nicht gab, wir bringen Gartenbesitzer und Fachleute zusammen. Für nächstes Jahr haben wir bereits eine Wiederholung geplant.“

Einige Aussteller von Resonanz enttäuscht

Etwas weniger angetan ist man bei der Baumschule Müller aus Rastede bei Oldenburg, die regelmäßig in ganz Deutschland unterwegs ist. Der Freitag sei die reinste Katastrophe gewesen, der Samstag zwar schon besser, aber: „Ob wir nochmal wiederkommen, wird erst Sonntagabend entschieden. Zur Zeit lassen die Käufer auf sich warten.“

Die enttäuschten Fachhändler stellen sogar die Frage, ob es hier überhaupt Kleingärten gibt. Davon gibt es ein paar tausend in der Stadt, und mehrere Vereins-Vorsitzende werden auch auf der Messe gesichtet. Sie haben die Qual der Wahl zwischen unzähligen Zwiebel-, Knollen- und Wasserpflanzen, Gehölzen, Stauden und Bonsais. Oder den „very longlife“ - das sind traditionelle englischen Gartenwerkzeuge. Die haben Werkzeugstiele aus Eschenholz und rostfreien Edelstahl. Die typischen Gießkannen mit dem Design des 19. Jahrhunderts sind vollverzinkt und zusätzlich epoxylackiert - doppelt hält eben besser und bereitet lange Freude.

„Japanträume" auf eineinhalb Quadratmetern

Ein Motto gibt es übrigens auch: Die „Tausend Gesichter des Wassers“ kann man in den fünf detailgetreu angelegten Schaugärten entdecken. Selbst wer gar keine Grünfläche sein eigen nennt oder nur Terrasse oder Balkon besitzt, kann sich bei Marco Seidls „Japanträumen“ ein „Leben auf höchstem Niveau“ bestellen. Denn Seidl beherrscht die Kunst, selbst auf eineinhalb Quadratmetern ein Stückchen Fernost nach Deutschland zu holen. Dieses Fleckchen enthält dann das Tsukubai, das traditionelle Wasserbecken mit Bambusschöpfkelle zur Reinigung von Händen und Mund vor der Teezeremonie und die typischen Pflanzen - Schlangenbart, Liriope, Ophiogon.

Interessant auch die Wegeführung seiner Gärten: Die verlaufen nie gerade, sondern grundsätzlich im Zickzack, was böse Geister abhalten soll. Über mangelndes Interesse kann der Unternehmer aus Wöllstadt indes nicht klagen: er hat am Samstag schon einige Aufträge gesammelt.

Luxushängematte und Bronzeskulpturen

Dekoration von klein bis riesengroß und alles, was man sonst noch so in den Garten verfrachten kann, kam auf der Messe ebenfalls nicht zu kurz. Von der Luxushängematte bis zum Whirlpool und vom Dreibein-Edelstahlrotationsgrill bis zu lebensgroßen Bronzeskulpturen war wirklich alles vertreten, was man sich vorstellen konnte.

Von diesem Riesenangebot fast schon überfordert, entzücken besonders die kleinen feinen Sachen wie die Holzblumen von Hubertus Fließbach. Er spitzt Weidenäste wie einen Bleistift an und fertigt aus den Radialspänen kunstvolle Blüten, die er mit einer speziellen Batikfarbe intensiv zum Leuchten bringt.

Wer eine Verschnaufpause brauchte, ging zu einem der angebotenen Vorträge. Es lockten wie die schönsten Gartenreiseziele der Welt oder„Bonsai-Bäume.

Rubriklistenbild: © Georg

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