Fleischproduktion in unserer Region

Vertrauen ist das A und O

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Ernährungsexpertin Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen kennt sich aus im Dschungel der Fleischproduktion. 

Offenbach/Frankfurt - In den meisten Fällen können Verbraucher nicht erkennen, woher ihre Schnitzel oder die Zutaten ihrer Wurst stammen. Nur bei frischem Kalb- und Rindfleisch sei die Herkunft der Ware nachzuvollziehen, sagt Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Von Nina C. Zimmermann (dpa) und Lena Marie Jörger

Der Ort von Geburt, Aufzucht und Schlachtung des Tieres lassen sich an Hinweistafeln in der Theke oder auf der Verpackung ablesen. Diese Regeln für Rindfleisch seien in Folge der BSE-Krise erlassen worden. „Die Vorschriften entfallen aber, wenn das Fleisch verarbeitet wird“, erklärt die Ernährungsexpertin. Bei Schwein oder Lamm gebe es von keine Ursprungskennzeichnung. „Und bei unverarbeitetem Geflügel erfährt man die Herkunft nur, wenn die Tiere nicht aus EU-Ländern stammen.“

Nicht so beim Offenbacher Metzgermeister Jürgen Nußbaumer, der am Hessenring Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion und von Lieferanten verkauft. Nußbaumer: „Wenn wir Fleisch einkaufen, dann in der Regel halbe Tiere, da kommt der Herkunftsnachweis automatisch mit.“ Noch einfacher ist es beim Rindfleisch, das bezieht die Metzgerei seit fast 30 Jahren von einem Mühl-heimer Betrieb. „Wir achten schon darauf, dass die Transportwege nicht zu groß sind und das Fleisch überwiegend aus Deutschland kommt.“

Ausnahmen gibt es aber auch. So reihen sich in Nußbaumers Theke Mühlheimer Rind und norddeutsches Geflügel an Lammfleisch aus Neuseeland und Steaks aus den USA. „Neuseeland ist einfach für gutes Lammfleisch bekannt“, rechtfertigt Nußbaumer. Das Produkt komme tiefgefroren nach Offenbach, „aber die Kunden wissen das auch.“ Auch die US-amerikanischen Rindersteaks gehen in der Metzgerei häufig über die Theke. „Das Fleisch hat eine ganz besondere Maserung, das ist bei den Kunden sehr beliebt.“ In erster Linie sei Vertrauen beim Fleischkauf das wichtigste: „Ich vertraue den Lieferanten - und meine Kunden mir.“

„Regionalfenster“ für regionale Waren

Mehr Orientierung bei regionalen Waren soll das neue Zeichen „Regionalfenster“ bieten, das derzeit bundesweit eingeführt wird. Es wird Schauff zufolge auch für Fleisch gelten. Es sei allerdings freiwillig, und die Tiere müssten nicht von der Geburt an in der im Kennzeichnungsfeld definierten Region gelebt haben. Es genüge die dortige Mast und Schlachtung. Das Label steht außerdem nicht für bestimmte Tierhaltungs- und Umweltstandards oder ökologische Erzeugung. „Darüber hinaus existieren verschiedene regionale Markenfleischprogramme, in Hessen beispielsweise das Landeszeichen „geprüfte Qualität Hessen“, das die Herkunft kennzeichnet“, erläuterte Schauff. Dabei gehen bestimmte Haltungs- und Fütterungsvorschriften über konventionelle Standards hinaus.

Wem eine tierfreundlichere Fleischerzeugung wichtig ist, kann zu Ware mit den beiden zuverlässigen Tierschutzsiegeln greifen: dem Label von der Organisation Vier Pfoten und dem vom Deutschen Tierschutzbund. Beide gelten für Masthühner und Schweine, das Vier-Pfoten-Siegel darüber hinaus für Rinder. „Das Problem ist, dass beide Siegel freiwillig sind und unterschiedliche Standards haben. Das und die verwirrende Vielzahl weiterer Tierhaltungslabel, die überwiegend der Werbung dienen, macht den Fleischeinkauf für Verbraucher schwierig“, sagte Schauff. „Es fehlt ein einheitliches, rechtlich verbindliches Tierschutzsiegel.“ 

Verbraucher, die grundsätzlich Wert auf eine tier- und umweltfreundliche Erzeugung und gentechnikfreie Fütterung legen, sollten Fleisch aus ökologischer Erzeugung kaufen, rät die Expertin. Diese Produkte sind erkennbar an dem EU-Bio-Siegel. Über dessen Standards hinaus geht Bio-Ware, die zusätzlich mit den Logos der anerkannten Öko-Verbände wie Demeter oder Bioland gekennzeichnet ist. Metzgermeister Nußbaumer hat bislang nur ausgewähltes Bio-Fleisch im Sortiment. „Die Nachfrage ist bei mir im Laden einfach noch nicht so groß“, sagt er. Allerdings legten seine Kunden vermehrt Wert auf Qualität und Herkunft des Fleisches - allerdings sei das auch eine Preisfrage.

„Die Ansprüche haben sich über die Jahre verändert“, hält Nußbaumer fest. „Während mein Großvater früher ganze Schweinehälse verkaufte, möchten die Kunden nun eher speziell zugeschnittene Ware, zum Beispiel für Fondue.“ Woran das liegen könnte, hat sich der Offenbacher auch schon überlegt. „Ich denke, das hängt teilweise damit zusammen, dass die Leute im Internet Rezepte lesen und dann ganz genaue Vorstellungen haben.“

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Genau zu überlegen, wie viel Fleisch man braucht, ist auch Nußbaumers Tipp für Verbraucher. „Weniger ist mehr, so bleiben auch keine Reste. Und falls doch, sollte man sie auf jeden Fall weiterverarbeiten.“

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