Wohn-Service-Team hilft Senioren

Fleißige Alltagshelfer

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Maria Heller vor dem Wohn-Service-Team-Hauptquartier in der Hans-Böckler-Siedlung. Von hier schwärmen vier Mitarbeiter zu den Hilfsbedürftigen aus.

Offenbach - In der Hans-Böckler-Siedlung steht das Wohn-Service-Team immer dann parat, wenn ältere Bewohner nicht mehr alleine weiterkommen: Egal, ob im Haushalt, beim Einkaufen, oder beim Arztbesuch. Von Ronny Paul

Helmut Stein ist seit eineinhalb Jahren Witwer. Seine Frau hat den Haushalt jahrzehntelang geschmissen: „Sie war sehr reinlich. Hier gab‘s nicht einen Krümel auf dem Teppich“, erzählt der 80-jährige Ur-Rumpenheimer in seiner Wohnung auf der Frankenstraße.

Seitdem sie nicht mehr da ist, kämpft er mit täglichen Dingen, die vorher seine Gattin wie selbstverständlich erledigt hat. Stein wäre der Verzweiflung nahe, gäbe es nicht Hans-Ulrich Schmitt vom Offenbacher Wohn-Service-Team (WST).

„Hier gibt es lauter alte Leute im Haus. Die brauchen alle mehr oder weniger Hilfe bei alltäglichen Dingen. Herr Schmitt greift uns da kräftig unter die Arme“, lobt Stein den WST-Mitarbeiter, der jede Woche die Anwohner in der Frankenstraße umsorgt: „Die Menschen hier in der Siedlung brauchen uns und sind immer sehr dankbar“, freut sich Schmitt.

Der gelernte Feintäschner ist quasi „Mädchen für alles“: Jegliche Haushaltshilfen erledigt er, vom Aufräumen, Putzen, Spülen, Mülleimer und Briefkasten leeren, über Gartenarbeit, Treppenhauspflege, Einkaufen, oder Arztbesuche. Auch Wohnungen entrümpelt und den Sperrmüll entsorgt hat er schon. Bezahlt wird die Hilfe entweder in Bar oder mit Märkchen. Selbstverständlich werde jedesmal eine Quittung ausgestellt, schmunzelt Schmitt über die Bürokratie des Alltags. Gegen eine 4,50-Euro-Marke bekommen die Anwohner eine halbe Stunde Hilfe aller Art. „Das lohnt sich richtig“, findet Stein. Auch das Schwätzchen zwischendurch mit Schmitt möchte er nicht missen. Demonstrativ nimmt auch Stein ausnahmsweise den Staubwedel in die Hand und versucht, dem WST-Mann ein wenig zur Hand zu gehen.

Helmut Stein (links) und Hans-Ulrich Schmitt bei der Arbeit.

Ein Stück weiter in der Brandenburgerstraße ist das „Hauptquartier“ des WST in der Hans-Böckler-Siedlung. Ein mit Graffiti besprühter Container steht für die vier Arbeitskräfte im Schatten des höchsten Hauses. Darin wartet die ehemalige Garten- und Landschaftsbauerin Maria Heller darauf, dass der strömende Regen endlich nachlässt: „Eigentlich wollte ich schon vor einer halben Stunde mit der Außenpflege beginnen. Aber bei dem Wetter macht das wenig Sinn.“ Sie ist seit 2011 im Team dabei: „Mit unseren Kunden und meinen Mitarbeitern komme ich blendend zurecht“, schwärmt sie. Zuvor war sie als Küchenhilfe und Reinigungskraft bei der Gemeinützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) tätig und kam auf Empfehlung zum WST-Team.

Heller arbeitet derzeit zwölf Stunden die Woche auf 400 Euro Basis. „Es ist natürlich schwierig, mit so wenig Geld über die Runden zu kommen“, gesteht sie. Doch habe weder sie noch ihr krankheitsbedingt arbeitsunfähiger Mann Probleme, Verzicht zu üben. „Es ist wichtig, dass was zu Essen auf dem Tisch steht und Strom und Miete bezahlt sind.“ Außerdem sei sie hart im Nehmen. Da sie Geringverdienerin ist, wird sie vom Arbeitsamt bezuschusst. Sie hofft noch lange für das WST arbeiten zu dürfen: „Ich habe mich auch schon auf andere Stellen beworben, bin aber schlichtweg zu alt“, sagt sie schulterzuckend: „Im November bekommen wir Bescheid, wie es bei uns weitergeht.“

Sie meint die insolvente GOAB, bei der die Servicearbeiter angestellt sind. Das WST soll aber weitergeführt werden, so WST Disponentin Sabine Hofmann. Auch Schmitt hofft darauf: „Ohne Arbeit gibt’s schließlich nichts im Leben.“ Das WST gibt es seit 2007 in Offenbach. Es ist ein Projekt der GOAB und der Nassauischen Heimstätte/ Wohnstadt. Die Unternehmensgruppe ist in Hessen Eigentümer von 61.000 Mietwohnungen in 140 Städten.

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