Hessischer Städte- und Gemeindebund fürchtet Personalmangel

Neues Kita-Gesetz begünstigt Gebühren-Poker in Kommunen 

Offenbach/Obertshausen/Wiesbaden - Ab August soll der Besuch hessischer Kitas nichts mehr kosten. Zumindest für Kinder zwischen drei Jahren und Einschulung – für sechs Stunden am Tag. Wie teuer Betreuung darüber hinaus wird, ist Sache der Kommunen. Experten fürchten ein Ungleichgewicht. Von Eva-Maria Lill und Peter Schulte-Holtey

Gesetze verabschieden ist eine Sache, sie gerecht umzusetzen eine andere. Auf dem Papier klingt der Beschluss des Landtags Ende April, die Kita für Kinder zwischen drei Jahren und Einschulung für sechs Stunden am Tag kostenlos anzubieten, nach Eltern-Entlastung. Denn bislang war in Hessen bloß das letzte Kindergartenjahr für fünf Stunden gebührenfrei.

Doch wie sich Städte die Betreuung über die nun angesetzten sechs Stunden hinaus bezahlen lassen, ist unterschiedlich. In Obertshausen etwa wird im Stadtparlament über einen generellen Beitrags-Verzicht nachgegrübelt (wir berichteten), Wiesbaden hebt die Gebühren mit Eintreten des Gesetzes ab 1. August sogar an – von derzeit 160 auf 215 Euro. Frankfurt will Krippen-Plätze kostenfrei anbieten. Das komme derzeit „wegen der angespannten Haushaltslage“ aber nicht infrage, sagt eine Sprecherin des Bildungsdezernats in Frankfurt.

In Offenbach ist laut Stadt noch nichts entschieden, Hanau plant keine Erhöhung der Gebühren für eine Betreuung über sechs Stunden hinaus.

Von Einheitlichkeit kann also keine Rede sein. Es droht ein Flickenteppich, gerade im Rhein-Main-Gebiet. Der Geschäftsführer des hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke, macht die Umsetzung des Gesetzes an den städtischen Geldbeuteln fest. „Jede Kommune“, sagt er, „muss sehen, wie sie finanziell über die Runden kommt und wie hohe Kita-Gebühren sie dafür braucht.“ Er stellt klar: „Es muss mit ganz unterschiedlichen Angeboten gerechnet werden.“

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Zusätzlich fürchtet Schelzke wachsende Konkurrenz um ohnehin knappes Personal: „Das Gesetz macht es nicht einfacher.“ Er schätzt, dass in Zukunft deutlich mehr Kinder eine Kita besuchen werden. „Im bisher kostenfreien letzten Jahr gehen fast alle, sonst aber nur 93 Prozent der über Dreijährigen zur Betreuung“, sagt er. Komme es wie erwartet, wären in Hessen kurzfristig bis zu 10.000 Kinder mehr zu betreuen als bisher.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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