Flickwerk aus Geldmangel

+
Die ESO-Schlaglochtruppe: Alex Rössler, Tim Ritter und Heiko Emmel reparieren Frostschäden in der Mainstraße.

Offenbach ‐ Ein Blick auf Offenbachs Straßen genügt, um zu erkennen: In diesem Jahr wird es teuer, richtig teuer.  Von Matthias Dahmer

Der Frost der vergangenen Woche hat tiefe Krater im Asphalt hinterlassen, teilweise geht es auf den mit Tempo-30-Schildern bestückten Pisten fast nur noch im Slalom um die Schlaglöcher. 2,8 Millionen Euro, „das übliche Budget“, hat Kämmerer Michael Beseler für die Reparatur der Winterschäden beiseite gelegt. Vorerst. Denn diesmal wird deutlich mehr benötigt, ist er sich sicher.

Lesen Sie zum Thema Schlagloch außerdem:

Teure Spuren des Winters

Kälte reißt Löcher in den Straßenbelag

Felder von Schlaglöchern

Fahrbahnen werden Kraterlandschaften

Harter Winter geht richtig ins Geld

Davon ist auch Christian Loose vom Stadtdienstleister ESO überzeugt. Konkrete Zahlen können er und Beseler aber noch nicht nennen. Der ESO ist nämlich mittendrin in der Schlaglöcher-Bestandsaufnahme, die an einigen besonders üblen Stellen gleich mit einer Schadensbeseitigung verbunden ist. Drei ESO-Trupps sind laut Loose ständig unterwegs, um provisorisch zu retten, was zu retten ist. Dauerhafte, sprich mindestens bis zum nächsten Winter haltende Reparaturen, sind erst drin, wenn es länger so um die zehn Grad plus hat. In etwa zwei Wochen, schätzt ESO-Projektmanager Loose, ist die Bestandsaufnahme abgeschlossen.

Diese Daten werden nicht die einzigen sein, mit denen sich Kämmerer Beseler und die anderen Verantwortlichen im Rathaus beschäftigen müssen: Bereits im Dezember hat die IFI Consult GmbH aus Hannover im Auftrag der Stadt alle Straßen in Offenbach unter die Lupe genommen. Mit modernster Messtechnik, Loose nennt sie Geo-Radar, sind die Fachleute den großen und mit optischer Erfassung den kleineren Straßen zu Leibe gerückt.

Mit Geo-Radar Straßen zu Leibe gerückt

Das Ergebnis ist Grundlage fürs weitere Vorgehen, für eine dauerhafte Sanierung. Christian Loose: „Nun wissen wir, welches Verfahren an welcher Stelle am geeignetsten ist.“ Der ESO, kündigt er an, wird dann seine gesammelten Werke im Rathaus abgeben und V orschläge unterbreiten. Dass man sich die Arbeit hätte sparen können – so weit will Kämmerer Beseler nicht gehen. Die mittels Geo-Radar gewonnenen Daten hält er schon für eine wertvolle Information. Aber zur Umsetzung der ESO-Wünsche fehlt einfach das Geld. „Man kann hier keine falschen Hoffnungen wecken“, sagt Beseler. Viel mehr als ihre Verkehrssicherungspflicht könne die Stadt nicht erfüllen. Früher sei Geldmangel ein Alleinstellungsmerkmal Offenbachs gewesen, jetzt sei es der „Mainstream“.

So wird’s wohl auch in diesem Jahr wieder nur Flickwerk werden auf den Straßen. Beseler kann damit leben: „Es sind eben eher die Löcher in den Kitas und Schulen zu stopfen als in den Straßen“, sagt er.

Kommentare