Flieger heben mit Technik aus Offenbach ab

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Phillipp Volz zeigt so genannte Aktuatoren. Die Geräte werden zum Beispiel in der Medizintechnik eingesetzt.

Offenbach ‐ Vom Modellbau zur Hightech-Schmiede: Ein Weltrekord erinnert an die Anfänge des Unternehmens Volz Servos. Von Marc Kuhn

Etwa 650 Kilometer in der Stunde ist ein Segel-Modellflugzeug schnell, das immer noch auf die kleinen Steuereinheiten der Offenbacher Firma setzt und damit seine Höhen-, Seiten- und die Querruder bedient, erzählt Phillipp Volz stolz. Der vom Vater gegründete Betrieb mit Sitz in der Kaiserstraße habe 1979 zunächst Modellflugzeuge vertrieben. Seit 1983 habe sich das Unternehmen auf die Entwicklung und den Vertrieb von so genannten Aktuatoren konzentriert.

Sie bestehen aus einem Motor, Getriebe, Elektronik und einem Gehäuse. Mit ihnen werden Vorgänge in Geräten gesteuert. Aktuatoren funktionieren dabei wie Servos in Modellflugzeugen, mit dem Unterschied, dass sie weit höheren Ansprüchen genügen müssen. Mittlerweile werden sie beispielsweise in der Medizintechnik von Firmen wie Siemens, Rodenstock und Linos eingesetzt. Etwa 5 000 bis 6 000 Stück würden die neun Mitarbeiter pro Jahr herstellen, erklärt der 27-jährige Betriebswirt, der seit Februar der Geschäftsführung angehört.

Großteil der Produktion geht in Industrie

Etwa 30 verschiedene Servos hat das Unternehmen im Programm, um möglichst viele Anwendungen abzudecken. Oft werden die Geräte, die zwischen 20 und 260 Gramm wiegen, auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt. „Das zeichnet uns aus“, sagt Volz, „wir sind sehr innovativ und können individuelle Lösungen anbieten.“ Die Teile werden bei Zulieferern gefertigt. Montage und Qualitätskontrolle finde in Offenbach statt, berichtet Volz.

Für die Aktuatoren gebe es „unglaublich viele Anwendungen“. Der Großteil der Produktion gehe in die Industrie, an „namhafte, große Kunden“. Die Servos aus Offenbach werden beispielsweise in Röntgengeräten eingesetzt. Ein wichtiges Standbein des Unternehmens sind auch „unbemannte Systeme“ wie Hubschrauber und Flugzeuge, in denen die Servos zum Einsatz kommen, wie Volz erläutert. Sie würden zum Beispiel bei der Minensuche und in Katastrophengebieten zur Aufklärung eingesetzt und seien mit Kameras ausgestattet. Zur Grenzüberwachung würden die unbemannten Flieger mit Technik aus Offenbach ebenso eingesetzt.

Die US-Firma Honeywell kaufe die Aktuatoren unter anderem. Und: „EADS ist ein wichtiger, guter Kunde“, sagt Volz. In den unbemannten Objekten sieht er einen Wachstumsmarkt. Die Staaten würden in diesem Bereich immer mehr Geld investieren, „vor allem die USA“. Auf diese Weise würden Überwachungen günstiger. Die Offenbacher haben zudem wasserdichte Aktuatoren entwickelt. Ein Kunde in Spanien baue sie in Systeme ein, mit denen Thunfischschwärme beobachtet würden, erklärt Volz.

Kunden sitzen in Europa, USA und Asien

„Wir statten auch viele Universitäten aus“, berichtet er. Darüber hinaus kaufen wissenschaftliche Einrichtungen wie das Deutsche Luft- und Raumfahrtinstitut und das Fraunhofer Institut in seinem Betrieb ein. „Und auch die TU Darmstadt hat schon mit uns zusammengearbeitet.“ Die Kunden der Offenbacher sitzen in ganz Europa, den USA und Asien. „Wir stehen für Präzision sowie Qualität und haben weltweit einen sehr guten Namen“, sagt Volz. Deshalb benötigte die Firma bisher keine Werbung und keinen Vertrieb. Um neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen will der Jungunternehmer jetzt aber Vertriebsstrukturen aufbauen und „aktiv in den Markt gehen“.

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