Fließrichtung wird geändert

Rumpenheim  - Als die Landgrafen von Hessen-Kassel noch in ihrer Rumpenheimer Sommerresidenz weilten, war so was schnell erledigt: Der Hausherr hatte das alleinige Sagen. Heute ist das anders im Schloss Rumpenheim. Von Martin Kuhn

Bei Sanierungsarbeiten haben einige mitzureden – unter anderem die Stadtverordneten, die heute um 17 Uhr öffentlich im Rathaus tagen. Sie sollen Arbeiten im Innenhof des Schlosses genehmigen.

Die Eigentümer des Ost- und des Westflügels des Schlosses haben bereits vor längerer Zeit die Bitte an die Stadt gerichtet, eine Sanierung der wassergebundenen Decke des Hofes vorzunehmen. Eine Prüfung ergab, dass die Entwässerung der Fläche nur unzureichend funktioniert. „Nach Regenfällen gibt es Pfützen und unmittelbar vor dem Hauptgebäude große aufgeweichte Flächen“, berichtet der Magistrat. Und weiter: „Die Entwässerungsrichtung zum Haus hin entspricht nicht dem Stand der Technik.“ Heißt: Künftig soll das Regenwasser zur zentralen Rasenfläche fließen.

Das macht umfangreiche Arbeiten notwendig: Die vorhandene Tragschicht muss ausgebaut und unter Berücksichtigung eines geotechnischen Gutachtens wieder aufgebaut werden. Am Übergang zur Rasenfläche wird die Decke von einem Naturstein gefasst. Nach Süden erhält die wassergebundene Decke eine Stahlkante als Einfassung, so dass die Fläche klar definiert ist. Der vorhandene Stromanschluss des Brunnens wird von der Breiten Straße zum Ostflügel des Schlosses umverlegt und künftig von den Eigentümern selbst unterhalten, die im Zuge der Erbpacht für die Unterhaltung des Brunnens zuständig sind.

Hört sich aufwendig an, ist es wohl auch. Dies liegt darin begründet, dass die drei Flügel des Gebäudes sowie der Innenhof mit Rasenoval und Brunnen unter Denkmalschutz stehen. In den Erbpachtverträgen mit den Eigentümern ist geregelt, dass die Erbbauberechtigten verpflichtet sind, „alle Bauwerke und Anlagen über und unter der Erde während der Dauer des Erbbaurechts in ordnungsgemäßen Zustand zu halten“. Insbesondere obliegt den Erbbauberechtigten die Säuberung und Unterhaltung der Zu- und Abgangsflächen. „Es wurde festgestellt, dass die Oberflächengestaltung und die Entwässerung des Innenhofes nicht dem heutigen Stand der Technik entspricht und weitere Folgeschäden drohen.“

Und wie so oft, geht es auch um das liebe Geld. Nach Berechnung des Bauamts und eines Planungsbüros kostet der neue Innenhof 129.000 Euro. Die drei Eigentümer-Gemeinschaften hatten eine Beteiligung von 50 Prozent vorgeschlagen. Dem folgt der Magistrat; den Rest zahlt der Steuerzahler.

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