Pianistin Valentina Babor im Capitol

Flinke Tastenprinzessin

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Stimmige Inszenierung: Per Videoleinwand ließ sich die attraktive Münchner Pianistin sogar auf die Finger schauen. Foto: Georg

Offenbach - Valentina Babor spielt, was ihr gefällt. Das unterstrich die Münchner Pianistin auch bei ihrem Crossover-Programm im Offenbacher Capitol. Von Klaus Ackermann

Manche waren wohl erpicht auf Klassik pur, andere wiederum schätzen ihr Crossover von Pink bis Robert Kelly, von Beethoven bis zum Spanier Albeniz. Voll auf ihre Kosten kamen alle beim Konzert der Valentina Babor im Offenbacher Capitol. Denn die selbsternannte „Piano Princess“ (so der Titel ihres ersten Silberlings) kann vor allem eins, fantastisch Klavierspielen, ob nun bei rockig inszenierten Pop-Hits oder bei virtuosen Schwergewichten aus dem Pianier-Salon.

Da sitzt ein blond gelocktes Model im engen Lederkleid am Flügel und haut auf die Tasten, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Auf einer zentral platzierten Video-Leinwand kann man der attraktiven Münchnerin sogar auf die Finger schauen, zudem ideal geeignet für visuelle Überblendungen. Beim berühmten Rondo des barocken Henry Purcell etwa, das Babor, begleitet vom Damen-Streichquartett, munter ausziert, wirkt es als spiele sie in einem großen Dom.

Wie überhaupt die fein polierten Klassik-Perlen - etwa Beethovens ausdrucksstark gespielte Mondscheinsonate (1. Satz) – ausgesprochen dezent instrumental begleitet werden. Da war ein stilistisch einfühlsamer Arrangeur am Werk. Unaufdringlich auch das robuste Rock-Trio mit Thilo Zerr (Gitarre), Jacob Stock (Bassgitarre) und funky Drummer Frederic Michel, nicht nur bei den Hits im Balladenton der Elton John („Sorry Seems To Be The Hardest Word“) oder Meat Loaf („Anything For Love“), die Babor dramatisch auflädt.

Mit dem rhythmisch markanten „Libertango“ des legendären Astor Piazzolla bringt die junge Pianistin, die ihr Programm so kundig wie kurzweilig beplaudert, eine weitere Farbe ins Spiel – auf dem Video von Tangotänzern umschwärmt, versteht sich. Dass sich Babor eingedenk ungarischen Temperaments an Liszts 2. Rhapsodie ein wenig verhebt, ist spätestens beim Fantasie-Impromptu von Chopin vergessen, ebenfalls solo und angenehm differenziert gespielt.

Selbst Schlagerniederungen scheut der kommende Showstar nicht, die schwedische Gruppe Abba nachträglich am Klavier adelnd. Das ist ebenso publikumswirksam wie der kleine Junge, der mit ihr spielen darf - und seinen einen Ton rhythmisch sicher einpasst. Wer jetzt meint, das laufe unter dem verkaufsfördernden Motto „Was ihr wollt“ ab, der irrt. Es sind alles Lieblingsstücke einer Hochleistungspianistin, die zwischen E- und U-Musik nicht unterscheidet.

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